Donnerstag, 29. September 2016

Buchempfehlung: The Iron Thorn


Die Erzählung von Algis Budrys, die ich heute vorstellen möchte, ist wie so oft in der ernsthaften Science-Fiction-Literatur eine wunderbare Parabel, die man mit kafkageschulten Augen lesen sollte, um ihre Tiefen sowie den Realitätsbezug dieser Geschichte erkennen zu können. Im Klappentext heißt es:

In einer Oase um einen domartigen Turm, der ihnen Atemluft und Wasser liefert, leben Menschen in einer kleinen Gemeinschaft von Bauern und Jägern. Die Wüste ringsum wird von feindseligen Amsiren durchstreift, seltsamen geflügelten Geschöpfen, die den Menschen als Nahrung dienen.

Als der "weiße Jackson", der Held dieser Erzählung, seinen ersten Amsir erlegt, macht er eine bestürzende Entdeckung. Und bei seiner nächsten Begegnung mit einem der drachenähnlichen Wesen begibt er sich in dessen Gewalt und gelangt in die Siedlung der Amsire, wo Jackson zu seiner Verblüffung ebenfalls einen domartigen Turm vorfindet.

Es wird allmählich klar, dass es sich bei den seltsamen "Domen" um ehemalige Raumschiffe handelt und dass der Planet von Überlebenden verschollener Raumschiffe besiedelt ist. Aber die gemeinsame Existenz von Menschen und Amsiren auf dem seltsamen Wüstenplaneten wird immer rätselhafter ...

Ich habe dieses lediglich 142 Seiten umfassende Büchlein seinerzeit in einer einzigen Nacht gelesen und mir danach tagelang vorgestellt, wie man diesen fantastischen, dramaturgisch exzellenten Stoff in ein filmisches Epos verwandeln könnte. Es ist ein intellektueller Jammer, dass stattdessen infantile, strunzdumme Märchen wie "Star Wars" auf die Leinwand gebracht wurden.

Die "Dome" aus der deutschen Übersetzung sind natürlich im Original Dornen ("thorns"), was zum Verständnis der Geschichte jenseits des Trivialniveaus deutlich beiträgt. Selbstredend hat der Heyne-Verlag auch dieser Erzählung einen grenzdebilen, neuen Titel verpasst: "Das verlorene Raumschiff" versprach zur Zeit der Veröffentlichung wohl einen höheren Profit als der Originaltitel "Der eiserne Dorn". Die "Marketing"-Schlips-Borg waren auch vor 30 Jahren schon aktiv und haben ihre stinkenden Kotspuren hinterlassen.

Letztlich handelt es sich hier um eine fantasievoll verschlüsselte Beschreibung und Analyse des Kalten Krieges zwischen der damaligen UdSSR und den USA. Vor diesem Hintergrund ist die Lektüre gleich doppelt so spannend, da der Autor in Ostpreußen als litauischer Staatsbürger geboren wurde (es lohnt sich, in diesem Zusammenhang etwas mehr über die Geschichte Litauens aus dieser Zeit zu lesen), aber in den USA aufgewachsen ist. Die westliche Propaganda, die aus dem "bösen", russischen Gegner gar "drachenähnliche Wesen" macht, wird hier schonungslos enthüllt - und erlebt heute dennoch eine widerliche Renaissance, die sich gewaschen hat.

Dieses wunderbare Buch passt in unsere schaurige Zeit wie die säbelrasselnden Schlipsgewürgten aus der Politik und den Medien, die es offenkundig gar nicht abwarten können, bis der nächste Krieg gegen Russland endlich beginnt - selbstverständlich, wie immer, ohne ihre persönliche Teilnahme.



(Algirdas Jonas Budrys [1931-2008]: "The Iron Thorn", 1972; dt. "Das verlorene Raumschiff", Heyne 1984)

Mittwoch, 28. September 2016

Geliebter Kapitalismus: Die reformistische Linke


Ein Gastbeitrag von Troptard

Ich habe keine Lust mehr, Blogbeiträge zu kommentieren. Ich bin diesbezüglich inzwischen so unendlich müde und gewinne mehr und mehr den Eindruck, dass die demokratisch domestizierte Linke auf fundamentale Kritik an den kapitalistischen Verhältnissen nur noch im Abwehrmodus reagieren kann und rigoros versucht, all diejenigen auszugrenzen, die nicht bereit sind, ihren Vorstellungen von einem reformistisch veränderbaren Kapitalismus zu folgen.

Die Unfähigkeit, den Kapitalismus in einem historischen Zusammenhang zu analysieren und in seinem jetzigen Stadium adäquat darzustellen, um daraus die richtigen Schlüsse für politisches Handeln zu ziehen, ist dafür typisch.

So wie ich das einschätze, ohne auf individuelle Motive ihrer Protagonisten einzugehen, haben sie ihren Kapitalismus doch unendlich lieb. Sie sind zwar nicht unbedingt blind für die sozialen Verwerfungen, aber im Sinne einer Auferstehung des Keynesianismus oder einer Variante à la Wagenknecht im Sinne des "guten alten" Ordoliberalismus nach Ludwig Erhard sind sie ernsthaft der Meinung, dass sich diese Verwerfungen bezüglich der Lohnarbeit wieder "erträglicher" gestalten ließen.

Dass der Kapitalismus aber nicht hinter eine einmal erreichte Entwicklungsstufe zurücktreten kann - z.B. Exklusion der Arbeit aus der Produktion durch konkurrenzinduzierten Produktionsfortschritt und damit einhergehend einem ständig wachsenden Ressourcenverbrauch und zunehmender Umweltbelastung -, darauf gibt es von reformistischen Linken immer nur die gleichen Antworten: Das alles sei mit dem und im herrschenden System regulierbar.

Der "Altautonome" hat hier kürzlich einen Link zu einem Beitrag von Thomas Ebermann gepostet. Ich habe ebenfalls schon einmal beim Flatter einen Link zu einem Textbeitrag von Ebermann eingestellt (siehe unten) und einiges daraus auch zitiert. Die Reaktionen darauf waren entsprechend: Gerade von linker Seite hagelte es überwiegend Abwehrreaktionen. Selbst Flatter wehrte die Kritik geschickt ab mit dem Hinweis, dass vieles von Ebermann ja zutreffend sei, dieser aber doch "wie immer krampfhaft" hinter allem nach Antisemitismus und Antiamerikanismus suche, wo keiner sei, und den er selbst nirgendwo entdecken könne.



Sorry, ich bleibe erstmal für lange Zeit bedient.

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Ein Zeitkind
[Oder: Realpolitik]


"Lasst mich aus mit Idealismus, Ehrlichkeit und so weiter. Die jetzige Zeit verlangt Politiker."

(Zeichnung von Rudolf Grieß [1863-1949], in "Simplicissimus", Heft 49 vom 04.03.1919)

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Anmerkung von Charlie: Es ist bewundernswert, dass Troptard bei diesem hässlichen Thema so sachlich bleibt. Es ist aus meiner Sicht noch hinzuzufügen, dass reformistische Kreise damals wie heute der wesentliche Grund für eine öffentlich wahrgenommene bzw. inszenierte "Spaltung der Linken" waren und sind - obgleich es diese Spaltung de facto gar nicht gibt, denn wer sich - in welcher Form auch immer - dem kapitalistischen System unterwirft, kann nach meiner Definition nicht mehr als "links" bezeichnet werden. Zur Inszenierung gehört auch der infantile Vorwurf ausgerechnet jener sich dem Kapital anbiedernden Kreise gegen antikapitalistische Linke, eben jene "Spaltung" zu forcieren, die sie tatsächlich höchstselbst betreiben. Der unsägliche Lapuente ist ein beredtes Beispiel dafür.

Beim Spiegelfechter schrieb ich kürzlich zu einem Jubelartikel über Corbyn von Jens Berger:

Wer das allen Ernstes für „linke“ Politik hält, darf sich getrost den Eselshut aufsetzen und sich zu „Berufsverbot“-Lapuente und Berger in die Schamecke gesellen. Es ist nicht zu ertragen, mit welcher Penetranz hier die Positionen der elitären, superreichen Bande (Macht-, Besitz- und Klassenerhalt um jeden Preis) vertreten und dennoch schamlos als „links“ ausgegeben werden.

Wer hier Optimismus verkündet, sitzt in drei Monaten auch debil unterm Weihnachtsbaum und wundert sich augenreibend, dass das „Christkind“ merkwürdiger Weise gar nicht kommt.

Karl Kraus ist seinerzeit noch deutlicher geworden, als er 1909 lapidar schrieb:

„Sozialpolitik ist der verzweifelte Entschluss, an einem Krebskranken eine Hühneraugenoperation vorzunehmen.“

Bergers jauchzendes Gebelle könnte glatt lustig sein, wenn es nicht gleichzeitig so traurig, anbiedernd systemkonform, intelligenzfeindlich und absolut fatal wäre. Die Quandts und Mohns klopfen ihm hämisch grinsend und wohlwollend auf die Schulter: „Weiter so, Stiefelknecht!“

Da muss ich – mit Verlaub – gepflegt kotzen.

Ergänzend musste ich mich noch weiter erbrechen:

@ Heldentasse: Du hast das hirnschmelzende Wort „Realpolitik“ vergessen. Schließlich wusste schon der „linke“ Helmut Schmidt, dass, wer Visionen hat, zum Arzt gehen solle.

Merkt denn tatsächlich niemand hier, dass das Herumdoktern am kapitalistischen System genauso sinnvoll ist wie das „Organisieren“ eines Stückchen Brotes im Gefangenenlager? Das hilft einer kleinen Gruppe womöglich, die nächsten Tage weiter durchzuhalten – geht aber auf Kosten aller anderen Gefangenen, während die hochwohlgeborene Herrschaft – wie immer – völlig unberührt bleibt.

Es ist im Übrigen ein wirkliches Hammerargument, dass man keine kommunistischen Veränderungen anstreben sollte, da solche vaterlandslose Gesellen „politisch gar nichts zu melden“ haben. Wann, bitte, war das in der gruseligen Geschichte des Kapitalismus denn anders? Und wie sollte das im Rahmen dieses Systems auch anders sein? Genau deshalb muss doch gerade heute endlich wieder in diese Richtung gedacht und gehandelt werden.

Das (ohnehin nicht ernst gemeinte) linke Märchen von der „Überwindung des Kapitalismus“ auf politischem Weg ist so dermaßen infantil und dumm, dass ich mir lieber tagelang Serienfolgen der „Biene Maja“ reinziehe.

Ich erinnere an die grandiosen Erfolge der Linkspartei in Berlin, nachzulesen in der Jungle World. (...)

Da sprüht der Optimismus doch feuerwerksgleich aus allen Poren – die Linkspartei oder Gestalten wie der greise Herr Corbyn werden es gewiss richten.

Und jetzt schauen wir wieder dem Sandmännchen, dem Dauergast in den vernebelten Hirnwindungen der Bergers und Lapuentes, zu.

Der "Sozialdemokrat" Corbyn wird bejubelt, der Linke Ebermann wird ignoriert oder gar niedergemacht - allein diese kleine Anekdote erzählt schon weite Teile des gruseligen Märchens von der "Spaltung der Linken".

Ich bedaure es zutiefst, dass Menschen wie Troptard oder auch der Altautonome beschlossen haben, sich künftig in Kleinbloggersdorf nicht mehr oder nur noch selten zu Wort zu melden. Es war in den letzten Jahrzehnten doch nie so wichtig wie heute, gerade diese kritischen Stimmen zu hören und dem zunehmenden Abdriften der Linken in den übelriechenden, kapitalistischen Einheitsbrei etwas Substanzielles - also etwas Linkes - entgegenzusetzen.

Montag, 26. September 2016

Musik des Tages: Sinfonie Nr. 8 in G-Dur




  1. Allegro con brio
  2. Adagio
  3. Allegretto grazioso – Molto vivace
  4. Allegro ma non troppo

(Antonín Dvořák [1841-1904]: "Sinfonie Nr. 8" in G-Dur, "Die Englische", Op. 88 aus dem Jahr 1889; Frankfurt Radio Symphony Orchestra, Leitung: Manfred Honeck, 2015)

Samstag, 24. September 2016

Unheimliche Begegnung der Faulfuß'schen Art


Auch wenn der Titel etwas anderes suggeriert: Es geht hier nicht um meinen Lieblingsspinner Roland Faulfuß, auch wenn der aktuell mal wieder einen richtigen Klopper herausgehauen hat, der jedem Musik- und Literaturwissenschaftler zuerst die Haare zu Berge stehen lässt und sodann in eine unvermeidliche Glatze mündet, weil die Haarpracht vor soviel Stumpfsinn kapituliert. Einen derartig dämlichen, sachlich in jeglicher Hinsicht falschen und - natürlich - esoterisch verbrämten Schwurbeltext über die künstlerische Epoche der Romantik habe ich nie zuvor konsumieren müssen.

Aber das ist heute nicht mein Thema. Ich saß nämlich heute vormittag hochkonzentriert am PC und war mit der Erstellung einer Partitur beschäftigt, als mich das hässliche Schrillen meiner Wohnungsklingel aus der musikalischen Welt riss. Da ich keinen Besuch erwartete und die - inzwischen groteskerweise ja mehreren - Post- und Paketdienste bereits ihren Reklamemüll abgeladen hatten, war ich alarmiert und rechnete mit dem Verfassungsschutz, dem zackigen Vollstreckungsbeamten oder der Polizei, die mich aufgrund kapitalismusfeindlicher Aktivitäten im Auftrag der hohen Herrschaft in den Kerker schaffen soll.

Als ich die Tür öffnete, standen dort aber bloß zwei Damen mittleren Alters, die so gekleidet waren, als seien sie direkt von einem CSU- oder AfD-Parteitag angereist. Entsprechend verkniffen waren auch die Gesichter.

"Wir wollen mit Ihnen über Gott sprechen!"

Ich hatte wohl doch recht: Das müssen Jobcenter- oder andere Staatsschergen sein! Ich reagierte aber zu langsam und fragte bloß: "Warum? Ist das Kapital in Gefahr?"

Dann folgte ein auswendig gelernter Sermon, der mir offenbarte, dass es sich hier offensichtlich um "Zeugen Jehovas" handelte. Da sprang endlich mein innerer Schalter um und ich unterbrach die Heilsverkündigung der Damen:

"Es tut mir leid, aber ich bin Satanist."

Es folgte konsterniertes Schweigen, ungläubiges Glotzen. Dann die Nachfrage:

"Sie beten den Unaussprechlichen an???"

Ich grinste diabolisch (oder wahlweise dämlich - je nach Sichtweise) und nickte bloß. Nach einer Kunstpause fügte ich noch hinzu:

"Ich bin gerade mit einem uralten Ritual aus einem antiken Buch beschäftigt, mit dem ich Satan beschwöre. Sie sollten also besser Vorsicht walten lassen, damit er Sie nicht auffrisst, wenn er gleich hier erscheint. Mir fehlen nur noch etwas Jungfrauenblut sowie eine zu verbrennende Bibel ... können Sie mir da vielleicht aushelfen?"

Vielleicht hätte ich mir etwas mehr Zeit lassen sollen, denn nach dieser Bemerkung flüchteten die beiden Damen sehr schnellen Schrittes von meiner Haustür. Eigentlich schade, denn ich hätte mich mit den Fachfrauen doch sehr gern noch ausführlicher über Religiotismus, den "lieben Gott" und abnormale Sexualpraktiken unterhalten. So muss ich mich mit dem Flyer begnügen, den die beiden Schranzen zurückließen:



Besser könnte auch Faulfuß den religiotischen Irrsinn nicht formulieren. Ich bin mir inzwischen fast sicher, dass er mir die beiden Schrapnellen auf den Hals gehetzt hat ... ;-) Deshalb möchte ich ihm die Worte des nicht ganz unbedeutenden romantischen Dichters Heinrich Heine mit auf den Weg geben, der 1840 in seinem Tagebuch notiert hat:

Der Sklave, der dem Herrn gehorcht ohne Fessel, ohne Peitsche, durch das bloße Wort, ja durch einen Blick – die Knechtschaft ist in ihm selbst, in seiner Seele. / Schlimmer als die materielle Sklaverei [ist] die spiritualisierte – man muss [die Menschen] von innen befreien, von außen hilft nichts. (...)

Kampf der Philosophen gegen die Religion: [Sie] zerstören die heidnische, aber eine neue, die christliche, steigt hervor, auch diese ist bald abgefertigt, doch es kommt gewiss eine neue, und die Philosophen werden wieder eine neue Arbeit bekommen, jedoch wieder vergeblich: die Welt ist ein großer Viehstall, der nicht so leicht wie der des Augias gereinigt werden kann, weil, während gefegt wird, die Ochsen drinbleiben und immer neuen Mist anhäufen.

Hach, ich liebe die Romantik.

Freitag, 23. September 2016

Anonymes Surfen leicht gemacht


Ich mache ja höchst ungern Werbung für irgendein Produkt - wenn es allerdings kostenlos ist, sinkt meine Hemmschwelle deutlich. Das Thema Anonymität im Internet ist ja hochaktuell, da nach wie vor - auch wenn darüber in den meisten Medien nicht mehr berichtet wird - Geheimdienste und andere obskure Organisationen (beispielsweise Konzerne) sämtliche verfügbaren Daten abschnüffeln, archivieren und nach Möglichkeit auswerten.

Bislang war es mit etwas Aufwand verbunden, diesen Schnüffeleien zu entgehen, beispielsweise durch die Benutzung eines TOR-Browsers. Nun gibt es aber endlich einen Browser, der über ein integriertes VPN-System ("Virtual Private Network") verfügt, das mit zwei Mausklicks an- oder abgeschaltet werden kann, nämlich die aktuellste Version von Opera (Version 40).

Ich habe diese Version bereits seit einigen Tagen auf dem Rechner, bin aber erst jetzt durch den WDR-Blogger Jörg Schieb auf diese neue, grandiose Funktion aufmerksam gemacht worden:

Ein kostenloses VPN. Das wollte ich direkt ausprobieren. Denn VPNs sind eine praktische Sache: Wer in einem VPN surft, kann seinen aktuellen Aufenthaltsort verschleiern, etwa um Werbenetzwerken eine lange Nase zu machen oder um Videoinhalte zu sehen, die in seinem Land eigentlich geblockt sind. Viel wichtiger aber ist, dass im VPN alle übermittelten Daten verschlüsselt werden. Abhören: Nahezu unmöglich. Deswegen empfehle ich immer und gerne, ein VPN an den Start zu bringen, vor allem, wenn man sich in einen öffentlichen WLAN-Hotspot begibt.

Zusätzlich ist in dieser Opera-Version ein Werbeblocker integriert, den man ebenfalls in den Einstellungen mit einem Häkchen aktivieren kann. - Einen kleinen Wermutstropfen gibt es aber, wie fast immer, trotzdem: Falls man für den Start des Browsers die persönlich gestaltbare Startseite ausgewählt hat, wird dort leider auch Reklame angezeigt - die sich allerdings durch einmaliges Wegklicken dauerhaft (!) entfernen lässt.

Ich empfehle jedem, diesen Browser - und sei es auch nur als parallel benutzbare Alternative zum bisherigen Standard-Browser - zu installieren, die VPN-Funktion sowie den Werbeblocker zu aktivieren und fortan der NSA, dem BND, dem Verfassungsschutz, den Reklamespastis, der GEMA und sonstigen menschenfeindlichen Überwachungsfetischisten und habgierigen Krämerseelen das blanke Arschloch zu präsentieren, auf dass sie ausführlich daran lecken mögen.

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Nachtrag 29.09.16: Trotz anderslautender Information der Entwickler ist die Opera-Version 40 offenbar nicht kompatibel mit dem Betriebssystem Windows Vista/32. Auf meinem Win7/64-System läuft sie hingegen problemlos.
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Selbstbildnis mit blauer Mauritius und verschissener Unterhose



(Gemälde von Albert Oehlen [*1954] aus dem Jahr 1984, Öl auf Leinwand, "Sammlung Schürmann", Herzogenrath)

Mittwoch, 21. September 2016

Song des Tages: Message In A Bottle




(The Police: "Message In A Bottle", live in Japan, 2008; Original aus dem Album "Reggatta de Blanc", 1979)

Just a castaway an island lost at sea-o
Another lonely day, no-one here but me-o
More loneliness than any man could bear
Rescue me before I fall into despair-o

I'll send an S.O.S. to the world
I'll send an S.O.S. to the world
I hope that someone gets my
I hope that someone gets my
I hope that someone gets my
Message in a bottle, yeah
Message in a bottle, yeah

A year has passed since I wrote my note
But I should have known this right from the start
Only hope can keep me together
Love can mend your life but love can break your heart

I'll send an S.O.S. to the world
I'll send an S.O.S. to the world
I hope that someone gets my
I hope that someone gets my
I hope that someone gets my
Message in a bottle, yeah
Message in a bottle, yeah

Walked out this morning, I don't believe what I saw
A hundred billion bottles washed up on the shore
Seems I'm not alone in being alone
A hundred billion castaways looking for a home

I'll send an S.O.S. to the world
I'll send an S.O.S. to the world
I hope that someone gets my
I hope that someone gets my
I hope that someone gets my
Message in a bottle, yeah
Message in a bottle, yeah


Zitat des Tages: The Show’s Going On


Das wollte Robert Gernhardt unter anderem: Die Welt nicht als dümmeren Ort verlassen, als er sie vorgefunden hatte. Ob ihm das gelungen ist, will ich nicht beurteilen; dass mir es nicht gelingen wird, ist so gut wie sicher.

(Stefan Gärtner [*1973] in seiner Titanic-Kolumne "Gärtners kritisches Sonntagsfrühstück" vom 18.09.2016)

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Betrachtung


"Die Biester sind Gott sei Dank genau wie die Menschen. Wenn sie nichts zu fressen kriegen, sind sie zu schlapp zum Beißen, und wenn sie zu fressen haben, zu faul."

(Zeichnung von Marcel Frischmann [1900-1952], in "Simplicissimus", Heft 12 vom 16.06.1930)

Dienstag, 20. September 2016

Die Erfolge der Linkspartei


Die ostdeutsche Provinz (Berlin) hat "gewählt" - es ist also an der Zeit, einmal zurückzuschauen, was die als "Gegenkraft" zur neoliberalen Einheitspartei (NED) auftretende Linkspartei in den vergangenen zehn Jahren dort bewirkt hat. In der Jungle World war dazu kürzlich ein äußerst informativer Artikel zu lesen, in dem es unter anderem heißt:

In der zehnjährigen Regierungszeit wurden über 35.000 Stellen im öffentlichen Dienst abgebaut, was einem Anteil von mehr als 23 Prozent entsprach. 100.000 Wohnungen aus den landeseigenen Baugesellschaften wurden verkauft und die Berliner Wasserbetriebe teilprivatisiert. Das unbestreitbare Glanzstück aber gelang dem Bürgermeister und Wirtschaftssenator Harald Wolf (Linkspartei) und seinem sozialdemokratischen Kollegen in der Finanzverwaltung, Thilo Sarrazin (SPD). 2003 fädelten die beiden den Austritt Berlins aus dem kommunalen Arbeitgeberverband ein, mit [dem] eine Kürzung der Gehälter der Landesangestellten um bis zu zwölf Prozent einherging. Durch Ausgründungen von einzelnen Bereichen öffentlicher Betriebe, wie etwa bei der BVG und der Charité, konnten dann schließlich die Gehälter teilweise nochmals um bis zu zehn Prozent abgesenkt werden. Hinzu kamen die Erhöhungen von Gebühren, beispielsweise bei den kommunalen Kindertagesstätten, Eintrittserhöhungen in Schwimmbädern, die Aufhebung der Lehrmittelfreiheit in den Schulen, Reduzierungen der Pflegegeldzuschüsse, Kürzungen bei Jugendprojekten und Universitäten und die Aufhebung der Ladenschlusszeiten. Die Liste ließe sich noch erweitern.

Das muss man sacken lassen. So viele soziale Wohltaten auf einem Haufen findet man selbst in grausigsten CSU-Kreisen äußerst selten; sogar Menschenfeinde wie Schäuble oder de Maizière schielen neidisch und geifernd auf diese inhumanen Errungenschaften.

Nun fragt sich ein beklommener Bürger wie ich angesichts dieser Farce ja unwillkürlich, wieso zur Hölle die verkommene Bande sich so strikt asozial verhält - aber auch auf diese Frage bietet der verlinkte Artikel eine plausible Antwort:

Damit wird vor allem deutlich, dass es in der Landespolitik neben dem Standortwettbewerb, der mit dem Mittel der Gewerbesteuer geführt wird, um Verwaltung geht – und um Posten für die Parteien. In nur wenigen anderen Bereichen beziehen Protagonisten, die keine besonderen Fähigkeiten mitbringen, so gute Gehälter.

Natürlich. Es geht ums eigene Bankkonto, um die Sicherung von Posten und einen trockenen Platz am Fleischtrog. Wir befinden uns nach wie vor in den Höhlen der Steinzeit und bewundern eine entsprechend steinzeitliche Parteienlandschaft. Ich kann mich gar nicht entscheiden, was ich ekelerregender finde - dieses perverse System oder die aalglatten, eigennutzorientierten Arschlöcher, die in eben diesem System auch noch Karriere machen.

Ich freue mich nun wahnsinnig auf die "neue Regierung" in Berlin - ob sie diesmal wohl wieder so effizient dem Kapital in den übelriechenden, braun verklebten Anus kriecht und den Schwächsten mit Schmackes die Fressen blutig haut? Ich nehme Wetten entgegen. Die Linkspartei in der ostdeutschen Provinz beherrscht das jedenfalls in Perfektion.

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Arbeiter auf dem Heimweg



(Gemälde von Conrad Felixmüller [1897-1977] aus dem Jahr 1921, Öl auf Holz, Privatbesitz [sic!])

Montag, 19. September 2016

Buchempfehlung: Die zweite Invasion der Marsianer


Die heutige Buchempfehlung der Gebrüder Arkadi und Boris Strugazki, auf die ich an anderer Stelle schon Bezug genommen habe, gehört heute längst zum Fundus der Weltliteratur. Der Suhrkamp-Verlag beschreibt diese ausgesprochen aktuelle Erzählung im Klappentext mit den folgenden Worten:

Die erste Invasion der Marsianer fand bekanntlich in H.G. Wells Roman "Krieg der Welten" (1898) statt. Wells' Marsianer überfielen die Menschheit mit Hitzestrahlen und Kampffahrzeugen, und sie ernährten sich vampirisch von menschlichem Blut. Die "Marsianer" der Strugazgis gehen weit weniger gewaltsam, dafür aber noch heimtückischer vor. Ihre Invasion vollzieht sich unversehens, heimlich und leise. Durch Flüsterpropaganda und eine Flut von Gerüchten geht der Mensch seiner Rolle als "Krone der Schöpfung" verlustig, und aus rein opportunistischen Erwägungen lässt er sich die Herrschaft der "Marsianer" willig gefallen.

Die Kölnische Rundschau resümierte - freilich, wie sollte es auch anders sein, viel zu kurz und simpel gedacht - über diese Erzählung:

Eine Groteske in Science-Fiction-Manier, eine Parabel der Feigheit und Anpassung. Die beiden Russen knüpfen in ihrer Erzählweise an die große Tradition ihres Landes an, an Gogol zum Beispiel.

Es versteht sich von selbst, dass - in guter Science-Fiction-Tradition - mit den "Marsianern" hier gewiss keine grünen Männchen vom Nachbarplaneten gemeint sind - das Büchlein ist nichts anderes als eine wunderbare Parabel auf die absurden Verwerfungen und Deformierungen, die der Kapitalismus unweigerlich und äußerst logisch in der menschlichen Gesellschaft unserer Zeit produziert. Bei der Lektüre dieser Erzählung drängen sich die hohlen Phrasen der Merkels, Gabriels, Petrys, Özdemirs et al. förmlich und schmerzhaft auf - es lässt sich hier Wort für Wort nachlesen, wie eine Gesellschaft sich vollkommen ohne Zwang und Not willfährig einem zerstörerischen Katastrophen-Regime ausliefert und dabei nicht müde wird, immer wieder unbeteiligte Dritte für das allmählich immer stärker werdende Fiasko und den zunehmenden Verfall verantwortlich zu machen.

Auch Wells' Vorlage war bereits eine deutliche Kapitalismuskritik, was von den vorhandenen, schaurigen Hollywood-Adaptionen dieses Buches konsequent verschwiegen und sogar ins - teilweise gar patriotisch verbrämte - Gegenteil verkehrt wurde. Diese Version der Strugazkis aber lässt keinen Zweifel mehr zu und hält der vom Kapitalismus verblendeten Menschheit standhaft den Spiegel vors egoistisch verzerrte Gesicht und beschreibt detailliert den Niedergang und Verfall einer eigentlich empathischen, zu sozialem Verhalten fähigen Spezies.

Dieses Buch sollte eine Pflichtlektüre an den Schulen sein - ein Wunsch, der inmitten des kapitalistischen Untergangs mindestens ebenso utopisch anmutet wie die allgemeine Erkenntnis, dass es schlicht und ergreifend der Kapitalismus ist, der unseren Planeten in Terror, Krieg, Hunger, Agonie, Religiotismus und letztlich gewiss in die Auslöschung führt.



(Arkadi und Boris Strugazki [1925/1933-1991/2012]: "Die zweite Invasion der Marsianer", Erzählung, 1967; dt. 1973)

Samstag, 17. September 2016

Song des Tages: I Wanna Rule The World




(10cc: "I Wanna Rule The World", aus dem Album "How Dare You!", 1976)

I wanna be a boss
I wanna be a big boss
I wanna boss the world around
I wanna be the biggest boss
That ever bossed the world around

I wanna do it right
I wanna do it right away
I wanna do it right now
I wanna do it right away
I want to do it now

Don't want to be a dancer in the Bolshoi Ballet
Don't want to work for daddy in daddy's shop, OK
I get confused, so confused
I get a pain, I get a pain up here in the Shirley Temples

What you gonna do
How you gonna do it
What you gonna do
How you gonna do it

Little by little, ooh
Little by little, bit by bit

Sssh, not too loud, don't tell everybody
Don't give away the game
Oh, I ain't quite ready to reveal my campaign

This is not the time
My heroes are alive and well in a cave
I'm keeping them on ice in suspended animation
Till the very right occasion comes along

To our rally come along
Come along to our rally
Come along to our rally, come along
To our rally come along
Come along to our rally
Come along to our rally, come along

"A Brave New World will rise from the ashes
And there upon a rock titanic
I'll cast a giant shadow on the face of the deep!
And never again will they dare to call me
A freckled, spotty, specky, four-eyed, weedy, little creep ..."

No more trembling and quaking in the gym
No more "Come on fellas, let's get him!"

What you gonna do
How you gonna do it
What you gonna do
How you gonna do it

Little by little, ooh
Little by little, bit by bit
Little by little, ooh
Little by little, bit by bit
Bit by bit, bit by bit

"Everyone's going to be free
But they'll have to agree to be free
They'll have to agree to be less free than me
'Cause I rule the world, you see

So wait for the army of kiddy-winkies
And terrible tiny tots
In armored school buses
Firing poison pea-shooters
And sinking their milk teeth into your thighs ...
Delapsus resurgam - when I fall I shall rise!"

I wanna be a boss
I wanna be a big boss
I wanna boss the world around
I wanna be the biggest boss
That ever bossed the world around


Freiheitlich-demokratische Politiker: Wenn die Geldquelle zu versiegen droht


Es gibt ja viele Möglichkeiten, sich selbst als billige Hure im Politbetrieb zu präsentieren - die Beispiele für diesen schamlosen Akt sind längst Legion. Ein besonders ekelerregendes Exempel für dieses schmutzige Geschäft hat nun der ehemalige "Pirat" Christopher Lauer in Berlin in die Welt gekotet: Der hat sich nämlich brav die Schlips-Borg-Uniform angezogen und bittet anlässlich des anstehenden Wahltheaters in Berlin nun um die Aufnahme in die - *trommelwirbel* - SPD.

Die SPD. Tatsächlich die SPD. Er hat sich nicht einmal die kriegsgeilen Grünen oder die flüchtlingsfremdelnde, koalitionsgeile Linkspartei ausgesucht, sondern ausgerechnet die SPD. Natürlich ist es letztlich einerlei, welchem Block der neoliberalen Einheitspartei er beitritt, aber dieses Detail ist dennoch ein Highlight in meiner dunklen Welt: Ich sehe Herrn Lauer und Frau Nahles schon als neues "linksgrünversifftes Liebespaar", das auch dem letzten Rentner, Behinderten, Kranken und Arbeitslosen den Rest des "Existenzminimums" unterm Hintern wegpfändet und dieses unnütze Gesocks in die Obdachlosigkeit - oder besser noch: ins Lager - schickt.

Es ist aber auch zu schön, an den einträglichen Trögen der hiesigen Demokratiesimulation zu sitzen - wieso sollte der Mann auch plötzlich damit aufhören, sich monatlich tausende von Euro auf sein Bankkonto zu scheffeln, ohne dafür etwas Sinnvolles zu tun? Gewiss hat der Kerl, der seit Jahren - inzwischen fraktionslos - fürstlich bezahlt wird, nun plötzlich sein Gewissen entdeckt und erkannt, dass er nur in der SPD eine "Heimat" haben kann, um seine politischen Ideale in die Tat umzusetzen - dieses Credo nimmt ihm doch wohl jeder auf Anhieb ab. Gerade die SPD in Berlin ist ja ohnehin bekannt dafür, dass sie ganz besonders sozial, antikapitalistisch und geradezu selbstlos zum Wohle der Mehrheit der Bevölkerung agiert. Wer würde dem sauberen Herrn Lauer hier wohl schnöden Eigennutz unterstellen? - Ich tue das sicherlich nicht ... äh ... doppel-äh ...

Nein, Herr Lauer folgt hier lediglich seinem reinen, völlig weißen Gewissen. Er kann doch auch nichts dafür, dass er in seiner fernen Jugend im Alpha-Quadranten, also vor sagenhaften vier Jahren, mal versehentlich einen ganz anderen Haufen im Netz hinterlassen hat, in dem er uns - damals noch als "Pirat" - wissen ließ, dass er sich eher "'ne Kugel durch den Kopf jagen" werde, als SPD-Mitglied zu werden. Was interessiert den Schlips-Borg von heute denn auch sein Geschwätz von gestern? Wenn das Bankkonto lacht, lacht auch der schlipsgewürgte Hampelmann. Das ist Kapitalismus.

Ich persönlich habe ja keinerlei Erfahrungen mit Huren - aber ich biete dennoch an, dass ich gewissen Figuren sehr gerne die notwendige Kugel gratis nach Hause liefere und sogar standhaft bis zum Schluss warten werde, um die erfreulichen Fotos nach dem Schuss zu archivieren und sie ins Netz zu stellen. Sonderlich viel verspritzte Hirnmasse ist hier ja sowieso nicht zu erwarten.

Lauer ist indes kein bedauerlicher Einzelfall, sondern lediglich der Ausdruck eines durch und durch korrupten Systems, das weder durch "Wahlen", noch durch Wegsehen bekämpft werden kann. Der korrupte politische Filz auf der einen und die bis ins Mark intelligenzfeindliche Sündenbockmentalität der "besorgten Bürger" samt ihrer faschistischen AfD auf der anderen Seite bilden einmal mehr die böse, braune Allianzbrühe, aus der nur schaurige Monster erwachsen können.

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Gewächse
(Komposition aus Maschinenteilen)



(Gemälde von Hannah Höch [1889-1978] aus dem Jahr 1928, Öl auf Leinwand, Kunstmuseum Gelsenkirchen)

Samstag, 10. September 2016

Temporarily Closed


Massive finanzielle und persönliche Probleme zwingen mich hierzu:



In wenigen Tagen oder auch Wochen geht's hier hoffentlich weiter. Und wenn nicht, ist das auch kein Weltuntergang. Man sieht sich ja spätestens auf dem Friedhof, gelle.

Mittwoch, 7. September 2016

Buchempfehlung: Der genetische Krieg


Weite Teile des bedrückenden Buches von Christof Schade, das ich heute vorstellen möchte und das vor 30 Jahren noch als "Science Fiction" deklariert wurde, sind heute bereits bittere Realität. Ich zitiere aus dem Klappentext:

Die Hungerwaffe im Kampf um die Weltmacht / Christian Corall, Entwicklungshelfer in Nepal, wird gekidnappt und bald wieder freigelassen. Doch den Freunden und Angehörigen präsentiert sich bei seiner Rückkehr ein veränderter Mensch: Dem jungen Mann schärfte sich während seiner Gefangenschaft der Blick für die sozialen Ungerechtigkeiten; er entlarvte die Phrase von der "Grünen Revolution", jener trügerischen Hilfsmaßnahmen reicher Industrieländer für die sogenannte Dritte Welt.

Überraschend für alle tritt Corall bei McGill, dem mächtigsten Getreidemulti der USA, eine Praktikantenstelle an - und sieht seine Befürchtungen bestätigt: Maßgeschneiderte Getreidesorten, ertragreich, aber nicht zur weiteren Aussaat geeignet, machen die Hungernationen abhängig von alljährlichen Saatgut-Lieferungen und zwingen sie zu Wohlverhalten.

Die Machenschaften von multinationalen Konzernen wie beispielsweise Monsanto gehen heute über das im Roman Beschriebene sogar weit hinaus: Man hat sich gentechnisch manipulierte Pflanzen, die sich auf natürlichem Wege auch über den eingesetzten Rahmen hinaus unweigerlich verbreiten, "patentieren" lassen und zockt auf diese Weise sogar jene Kleinbauern ab, die sich bislang noch weigern, das gentechnisch veränderte Konzern-Saatgut, das Pflanzen hervorbringt, die keine aussaatfähigen Erträge mehr bringen, teuer einzukaufen. Die Ausbeutung, Entrechtung und Versklavung ganzer Landstriche - bislang noch vorzugsweise in den ärmsten Gegenden dieses verkommenen Planeten - ist in vollem Gange.

Selbstverständlich existieren bis heute keine seriösen Langzeitstudien bezüglich der Auswirkungen solcher genetischer Manipulationen an Nutzpflanzen auf Menschen, Tiere und die Pflanzen selbst. An ihren Machenschaften und der stetigen Weiterverbreitung ihrer "Produkte" werden diese Konzerne beharrlich und voraussichtlich auch weiterhin aber nicht gehindert - ganz im Gegenteil. Der Kapitalismus erblüht hier zu seiner vollen, widerwärtigen Pracht.

Nähere Informationen bietet beispielsweise die erschreckende Arte-Dokumentation "Monsanto - Mit Gift und Genen", die momentan aber nur in kleinen Einzelteilen auf youtube verfügbar ist. Den ersten Teil findet man hier. Der Arte-Moderator Thomas Kausch kündigt den Film unter anderem mit diesen Worten an:

Als ich diesen Film zum ersten Mal sah, hatte ich gleich sämtliche Bösewichte aus den James-Bond-Filmen vor Augen, die die Welt beherrschen wollen. Dieses Drehbuch allerdings basiert auf Fakten. Der Film zeigt, wie der amerikanische Chemie-Gigant Monsanto im Begriff ist, mit Herbiziden und Gentechnologie die Nahrungsmittelproduktion der ganzen Welt unter seine Kontrolle zu bringen.

Der genetische Krieg ist keine Science Fiction mehr - er ist in vollem Gange, und die profitgierigen Konzerne sind selbstverständlich dabei, ihn zu gewinnen. Wie sollte es auch anders sein in diesem kranken System der Profitgier um jeden Preis. Der wunderbare Roman liest sich heute eher wie ein Sachbuch mit erzählerischen Komponenten. - Der Autor wird vom Verlag folgendermaßen vorgestellt:

Christof Schade studierte in Berlin und München Volkswirtschaft. Er arbeitete dann als Rundfunkreporter in Berlin. Ab 1968 war er Redakteur für das ZDF in München, zahlreiche Reisen. Er ist ein pessimistischer Zukunftsbetrachter, voller Hoffnung, dass er unrecht hat.

Es war im Kapitalismus schon immer so, dass die Hoffnung zuletzt stirbt - bislang ist sie aber dennoch stets gestorben bzw. ermordet worden. So auch in diesem Fall. Die Dystopie ist der Regelfall im Kapitalismus - und wir können sicher sein, dass es für jede menschenfeindliche Abartigkeit, die man sich in den finstersten, gemeinsten Augenblicken ausdenken kann, noch eine weitere, grausame Steigerung gibt.



(Christof Schade [*1937]: "Der genetische Krieg", Heyne 1985)

Montag, 5. September 2016

Wenn die AfD zweimal klingelt


Dazu gibt es nicht viel zu sagen:



So sieht das alltägliche Leben für Millionen von Menschen in diesem (Vorsicht: Brüllwitz) reichen Land aus, die von der neoliberalen Einheitspartei (NED) der schwarz-rot-grün-gelben Bande bis aufs letzte Hemd verarmt und zunehmend drangsaliert werden. Es ist nur ein Treppenwitz der Geschichte, dass im tiefsten Dunkeldeutschland (ganz da oben im Nordosten, kurz vor dem Nordpol, wo nicht einmal der Teufel einen müden, braunen Kackhaufen hinterließe) nun satte 21 Prozent der noch zur Wahl gehenden Eingeborenen ausgerechnet die Neuauflage der NSDAP angekreuzt haben. Sicherlich - so wird es den Abgehängten schon sehr bald viel, viel besser gehen (glauben die Primitiven das eigentlich wirklich?).

Menschen sind ja generell dumm - Nordostdeutsche scheinen aber den Preis für die mit Abstand dämlichsten Kälber auf diesem erbärmlichen Planeten mit aller Macht gewinnen zu wollen.

Es ist ja offensichtlich, dass die NED klar ersichtlich gegen die Interessen der Bevölkerung und einzig zum Wohle des Kapitals handelt. Dass in Dunkeldeutschland dennoch eine Mehrheit ausgerechnet diesen Blockparteien ihre Stimme gegeben hat, ist wohl nur mit der Diagnose "Die Welt ist bescheuert, also bin ich es doppelt!" zu erklären. Wer allerdings die noch weitaus schlimmere "Alternative" angekreuzt hat, darf sich getrost den wippenden Eselshut aufsetzen und einen Aufsatz darüber schreiben, weshalb vor 90 Jahren die NSDAP tatsächlich (in Finsterdeutschland staunt man möglicherweise über diese Erkenntnis) keine sinnvolle Alternative zum zweifellos vorhandenen korrupten Filz der damals ebenso wie heute im Enddarm des Kapitals steckenden Parteien der vorherrschenden Demokratiesimulation gewesen ist.

Ich will nicht mehr. Jede kreischende Affenbande ist doch um Längen schlauer als diese Menschheit. Da befasse ich mich doch lieber mit dem freundlichen Herrn Vollstreckungsbeamten, der mir mein krankes Leben mittels subtiler Postkarten erträglicher machen möchte.



Morgen trete ich in die AfD ein - SPD/CDU, Grüne und Linkspartei haben mir das schmackhaft gemacht. Und die Dummheit feiert Triumphe, wie sie es seit 90 Jahren nicht mehr durfte.

Song des Tages: Cloudy Now




(Blackfield: "Cloudy Now", aus dem Album "Blackfield", 2004)

In a violent place we can call our country
Is a mixed up man and I guess that's me.
The sun's in the sky but the storm never seems to end.

It's a place of sorrow but we call it a home,
And the darkest thoughts, yeah, I guess they're my own.
There's wealth in the bank but there's nothing to show inside.

- It's cloudy now ... -
- It's getting cloudy now ... -

In a special place that I call my life
The father was cruel and he lost his wife.
But I don't see either 'cause I live across the street.

It's a beautiful thing when it starts to rain,
A man who drinks just to drown the pain.
And I can't stop from dreaming there's something else.

- It's cloudy now ... -
(The sun's in the sky but the storm never seems to end)
- It's cloudy now ... -
(And I can't stop from dreaming there's something else)
- It's getting cloudy now ... -

WE ARE A FUCKED-UP GENERATION
- It's cloudy now ... -
A FUCKED-UP GENERATION
- It's cloudy now ... -
WE GOTTA GET OUT OF HERE
- It's cloudy now ... -
A FUCKED-UP GENERATION
- It's cloudy now ... -