Donnerstag, 8. Dezember 2016

Zitat des Tages: Psalm


Dass aus dem Samen des Menschen
Kein Mensch
Und aus dem Samen des Ölbaums
Kein Ölbaum
Werde,
Es ist zu messen
Mit der Elle des Todes.

Die da wohnen
Unter der Erde
In einer Kugel aus Zement,
Ihre Stärke gleicht
Dem Halm
Im peitschenden Schnee.

Die Öde wird Geschichte.
Termiten schreiben sie
Mit ihren Zangen
In den Sand.

Und nicht erforscht wird werden
Ein Geschlecht,
Eifrig bemüht,
Sich zu vernichten.

(Peter Huchel [1903-1981]: "Psalm", in: "Chausseen, Chausseen. Gedichte", Fischer 1963)


Mittwoch, 7. Dezember 2016

Big Brother: Unser schöner Überwachungsstaat soll gläserner werden


Bei Zeit Online war kürzlich ein Bericht zu lesen, der auf die jüngste Gesetzesänderung in Sachen weltweiter Überwachung und Staatsschnüffelei unserer amerikanischen Freunde hinwies. Dort heißt es:

[Die seit dem 1. Dezember 2016 gültige Neuregelung] besagt, dass jeder Amtsrichter in den USA dem FBI und anderen Bundesbehörden mit einem einzigen Durchsuchungsbeschluss erlauben kann, beliebig viele Computer in beliebigen Jurisdiktionen zu durchsuchen. Sprich: zu hacken. [Hervorhebungen nicht von mir.]

Die Information, dass (nicht nur) amerikanische Geheimdienste so etwas (und viel mehr) natürlich schon lange tun, ist allerspätestens seit Edward Snowdens Enthüllungen bekannt - allerdings wird im Zeit-Artikel darauf selbstredend nicht hingewiesen. Snowden gehört schließlich zu den "Bösen", so dass es dem Autor offenbar nicht erwähnenswert erscheint, auf die bislang auch in den USA illegale und dennoch gängige Praxis der "Dienste" aufmerksam zu machen, die nun nachträglich durch ein "freiheitlich-demokratisches" Gesetz legitimiert wird.

Natürlich wird auch hier die absurde Steinzeitkeule der "Kinderpornografie" angeführt - letztlich geht es in diesem staatlichen Überwachungswahnsinn aber lediglich darum, die dem Internetnutzer noch zur Verfügung stehenden Abwehrmöglichkeiten wie VPN, TOR oder anderweitige Verschlüsselung ganz einfach zu umgehen, indem staatliche Schadsoftware in großem Stil eingesetzt wird. Wer eine solche Malware auf seinem Rechner, Dumpf-Phone, Tablet etc. hat, ist für die "Dienste" ein offenes Buch - ganz egal, welche Anonymisierungs- und Verschlüsselungsversuche da seitens des Nutzers auch erfolgen mögen.

Außerdem ist es weiterhin möglich - was in den vereinzelten pseudo-empörten Berichten der Propagandapresse längst nicht mehr erwähnt wird -, dass mittels dieser Staatstrojaner das jeweilige Endgerät nicht nur lückenlos überwacht, sondern natürlich auch beliebig manipuliert werden kann, ohne dass dies nachweisbar ist. So lassen sich beispielsweise beliebige Dateien darauf speichern oder Aktionen ausführen, von denen der Nutzer überhaupt keine Kenntnis hat - der manipulativen Willkür der "Dienste" im scheindemokratischen, nun in den USA auch gesetzlich legitimierten Mäntelchen sind hier also Tür und Tor so weit geöffnet wie niemals zuvor.

Und wer glaubt, dass "Geheimdienste" aus anderen Ländern, in denen es so "fortschrittliche" Totalüberwachungsgesetze (noch) nicht gibt, sich von der illegalen Praxis fernhielten, sollte das verstaubte Märchenbuch über den Datenschutz, die Persönlichkeitsrechte und die informationelle Selbstbestimmung endlich aus der Hand legen und sich der bösen, kapitalistischen Realität stellen. Die korrupte Bande will die gläserne Bevölkerung, auch wenn sie dieses ersehnte Ziel so deutlich niemals öffentlich formuliert: Es ist längst in greifbarer bzw. ergriffener Nähe; und kein Popanz ist dämlich genug, um es zu vollenden.

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Die Verantwortlichen



(Lithographie von George Grosz [1893-1959] aus dem Jahr 1920, in: "Ecce Homo", Malik 1923; Verbleib des Originals unbekannt)

Dienstag, 6. Dezember 2016

Plattes von Platta (3): Ausflug in den Analsex


In sehr unregelmäßigen Abständen werde ich ab jetzt auch die gelegentlichen Ausbruchsversuche des Plattfußindianers Holdger P. in die Welt der feinen Künste unter dem Titel "Kastanien, oh ihr lieblichen Analkugeln (mit und ohne Stachelmantel)" begleiten. Echte LyrikerInnen kommen hier ja schließlich ebenfalls zu Wort. - Heute:

Stricher in Geldnot

Fünf Stricherjungen bücken sich
wie heiße Ruten der gekauften Wollust
auf dem Bahnhofsklo.

Ausblendend das grunzende Stöhnen der
fettleibigen Kundschaft, hört man sie leise rufen:

"Komm spritz, komm spritz, komm spritz bitte nur ins Gummi ...!"


Montag, 5. Dezember 2016

Kapitalismus: Unser segensreiches Paradies


Vor einigen Tagen war bei Zeit Online ein Beitrag zu lesen, der sich mit dem Buch "Neben uns die Sintflut" von Stephan Lessenich beschäftigt. Ich muss vorwegschicken, dass ich dieses Buch nicht gelesen habe und deshalb dazu nichts weiter sagen kann - hier geht es allein um den Text des Zeit-Autors Mathias Greffrath. Der beginnt seinen Bericht mit den Worten:

"Höhere Löhne, kürzere Arbeitszeiten, bessere Wohnungen, eine umfassende Sozialversicherung und so weiter – es ist keineswegs sicher, dass wir uns diese Dinge leisten können, wenn wir die Vorteile preisgeben, die wir aus der kolonialen Ausbeutung ziehen." So lautet schon 1945 der hellsichtige Befund von George Orwell. Er hat noch einige Gültigkeit, wenn man "Kolonialismus" durch den "globalisierten Kapitalismus" ersetzt. Der systemische Zusammenhang, in dem die einen gewinnen und die anderen verlieren, ruft immer wieder die Ungleichheitsforscher auf den Plan: nun den Soziologen Stephan Lessenich mit seinem Buch "Neben uns die Sintflut".

Das klingt, abgesehen vom Euphemismus des "globalisierten Kapitalismus", erst einmal vielversprechend, doch die kapitalismusfreundliche Zeitung geriete in arge Bedrängnis, wenn der Autor nicht bereits im nächsten Absatz mit dem üblichen Verwässern und Vernebeln begänne, indem er die logischen, zwingenden Folgen des Katastrophensystems kurzerhand zu "Nebenwirkungen" degradiert. Und so reiht sich auch in der Folge eine haarsträubende Dummheit an die nächste: Er referiert widerspruchslos, dass laut Lessenich beispielsweise die "Entwicklungshilfe" der westlichen Staaten aufgrund "korrupter Eliten" (wohlgemerkt: in den "Entwicklungsländern", nicht etwa in Deutschland oder den USA) nicht funktioniere, und versteigt sich gar zu der These, dass der "globalisierte Kapitalismus" unter anderem auch dazu geführt habe, dass sich "in den neu in den Weltmarkt eintretenden Ländern eine neue Mittelklasse [gebildet] und auch die Lage der Ärmsten [ein wenig] verbessert" habe.

So kann nur ein bornierter Schnösel argumentieren, der seine Schäfchen längst im Trockenen hat (oder zu haben glaubt) und fleißig-devot darum bemüht ist, das Katastrophensystem auf Teufel-komm-raus zu retten. In diesem Zusammenhang darf natürlich auch der hanebüchene Unsinn von der "überalterten Wohlstandsgesellschaft" nicht fehlen - ganz so als gebe es hierzulande keine zig Millionen Arme, Erwerbslose und Billigstlöhner, die händeringend nach Erwerbsarbeit bzw. einer etwas höheren Bezahlung suchten. Überhaupt findet sich im gesamten Text kein einziger Hinweis auf die Nutznießer dieses teuflischen Systems, nämlich die selbsternannte, superreiche "Elite" - als vermeintlich Schuldiger tritt wieder einmal das imaginäre Kollektiv aller westlichen BürgerInnen auf, das in seiner Gesamtheit "über die Verhältnisse anderer" lebe. Dieser lächerliche Trick ist so alt wie das Konzept der verdummenden Propaganda selbst, doch offensichtlich funktioniert er immer noch tadellos.

Selbstverständlich hat Greffrath auch die passenden Lösungen für dieses Dilemma zur Hand. Es sind freilich dieselben, seit Dekaden wieder und immer wieder vorgebeteten Floskeln und Mantras von der "politischen Regulierung": Man müsse ja nur hier und da einige Stellschrauben betätigen, und schon sei der Kapitalsmus - quasi über Nacht - das Paradies für alle Menschen:

Was helfen könnte, wird schon lange gedacht: eine Revision der Welthandelsordnung, eine behutsame Regionalisierung der globalen Produktion, eine Steuer auf Finanztransaktionen, eine globale Klimapolitik. Und weiter: ein technologischer Sprung ins solare Zeitalter im Süden, Konsumverzicht im Norden und wirksame globale politische Institutionen. Gesetze, Verträge und Erwartungsrevisionen. Politik.

Ich weiß einmal mehr nicht, ob der Mann diesen ausgemachten Blödsinn tatsächlich glaubt, den er da verzapft hat, oder ob er sich zuhause beim Sektschlürfen nicht doch dumm und dämlich bis zum Einnässen lacht, dass er so etwas allen Ernstes in einer als "seriös" bezeichneten Wochenzeitung - der "vierten Gewalt" [*glucks*] - veröffentlichen darf, ohne unter lautem Gelächter den Eselshut aufgesetzt und einen derben Tritt in den feisten Hintern zu bekommen.

Alternativen zum Kapitalismus finden selbst als Gedankenexperiment in diesem dauerhaften Albtraum längst nicht mehr statt - und in den (freigeschalteten) Kommentaren zu diesem unsäglichen Text findet sich nicht ein einziger Mensch, der das zu bemerken scheint oder auch nur am Rande andeutet. Wir befinden uns in der kapitalistischen Hölle und sämtliche Ausgänge sind nicht nur zugemauert, sondern zusätzlich mit Selbstschussanlagen und Minenfeldern versehen - auf dass auch ja niemand auf die ernsthafte, völlig abwegige Idee komme, das segensreiche Paradies verlassen zu wollen.

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[Kapitalistischer] Terror



(Zeichnung von Rudolf Schlichter [1890-1955], in: "Der Simpl", Nr. 1 vom 28.03.1946)

Samstag, 3. Dezember 2016

Song des Tages: When the World Explodes




(In Flames feat. Emilia Feldt: "When the World Explodes", aus der DVD "Sounds from the Heart of Gothenburg", 2016; Original aus dem Album "Siren Charms", 2014)

I'm right here,
When the world explodes,
Try to remember these words,
When the world explodes!

In the darkest of nights,
You are my endless fire inside,
Across the waters and back to shore,
There's space in time, you guide me.

Afraid there's not much time,
Life's a matter of moments,
Face the truth that I cannot run,
I've always known.

So if I never get to say this to you,
You should still know, dry your eyes,
Find a stream that leads toward the water of the divine,
Come lay with me.

Face the truth that I cannot run,
I've always known.

So if I never get to say this to you,
You should still know, dry your eyes,
Find a stream that leads toward the water of the divine,
Come lay with me.



Anmerkung: Auch eine professionelle Opernsängerin hat zuweilen ein Faible für Metal - und ein Gespür für die untergehende Zeit.

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Buchempfehlung: Die Flamme erlischt


Es ist wieder einmal an der Zeit, die Flucht in die literarische Welt anzutreten. Der amerikanische Autor George R.R. Martin, der heute einer Mehrheit vermutlich aufgrund der Verfilmung seines Fantasy-Epos' "Das Lied von Eis und Feuer" (TV-Titel: "Game of Thrones") bekannt ist, hat eine ganze Reihe von bemerkenswerten Science-Fiction-Romanen geschrieben, aus der ich heute einen herausgreifen möchte, der mich persönlich seit Jahrzehnten begeistert.

Ich zitiere aus dem Klappentext der deutschen Erstausgabe:

Worlorn, ein irrender Planet am Rande der Galaxis, über den sich bald die ewige Dunkelheit senken wird. Aber noch regt sich vereinzelt Leben in den bizarren, gigantischen Städten, die einst zum Ruhme der vierzehn Zivilisationen des Randes erbaut und dann aufgegeben wurden.

Eines Tages tauchen Männer von Hoch Kavalaan auf Worlorn auf. Sie führen ein fremdes Mädchen mit sich: Gwen Delvano, die ihren Körper keinem der Krieger verweigern darf. Weit entfernt von Worlorn besitzt Dirk t'Larien ein "Flüsterjuwel", in dem die Empfindungen seiner ersten großen Liebe gespeichert sind. So erreicht ihn der verzweifelte Hilferuf - jener Frau von Worlorn. Er begibt sich auf die Reise dorthin und ein Drama beginnt.

Eine Frau, die sich nicht entscheiden kann - ein Mann, der seine verlorene Liebe sucht - kavalaanische Krieger in ihrem furchtbaren Hass - erbarmungslose Ritualvorschriften und tödliche Duelle ... Dirk t'Larien muss flüchten: vor den gnadenlosen Jägern und vor seinen unerfüllten Träumen.

Wie so oft wird diese Kurzbeschreibung dem Buch in keiner Weise gerecht - auch wenn es sich hier tatsächlich "nur" um einen fantasievollen, äußerst melancholischen und fast schon lyrischen Roman im SF-Gewand handelt. Martin beherrscht wie kaum ein anderer die Kunst, scheinbar triviale Begebenheiten in eine überaus fesselnde Geschichte samt geradezu umwerfender Kulisse einzubinden. Die epische - um nicht zu sagen: "galaktische" - und freilich vergebliche Suche des Protagonisten nach seinen verlorenen Träumen spielt kunstvoll mit den literarischen Traditionen der Romantik (beispielsweise Eichendorff oder Novalis) und führt sie in perfekter Komposition mit der "neuen Sachlichkeit" der siebziger Jahre sowie der Science Fiction zusammen.

Ich habe das (in der Erstausgabe sehr klein und eng bedruckte) dreihundert Seiten starke Buch seinerzeit in einer einzigen Nacht durchgelesen und war danach noch tagelang gefangen in der einzigartigen, sehr melancholischen Atmosphäre dieser Geschichte - was gewiss nicht allein damit zu tun hatte, dass ich die ersten schmerzvollen Erfahrungen mit der "ersten Liebe" zu jener Zeit nur allzu gut kannte. Ich habe den Roman seitdem mehrfach wieder gelesen und noch immer genau dieselbe sehnsüchtig-bittere Faszination verspürt, die das geschilderte Szenario auf diesem langsam und unaufhaltsam ins ewige Dunkel des Alls driftenden Planeten in fast magischer Weise erzeugt. - Der Prolog beginnt mit den Worten:

Ein Einzelgänger war diese Welt, ein Wanderer ohne Ziel, von der Schöpfung ausgesetzt und im Stich gelassen. / Unzählige Jahrhunderte schon dauerte ihr Sturz, ein einsames, sinnloses Fallen durch den kalten, leeren Raum zwischen den Sonnen. Generationen von Sternen hatten sich in erhabenem Dahingleiten an ihrem trostlosen Himmel gezeigt. Nicht einem von ihnen gehörte sie an. Diese Welt war ganz und gar auf sich allein gestellt. In gewisser Weise war sie noch nicht einmal ein Teil der Galaxis; auf ihrem Sturzflug durchschnitt sie die galaktische Ebene wie ein Nagel, der durch einen runden, hölzernen Tisch getrieben wird. Sie gehörte nirgendwohin. / Und das Nirgendwo war zum Greifen nah.

Es mag jedem selbst überlassen bleiben, diese Passage - wie auch den gesamten Roman - als rein erzählende und beschreibende Geschichte zu begreifen oder sie metaphorisch zu deuten.



(George Raymond Richard Martin [*1948]: "Dying of the Light", 1977; dt. "Die Flamme erlischt", Knaur 1978)

Mittwoch, 30. November 2016

Der Arbeitsfetisch und der Untertan


Angesichts des bald anbrechenden "Luther-Jahres" ist es nur recht und billig, die Thesen des Herrn Reformators einer etwas näheren Betrachtung zu unterziehen. Der Kollege Flatter hat vor knapp vierzehn Tagen mit einem kurzen Text und einigen weiterführenden Links ein hübsches Fundament geschaffen, das ich zur Lektüre sehr empfehle, auch wenn ich nicht allen Schlussfolgerungen zustimmen kann.

Nun war sogar in der ansonsten streng kapitalistisch, "arbeitsfetischistisch" ausgerichteten Zeit ein kritischer Text von Patrick Spät zu diesem Thema zu lesen, der zudem sinnigerweise im Ressort "Karriere" erschienen ist. Vielleicht haben einige Praktikanten der dortigen Online-Redaktion doch so etwas wie einen schrägen Humor. Der Autor haut jedenfalls einige treffende Schienbeintritte heraus, die so gar nicht zum kapitalistischen Horrormärchen "Sozial ist, was Arbeit schafft" des Schlips-Borg-Kollektives passen. Er beginnt gleich mit den Worten:

"Der Mensch ist zur Arbeit geboren wie der Vogel zum Fliegen", predigte Martin Luther. Der Reformator wird als Freiheitskämpfer und Humanist gefeiert, doch abgesehen von seinem glühenden Antisemitismus war er auch ein glühender Arbeitsfanatiker. Ja, die Reformation befeuerte geradezu die moderne Lohnarbeit und den Kapitalismus. Denn "Müßiggang ist Sünde wider Gottes Gebot, der hier Arbeit befohlen hat", so Luther.

Das Stück ist leidlich informativ und für die Zeit geradezu revolutionär. Tatsächliche Religionskritik sucht man allerdings auch hier vergebens - darum geht es bei diesem Thema jedoch nicht in erster Linie. Die im letzten Absatz auftauchende, hirnzerkochende Passage: "Die Kirche und der Kapitalismus haben Jesus verraten. Der Protestantismus hat den Kapitalismus beflügelt und dabei die sozialrevolutionären Lehren Jesu entweder pervertiert oder schlichtweg verleugnet" kann man getrost ignorieren und nach der Lektüre trotzdem über mehr Informationen verfügen als zuvor.

Es wäre dringend an der Zeit, über die bösen Geißeln der Lohnarbeit, des pervertierten Privateigentums (insbesondere den Land- und Produktionsmittelbesitz sowie den absurden Superreichtum) und des widerwärtigen Untertanengeistes der breiten Masse endlich wieder kritisch zu reden - aber leider ist diese "freiheitlich-demokratische" Gesellschaft weiter von diesem Ziel entfernt als jemals zuvor. Dies illustrieren nicht zuletzt viele der Kommentare unter jenem Text, die man sich besser schenken sollte, wenn man nicht gerade Lust auf schlechte Laune oder schlimmeres hat.

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Spießers Stoßgebet

Ab heute bin ich Demokrat,
Schenk deine Gnade mir!
Gib einen König unserm Staat
Und ein hochprozentig Bier!

O Herr, ich will zufrieden sein,
Hab ich nur Hof und Haus!
Lass keinen mehr nach Bayern rein
Und wirf sie alle raus!

Ich will stets brav sein und human,
Hab Butter ich und Speck -
Was andere am Volk getan,
Das schert mich einen Dreck!

O Herr und Gott, beschütze mich
Vor Hagel, Sturm und Brand
Und entnazifiziere mich
Fürs neue Vaterland!

Dann werde treu ich dienen dir,
Wie ich's für Hitler tat -
Im Königreich, beim bayrisch' Bier,
Als echter Demokrat!

(Th. Miegler: "Spießers Stoßgebet", in: "Der Simpl", Nr. 4 vom Mai 1946)

Montag, 28. November 2016

Für Frieden und Kapitalismus! Yeah!


Mein Lieblingssatiriker Stefan Gärtner hat mal wieder seine intellektuellen Muskeln spielen lassen und sich über einen Text einer gewissen Carolin Emcke aus der Süddeutschen ausgelassen, der an Dummheit und Bräsigkeit kaum mehr zu überbieten ist. Ich verlinke den Schmonzes aus Bayern nicht, da die Süddeutsche BenutzerInnen von Reklame-Blockern inzwischen konsequent aussperrt und sich somit selbst ins digitale Abseits begibt. Wer keine Lust hat, sich blinkende Desinformationen zu irgendwelchen Damenbinden, Klopapieren oder Dumpf-Phones anzusehen, während er sich auf der verzweifelten Suche nach den Resten des Journalismus' befindet, ist auf den Qualitätsseiten aus Bayern nicht mehr willkommen. So soll es sein!

Der Gärtner liest den Quatsch wohl nicht online, so dass er ihn auch nicht verlinken muss. Er schreibt - und ich feiere ihn einmal mehr für seine böse, süffisante Note:

Es ist ein schöner Beruf, den die Carolin Emcke da hat: In der Welt herumfahren, Bücher lesen und dann die richtigen Fragen nicht und die falschen Fragen so gymnasial stellen, dass der liberalen Kundschaft, die die Antworten auf gar keinen Fall wissen will (und von dramatischen Transformationen auch immer zuletzt betroffen ist), der Samstagsspaziergang nicht vergeht. Dass für derlei windelweiches Gemurkse kostbares Altpapier verbraucht wird: das muss – für Frieden und Kapitalismus! – die Freundschaft aushalten.

Es lohnt sich sehr, den Text in Gänze zu lesen - alldieweil der Autor ausgiebig aus dem reklamezensierten Text zitiert, so dass man gar nicht nach Bayern klicken muss, um sich die Haare zu raufen. Er hat gar nicht viel dazu geschrieben - seine kurzen Anmerkungen zwischen den Zitaten reichen aber völlig aus, um die Propagandapredigt der Kapitalismusfreundin Emcke in genau die lächerliche Kindergartenecke zu rücken, in die sie gehört.

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Der flammende Leitartikel



(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 47 vom 16.02.1925)

Samstag, 26. November 2016

Musik des Tages: Sinfonie Nr. 11 - "Der Winter"




  1. Der erste Schnee (Allegro)
  2. Allegretto
  3. Am Kamin (Larghetto)
  4. Karneval (Allegro)

(Joseph Joachim Raff [1822-1882]: "Sinfonie Nr. 11" in a-moll, "Der Winter", Op. 214 aus dem Jahr 1876; Bamberg Symphonic Orchestra, Leitung: Hans Stadlmair)

Anmerkung: Die Kunst- und Musikgeschichte ist prall gefüllt mit den Vergessenen ihrer Zeit. Joachim Raff ist einer von ihnen - es gibt keinen musikwissenschaftlichen Grund, weshalb sein Werk in der Versenkung verschwunden ist, während zumindest manche Werke seiner Zeitgenossen Liszt oder Brahms auch heute noch wohlbekannt sind. Dieses Los teilt der Komponist mit einer ganzen Heerschar von Leidensgefährten, deren Namen und Werke heute niemand mehr kennt, obwohl sie den populären Stars der sinfonischen Musik durchaus das Wasser reichen können.

Es ist mir ein Rätsel, weshalb von wenigen Ausnahmen abgesehen stets nur dieselben Werke der bekannten Komponisten gespielt werden - wenn doch allein die Epoche der Romantik schon so viele vergessene Meisterwerke zu bieten hat. Es lohnt sich, bei youtube den Suchbegriff "Unsung Masterworks" einzugeben, um einen ersten Eindruck der vergessenen Vielfalt dieser Epoche zu erhalten - doch auch dort findet sich lediglich ein kleiner Ausschnitt, auch wenn die schiere Fülle der unbekannten Komponisten, die dort auftauchen, etwas anderes suggeriert.

Wenn ich eine Formulierung wie die folgende lese, wie sie im Wikipedia-Eintrag zu Joachim Raff zu finden ist: "Sicher war nicht alles, was Raff schrieb, von gleichem Rang. Seine besten Kompositionen zeichnen sich aber durch eine reiche künstlerische Anlage und Ausdruckskraft aus", dann muss ich erst lachen und mich danach echauffieren, denn dasselbe trifft auf jeden mir bekannten "Superstar" der ernsthaften Musik zu. Es wäre eine leichte Übung, völlig belanglose Stücke von Brahms, Liszt oder Wagner zu sammeln und sie entsprechend konträr ausgewählten Werken Raffs und anderer Komponistenzombies gegenüberzustellen. Auf diesem Niveau bewegt sich die heutige Konzertlandschaft, die immer und immer wieder dieselben sinfonischen Werke aufführt - in der irrigen Annahme, das sei vom Publikum so gewünscht. Ernsthafte Musik verkommt so zur "Pop"-Musik.

Die überbordende Fülle der menschlichen Kultur wird hier einmal mehr rabiat beschnitten - und es gehört nicht viel Fantasie dazu, die kapitalistischen Gründe dafür auszumachen: "Den Raff kennt keiner - wir spielen doch lieber Brahms, dann kommen mehr zahlende ZuhörerInnen!" - Und so lernen wir: Es bedarf gar keiner digitalen Vergessenskultur - der Kapitalismus reicht völlig aus, um das Vergessen zur pervertierten Vollendung zu treiben.

Freitag, 25. November 2016

Prioritäten setzen: Ein noch schlechteres Leben für die Mehrheit


Wir wissen ja alle, dass im armen Deutschland, dem es dennoch "gut" gehe, eine auskömmliche Rente für alle sowie ein tatsächlich "angemessenes" Existenzminimum für Kranke, Behinderte, Erwerbslose und Flüchtlinge keinesfalls finanzierbar ist - so wird es den Menschen hierzulande seit Jahr und Tag von irgendwelchen politischen und medialen Schlips-Borg in trauter Eintracht vorgebetet. Man muss eben Prioritäten setzen, wenn man als Vasall für eine superreiche, pervertierte Minderheit Politik macht und Propaganda verbreitet. So war kürzlich bei n-tv zu lesen:

Die Koalition rüstet im Wahljahr bei der inneren Sicherheit auf. Der Bundestags-Haushaltsausschuss bewilligte weitere 4300 Stellen bei den Sicherheitsbehörden bis 2020. Als Antwort auf terroristische Bedrohungen werden außerdem die Geheimdienste gestärkt. / (...) Der Hauptgewinner im regierungsinternen Tauziehen um die Steuermilliarden ist Innenminister Thomas de Maizière. Ihm stehen 2017 insgesamt 8,98 Milliarden Euro zur Verfügung. Das sind rund 53 Prozent mehr [sic!] als zur Beginn der Wahlperiode 2014.

Vom "Verteidigungshaushalt" der Stahlhelm-Uschi, der eigentlich korrekt "Kriegskasse" heißen müsste, ist in diesem Zusammenhang noch gar nicht die Rede. Wichtig allein ist nur, dass es eben kein Geld für Menschen in diesem Land mehr geben soll, die dem Ausbeutungsterror der "Unternehmen" aus irgendwelchen Gründen nicht oder nicht mehr voll umfänglich zur Verfügung stehen. Polizei, Militär, Geheimdienste - also eine massive Aufrüstung in Sachen Überwachung, Kontrolle, Kriegen und begleitender Propaganda - besitzen absolute Priorität - und wenn das Steuergeld in den Kassen der Konzerne, also auf den Konten der Superreichen, versickert ist, bleibt nichts mehr für Menschen übrig. So argumentiert diese Bande allen Ernstes, auch wenn sie es etwas anders formuliert - und dennoch jagt sie niemand geteert und gefedert aus dem Land.

Was ließe sich allein mit dieser Aufstockung für das Ressort der widerlichen Bürstenfresse de Maizière nicht alles an sinnvollen, humanen, erfreulichen Dingen anstellen: Mit knapp 3.000 Millionen (3 Milliarden) Euro allein in einem einzigen Jahr fielen mir jedenfalls auf Anhieb tausende von Möglichkeiten ein, wie man dieses verkommene Land insbesondere für benachteiligte oder zwangsverarmte Menschen wieder ein kleines bisschen besser machen könnte.

In der Erzählung stimmt jedoch ein kleines Detail nicht - und das ist die "schwarze Null" der schwarzen Null Wolfgang Schäuble. Dem Text ist der kleine Hinweis zu entnehmen, dass der Bund "bereits seit 2014 auf neue Kredite verzichten" könne (was im Übrigen auch auf den Seiten der statistischen Bundespropaganda nachgelesen werden kann). Falls diese Angabe stimmen sollte, hat der deutsche Staat seit 2014 also tatsächlich keine neuen Kredite zur Finanzierung des Haushaltes mehr aufgenommen (zahlt aber natürlich weiterhin die horrenden Zinsen auf die "alten" Kredite seit 1945, ohne diese zu "tilgen" - bis in alle Ewigkeit). Das indes verblüfft mich arg - denn schließlich ist die Vergabe von immer neuen Krediten - insbesondere an Staaten - bekanntermaßen die Haupteinnahmequelle der privaten Bankenmafia, und sie dürfte nicht sonderlich amüsiert sein, wenn dieses Füllhorn nun plötzlich versiegte. Ich stelle die steile These auf: Entweder stimmt diese "schwarze Null" nicht - oder die Bande hat in irgendwelchen Hinterzimmern längst ein alternatives, ebenso kriminelles Modell ausgekungelt, das den Banken auch weiterhin sprudelnde und stetig steigende Profite aus der Staatskasse garantiert, ohne dass irgendeine "Leistung" geliefert werden muss. Ich bin da aber, ehrlich gesagt, ratlos.

In jedem Falle gilt aber: Die korrupte Bande (quer durch alle Blöcke der kapitalistischen Einheitspartei) denkt nicht im Traum daran, Armen, Kranken, Alten, Behinderten, Flüchtlingen oder auch Kindern ein besseres Leben zu ermöglichen - ganz im Gegenteil. Das noch schlechtere Leben für die Mehrheit ist ihr klar erkennbares Ziel, das sie mit aller Vehemenz seit Jahrzehnten verfolgt. Leider bemerkt das kaum jemand, während die selbsternannte "Elite" ihre Geldspeicher Jahr für Jahr vergrößern muss, damit die absurden Geldmengen überhaupt noch hineinpassen, ohne die Mauern zu sprengen.

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Der Herr der Welt


"Der rüstet nicht ab!"

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 26 vom 22.09.1924)

Mittwoch, 23. November 2016

Choral des Tages: Mit leerem Hirn gen Untergang






Ich habe für meinen Lieblingsspinner ein kleines Musikstückchen für vierstimmigen Chor geschrieben. Vielleicht hat der Gute ja die Gelegenheit, es sich bei Gelegenheit von kompetenten Interpreten vorsingen zu lassen. Der expressionistische, unheimlich künstlerische Text - in trauter religiöser Tradition - lautet:

Oh Faulfuß, wir folgen deinen wirren Wegen.
Oh Faulfuß, mit leerem Hirn gen Untergang.
Oh Plattfuß, du kannst so herrlich sinnlos reden.
Oh Plattfuß, mit leerem Hirn gen Untergang.

Ob der Mann dieses musikalische Juwel zur Kenntnis nimmt und es vielleicht sogar in sein tägliches Brabbel-Ritual aufnehmen wird, damit sein Gehirn endlich einmal wächst, werde ich aber wohl nie erfahren. Schade eigentlich.

Dienstag, 22. November 2016

Die korrupte Demokratie: Überwachung in Freiheit


Der Marsch in den Überwachungsstaat geht unaufhaltsam weiter. Es gibt kein Innehalten, keine Bedenken, keine Frage nach einer sinnvollen Begründung jenseits des Terrorwahns. Die korrupte Bande - in diesem Falle mal wieder ein unschönes Gemisch aus SPD und Grünen - macht Überwachungsnägel mit Kameraköpfen:

Videobeobachtung in NRW wird ausgeweitet / Im Supermarkt oder an der Tankstelle gehören sie bereits zum gewohnten Bild, jetzt erobern sie langsam auch den öffentlichen Raum: Videokameras. In Essen etwa müssen Passanten in der nördlichen Innenstadt demnächst damit rechnen, beim Straßenbummel beobachtet zu werden - allerdings nicht von privaten Ladenbesitzern, sondern von Polizeibeamten. Dort haben am Montag (21.11.2016) die Installationsarbeiten für eine neue Video-Beobachtungsanlage begonnen.

Im verlinkten WDR-Bericht wird sogleich zurückgerudert und fast flehentlich versichert, dass es keine "anlasslose" Totalüberwachung geben werde und dass selbstverständlich nur an Orten überwacht werde, "an denen wiederholt Straftaten begangen wurden und deren Beschaffenheit die Begehung von Straftaten begünstigt". Sicher. Diese Argumentation ist dem autofahrenden Bürger schon lange bekannt, wenn es um mobile Geschwindigkeitskontrollen geht, die selbstverständlich auch nur an signifikanten "Unfallschwerpunkten" stattfinden. Wer glaubt diesen infantilen Mist eigentlich? Wenn diese Kameras einmal installiert sind und jederzeit in Betrieb genommen werden können - unabhängig davon, ob jemand die "Monitore beobachtet", was ohnehin ein Argument auf Sandkastenniveau darstellt -, dann werden sie auch genutzt - im Zweifel auch illegal. Da kennen deutsche Behörden traditionell keinerlei Skrupel.

Der WDR-Bericht ist schon hirnzerfressend genug - allerdings gibt es dazu ausnahmsweise auch einen Kommentarbereich (den der WDR ansonsten abgeschaltet hat). Ich muss wohl nicht extra erwähnen, dass sich dort überwiegend (wenn nicht gar ausschließlich) Gruselkommentare finden, die dem Herrn de Maizière einen tollen Orgasmus bescherten. - Gewiss ist das nicht repräsentativ. Ob hier "echte" LeserInnen oder doch nur Sockenpuppen oder Trolle kommentiert haben, ist unbekannt. Es lässt sich lediglich feststellen, dass hier der Gang in den totalitären Überwachungsstaat mehrheitlich freundlich begrüßt wird. Die menschenfeindliche Strategie der neoliberalen Einheitspartei wird also bestätigt.

Wieso kommt eigentlich niemand in der Politik, in den Medien und in den dort freigeschalteten Kommentaren auf den naheliegenden Gedanken, dass eine solche furchtbare Überwachungstechnologie jederzeit aufs Übelste missbraucht werden kann, ohne dass es eine sinnvolle Möglichkeit zur individuellen Gegenwehr gibt? Welche furchtbaren Terroranschläge und Verbrechen müssen in den zum Einkaufszwang pervertierten, überall gleichen Innenstädten abgewehrt werden, die ein solches Überwachungsszenario rechtfertigen? Die Gestapo der Nazis hätte sich ekstatisch die braunen Finger nach solchen Instrumenten geleckt - aber heute existiert diese Gefahr nicht mehr? Sind die Leute, die so etwas beschließen, medial begleiten, bejubeln und unkritisch zur Kenntnis nehmen, noch ganz bei Trost?

Diese Frage kann ich beantworten: Sie sind zwar ganz sicher nicht bei Trost, dafür aber vehement bei ihrem persönlichen Bankkonto. So funktioniert marktkonforme - also durch und durch korrupte - Demokratie. Nicht erst im 21. Jahrhundert.

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Schiffbruch



(Gemälde von Aleksander Orłowski [1777-1832] aus dem Jahr 1809, Öl auf Leinwand, Russisches Museum, Sankt Petersburg, Russland)

Montag, 21. November 2016

Samstag, 19. November 2016

Zitat des Tages: "Besorgten Bürgern" ins Stammbuch!


Gewissen Bürgern ins Stammbuch!

Man war nicht restlos einverstanden,
Das Ganze war doch gar zu roh:
Die üblen braunen Mörderbanden,
Gestapo, Strang und Zwang und so,

Doch war die Aussicht, zu verdienen,
Dabei so gut, aus diesem Grund
Da blieb es bei den Flüstermienen,
Man hielt zu Lug und Trug den Mund.

Und weiß man viel von den Methoden,
Von Himmlers Menschenmetzelei,
Ein Trost: Den Juden galt's und Roten,
Den andern galt's mehr nebenbei!

So ließ man Hitler weiter wüten,
Marschstiefelwichse als Gehirn,
Und wand den Lorbeer, den verfrühten,
Um seine peinlich enge Stirn.

Und statt den Untergang zu wittern
Von Freiheit, Recht und von Kultur,
War man bereit, mitreinzuschlittern.
Nun schlittert nur, nun zittert nur!

(Ernst Klotz [1894-1970]: "Gewissen Bürgern ins Stammbuch!", in: "Der Simpl", Nr. 1 vom 28.03.1946)

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Der fliegende Holländer



(Zeichnung von Max Radler [1904-1971], ebd.)

Freitag, 18. November 2016

Der brabbelnde Spießer


Er hat es schon wieder getan. Wiederholungstäter wie Roland Faulfuß werden einfach nicht müde, immer und immer wieder ihrer esoterischen Mission zu folgen und das Gehirn der zum Lesen (und Schweigen) Verdammten solange zu ficken, bis nur noch brauner Matsch übrig bleibt.

Aktuell hat sich die dämmernde Funzelbirne auf Weckers Mönch-Blog "Jenseits der Realität" über das Thema "Göttliches Gehirntraining" erbrochen. Der Kollege vom frei-blog hat sich dazu bereits kreativ ausgelassen. Man muss diese salbungsvollen Worte auf sich wirken lassen: Da werden aus gehirnlosen bayerischen Rosenkranz-Omis im Handumdrehen "spirituelle" Leuchttürme, die dem verfaulenden Fuß den Weg in Gottes Reich zeigen. Den Kranken dieser Welt ruft Faulfuß aufmunternd zu: "Folgt mir auf dem Weg der Mantras, Gebete und Meditationen, liebe Schafe, dann werdet auch ihr endlich gesunden!"

Solcher Schmonzes ist aber nicht nur hanebüchen und äußerst witzig, sondern leider auch sehr gefährlich. Es gibt in dieser steinzeitlichen Welt leider Menschen - und das sind gar nicht wenige -, die nur allzu anfällig sind für derlei Hokuspokus. Es reicht daher nicht aus, sich über den offensichtlich Verwirrten lustig zu machen - es gilt vielmehr, die Hirnlosigkeit vehement zu bekämpfen. Lest Euch den wirren Text in Gänze durch (sofern das ohne blutige Schädelverletzungen möglich ist) und macht Euch klar, dass dieser debilen Gülle eine erhebliche Anzahl von "mündigen" Menschen auf den Leim geht, auch wenn man das partout nicht glauben mag.

Faulfuß schreibt allen Ernstes:

In einer ihrer jüngsten Studien stellten Newberg und Waldman nämlich fest, "dass das rituelle Rosenkranzbeten sowohl Spannung wie auch Stress und Angst abbaut." Also nehme ich manchmal sogar das "Ave Maria" in mein Ritual auf. Wenn während einer meiner Übungen ein junger Mensch am Fenster lauschen würde, dächte er vielleicht verächtlich: "Was ist das für ein brabbelnder Spießer?"

Ich bin nun weder ein junger Mensch, noch lausche ich an den Fenstern der Wohnungen verwirrter Esos - wenn ich aber dennoch solche Handlungen mitbekäme, spräche ich unverzüglich meine Empfehlung einer Einweisung ins Irrenhaus aus. Wahrscheinlicher ist indes, dass ich selbst längst den Verstand verloren habe und lediglich meinen Zellennachbarn belausche, den ich selbstverständlich - im günstigsten Falle - für einen brabbelnden Spießer halte.


(Der brabbelnde Spießer während eines "Rituals")