Samstag, 19. August 2017

Freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat: Der Ausreiseversuch


Oder: Willkommen in Dystopia

Seit Anfang August 2017 ist es nun "amtlich": In Deutschland gibt es ein Gesinnungsstrafrecht, das es erlaubt, Menschen "rechtskräftig" zu verurteilen und jahrelang einzusperren, die keine Straftat begangen haben, sondern denen lediglich "plausibel" unterstellt wird, derartig Schändliches in der Zukunft möglicherweise begehen zu wollen. n-tv berichtete:

In dem Fall ging es um einen Deutschen aus München, der zweimal vergeblich versucht hatte, ins syrische Bürgerkriegsgebiet zu reisen, um dort für einen islamischen Gottesstaat zu kämpfen. Im Oktober 2015 wurde er am Flughafen München festgenommen. Vom dortigen Landgericht wurde der damals 27-Jährige im Mai 2016 zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Dieses Urteil ist nun rechtskräftig.

Der Bundesgerichtshof [sic!] hat dieses Freisler'sche Urteil bestätigt. So intensiv ich auch nachdenke – mir fällt dazu kein sinnvoller Kommentar ein, den ich hier auch veröffentlichen könnte, ohne ausfällig zu werden. Ich stelle stattdessen einfach die Frage in den Raum, wie man gemeinhin (autoritäre) Staaten bezeichnet, welche die eigenen Staatsbürger aufgrund eines Ausreiseversuches – aus welchen Gründen der auch immer geplant gewesen sein mag – strafrechtlich verfolgen und in den Knast sperren? Ob das Urteil wohl ebenso ausgefallen wäre, wenn dem Mann nicht die Ausbildung in einem "Terror-Camp" in Syrien, sondern beispielsweise in einem "Terror-Wolkenkratzer" der menschenfeindlichen Bankmafia an der Wallstreet als Ziel unterstellt worden wäre – oder gar eine Teilnahme am Krieg auf Seiten der "gemäßigten Rebellen" [*lol*] in Nahost oder sonstwo? – Die Antwort liegt klar auf der Hand.

Es ist nicht allzu weit hergeholt, dass demnächst auch wieder Schwerstkriminelle wie ich vor Gericht gestellt und weggesperrt werden, denn ich träume ja – wenn auch ohne jede Hoffnung – nach wie vor von einer sozialistischen Revolution, die dieses furchtbare kapitalistische System endlich, endlich in die finstere Kanalisation der Geschichte spült, wo es schon so lange hingehört – und das sogar öffentlich und ganz und gar nicht "verdeckt". Wie lange mag es noch dauern, bis wieder einmal nicht mehr "erst" der Ausreiseversuch "geahndet" wird, sondern die Männer in den schwarzen Mänteln schon lange vorher hämmernd vor der Türe stehen? – Cogito ergo criminalis sum?

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Wer läutet draußen an der Tür?

Wer läutet draußen an der Tür,
kaum dass es sich erhellt?
Ich geh schon, Schatz. Der Bub hat nur
die Semmeln hingestellt.

Wer läutet draußen an der Tür?
Bleib nur; ich geh, mein Kind.
Es war ein Mann, der fragte an
beim Nachbarn, wer wir sind.

Wer läutet draußen an der Tür?
Lass ruhig die Wanne voll.
Die Post war da; der Brief ist nicht
dabei, der kommen soll.

Wer läutet draußen an der Tür?
Leg du die Betten aus.
Der Hausbesorger wars; wir solln
am Ersten aus dem Haus.

Wer läutet draußen an der Tür?
Die Fuchsien blühn so nah.
Pack, Liebste, mir mein Waschzeug ein
und wein nicht: sie sind da.

(Theodor Kramer [1897-1958], geschrieben am 18. Juni 1938, in: "Gesammelte Gedichte Bd. 1-3", 1989)

Montag, 14. August 2017

Song des Tages: Dark Side of the Sun




(End of Green: "Dark Side of the Sun", aus dem Album "Void Estate", 2017)


Samstag, 12. August 2017

Fragmente: Gedanken aus den Fieberträumen


Nach einigen Tagen des persönlichen Totalausfalles aus gesundheitlichen Gründen reiche ich heute ein paar kommentierte Meldungen der letzten Wochen nach, die ich eigentlich viel ausführlicher im Blog behandeln wollte. Ich bitte um Nachsicht, dass dies nun nur fragmentarisch geschieht und ich nur wenige meiner Gedanken dazu hier unterbringen kann.

1. Mythos Elektroauto

In der Zeit war vor einigen Wochen zu lesen:

Ab 2040 dürfen in Großbritannien keine Dieselfahrzeuge oder Benziner mehr verkauft werden. Ähnliche Pläne werden nun auch in Deutschland diskutiert.

Gerade dies ist ein Thema, zu dem ich mich eigentlich sehr ausführlich äußern wollte, denn ich halte diesen Elektro-Hype und die zugrundeliegende, aufgrund eines "plötzlichen Skandals" in Bewegung gesetzte Verteufelung des Verbrennungsmotors (aktuell muss der Diesel dafür herhalten, aber dabei wird es gewiss nicht bleiben) nicht nur für einen wahnwitzigen Irrweg, sondern für gezielt verdummende, kapitalistische Propaganda, die einzig dazu dient, der Automobilindustrie zu noch mehr Neuwagenverkäufen zu verhelfen, um den Profit weiter zu steigern.

Die Indizien dafür sind so reichhaltig wie der Sand im Watt von Ostfriesland. Es ist beispielsweise jedem, der ein halbwegs funktionsfähiges Gehirn besitzt, bekannt, dass jede automobile "Dreckschleuder" im Vergleich mit einem Neuwagen um Längen "ökologischer" ist, je älter sie ist. Soviel Dreck kann eine alte Karre auch in hundert Jahren nicht ausstoßen, wie die Produktion eines Neuwagens – egal welcher Art – an ökologischen Schäden und Ressourcenverschwendung verursacht.

Die Fragen nach der Herkunft und der Speicherung des benötigten Stroms sind ebenso ungeklärt wie die alltagstauglichen Lademöglichkeiten für Millionen von Fahrzeugen. Von den benötigten Rohstoffen allein für die heute verwendeten Batterien, die erforderlich wären, wenn dieser Irrweg weiter verfolgt wird, will ich gar nicht erst reden.

Die Gründe liegen indes auch klar und offen auf dem Tisch: Im Kapitalismus muss stetig neuer Schrott produziert und verkauft und "Altes" entsorgt werden, sonst funktioniert dieses absurde, zerstörerische System nicht einmal scheinbar. Dennoch sieht diese Gründe niemand und die Propagandapresse brüllt weiterhin im Chor mit den Irren aus der Politik und Wirtschaft das alte, böse, so unsäglich dämliche Lied: "Wachstum, Fortschritt, Wachstum, Fortschritt! Krebs bis zur Unendlichkeit!"

2. Flächendeckende Gesichtserkennung im deutschen Orwell-Staat

Jörg Schieb hat zum entsprechenden "Pilotprojekt" in Berlin Stellung bezogen. Dort werden am "Ostkreuz" seit dem 01.08. "probehalber" Kamerasysteme eingesetzt, die in Echtzeit Gesichter erkennen und mit staatlichen Datenbanken abgleichen können. Es versteht sich von selbst, dass niemand weiß, wie diese ominösen Datenbanken zustandekommen, wer die Kriterien festlegt, nach denen ein Mensch dort geführt wird oder von wem das ganze eigentlich kontrolliert wird. Das interessiert in Kapitalistan aber auch niemanden – Hauptsache, die Bevölkerung wird flächendeckend überwacht und zukünftig auch sofort "erkannt".

Schieb, der in seiner Eigenschaft als öffentlich-rechtlicher Redakteur nun wahrlich nicht dem Verdacht ausgesetzt ist, irgendwelchen Verschwörungstheorien anzuhängen, kommt zu dem Resümee:

Dem Überwachungsstaat ist damit Tür und Tor geöffnet. Harmlose Menschen verhüllen sich nicht – und werden zuverlässig erkannt. Der Schwarzfahrer. Der Sprayer. Vor allem Du und ich. Es setzt schon eine Menge Vertrauen voraus, davon auszugehen, dass solche Technologien nicht missbraucht werden – jetzt nicht und auch in Zukunft nicht. Dieses Vertrauen habe ich nicht. (Hervorhebung von mir, Anm.d.Kap.) / Lässt sich zusammenfassen: Die echten Straftäter haben nichts zu befürchten. Alle anderen schon. Klingt nach keinem guten Deal.

Das ist zwar arg harmlos formuliert, enthält aber trotzdem wesentliche Elemente der allzu nötigen und dennoch ignorierten Kritik – wenngleich, wie immer, die kapitalistischen Ursachen konsequent ausgeblendet werden.

3. Die unsäglichen Freuden des Kapitalismus

Diese Meldung muss ich eigentlich nicht weiter kommentieren, denn sie spricht für sich. n-tv meldete vor zehn Tagen:

9.500 Euro erhalten Bundestagsabgeordnete seit dem 1. Juli monatlich als Diät. Doch jeder vierte Parlamentarier verdient nebenbei dazu – in der Summe mindestens 26,5 Millionen Euro. Vor allem Abgeordnete von CDU und CSU bessern ihren Verdienst auf.

Das sind übrigens dieselben schmierigen Gestalten, die – inzwischen sogar unter Strafandrohung – Millionen von zwangsverarmten Menschen strikt verbieten, auch nur läppische 50 Euro hinzuzuverdienen. Das wird dann nämlich auf die Diät "Transferleistung" angerechnet. Wundert sich ernsthaft jemand darüber, dass solche Figuren den Kapitalismus toll finden, obwohl auch sie nur zu den Schuhputzern der Reichen gehören?

4. SPD: "Dinner for One"

Im Verlauf des bekannten Kindergartenspieles "Bäumchen, wechsle dich" innerhalb der kapitalistischen Einheitspartei hat es natürlich die SPD mal wieder zu Höchstleistungen des absurden Rinderwahnsinns gebracht. Nachdem die olle Eiter-Elke in Niedersachsen von der rechts-olivgrünbraunen auf die rechts-olivschwarzbraune – im Propagandasprech der alarmistischen Medien natürlich "völlig konträre" – Seite gewechselt war, meinte der rechts-olivrotbraune Thomas Oppermann voller Entrüstung (das Wort darf bitte nicht ernstgenommen werden, denn "Rüstung" ist schließlich ein wesentliches Kernthema des Kapitalismus):

Der ganze Vorgang verstößt gegen den politischen Anstand und ist ein beispielloser Verfall der politischen Moral.

Ich verschluckte mich heftig, als ich das las, und riss mir danach – wahrscheinlich irre lachend und hasenhaft umherhüpfend – büschelweise die Haare aus dem Schädel, um den Schmerz zu bändigen, den dieser Ausspruch ausgelöst hatte: "Politischer Anstand" und "politische Moral"!!! Mir blieb am Ende die Luft weg, ich lief blau an und schämte mich deswegen, weil ich um alles in der Welt nicht mit den Rechtsradikalen der AfD in Verbindung gebracht werden wollte. Der Oppermann muss einfach ein U-Boot der Titanic-Redaktion sein! Er muss! Er muss! Er muss! – Ich wiederholte diese Aussage solange, bis mein Kopf, den ich bei jedem dieser Worte mit sozialdemokratischer, schrödianischer Wucht auf die Tischplatte geknallt hatte, endlich dem blutigen Brei der CDU-Hirne glich, die in diesem lächerlichen Propagandatheater nicht minder hirnzersetzende Äußerungen in die Welt gefurzt und gekackt hatten.

Ich weise explizit darauf hin, dass ich der CDU hier immerhin etwas Blut, also ein Mindestmaß an Sauerstoffversorgung in der Hirnregion, unterstellt habe. Oh ja, ich weiß, ich bin völlig irre.

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Vielleicht bleibe ich doch lieber weiter krank und beschäftige mich nicht mehr mit diesem hirnverbrannten, menschenfeindlichen, abgrundtief dämlichen Bockmist, über den man so herzlich lachen könnte, wenn er nicht so unsagbar fürchterliche Auswirkungen auf die Menschen und diesen verzweifelt um Gnade winselnden Planeten hätte. Realitätsfluchten sind doch so viel schöner.

Komm, Fieber, oh komm schnell zurück.

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Wald draußen



(Gemälde von Renate Sautermeister [1937-2012] aus dem Jahr 1982, Acryl auf Leinwand, unbekannter Verbleib)

Dienstag, 8. August 2017

Das Jägerschnitzel


Ich gehe bzw. ging ja sehr gerne essen. Aus bekannten, finanziellen Gründen kann ich mir das heute aber so gut wie nie leisten, so dass es ein kulinarisches Highlight war, dass ich am vergangenen Sonntag endlich wieder in diesen Genuss kam. Ich hatte mich mit einem alten Freund verabredet und wollte – hungrig, wie ich war – eines dieser wundervollen Jägerschnitzel zu mir nehmen, das ich Wochen zuvor in jenem Etablissement am Nachbartisch gerochen und gesehen hatte.

Natürlich hatte ich extra nicht gefrühstückt – einen solchen kulinarischen Höhepunkt gilt es schließlich zu feiern. So saßen wir also entspannt quasselnd in diesem Bistro, mit einem Tässchen Kaffee und einem weitläufigen Blick über den geruhsam in der Sonntagssonne dahinplätschernden Fluss, als mein Blick irgendwann auf die Karte fiel: Das Jägerschnitzel war durchgestrichen.

Mir stockte das Herz. Da hatte ich nun wochenlang gespart, um endlich mal wieder mein Leibgericht zu mir nehmen zu können – um vom Kellner sodann zu erfahren, dass dieses Gericht, das als "Snack" auf der Karte aufgeführt ist, in den kommenden drei Wochen nicht mehr verfügbar sei. Der Grund ist natürlich ein kapitalistischer: Da der Inhaber des Bistros mehrere Geschäftsstätten betreibt und die "Mutter" gerade Betriebsferien habe, könne das Essen nun auch in diesem "Tochterunternehmen" zeitweise nicht angeboten werden. Ich glotzte wohl wie eine Dampflok oder sedierte Kuh, während der junge Mann mir das offenbarte.

Ähnlich erging es anderen Gästen dieses Bistros – ich schnappte Gesprächsfetzen auf wie "Aber wir sind doch gerade wegen der Schnitzel hier!" – Mein Freund und ich beschlossen also, den Kaffee schnell auszutrinken und eine andere Futterstelle aufzusuchen. Nach einigem Herumirren – am Sonntagmittag ist es in dörflichen Gefilden sogar mitten im Ruhrgebiet nicht so einfach, eine geöffnete Küche jenseits des üblichen Fast-Food-Mists zu finden – nahmen wir also Platz in einem anderen Bistro. An den Nachbartischen saßen schon die besagten Herr- und Frauschaften, die wir schon vom Schnitzel-Gate-Bistro kannten.

Inzwischen war mein Hunger auf die Stufe "Ich esse jetzt alles, Hauptsache es macht satt" angeschwollen. Der Kellner pries mir das Tagesgericht an: Ein Schweinebraten mit köstlicher Soße an Salzkartoffeln mit Rotkohl. Ich bestellte es begierig. Kurze Zeit später kam der Mann wieder an unseren Tisch und sagte: "Tut mir leid – es handelt sich um einen Rinder- und nicht um einen Schweinebraten." Ich winkte ab und sagte: "Egal, ich habe Hunger!" Zehn Minuten später bekam ich endlich mein Essen: Zwei dünne Scheiben Rindfleisch, die so zäh waren wie meine Schuhsohlen, garniert mit sechs maschinell geschälten Kartoffeln (vermutlich aus dem Glas) und einem Haufen Rotkohl, der ebenfalls aus dem Glas stammte. Dazu gab es eine leckere Tüten-Soße. Das ganze war offenbar in der Mikrowelle – ohne Abdeckung – erhitzt worden, so dass sowohl das Fleisch, als auch die Kartoffeln eine trockene Haut aufwiesen, die dem Messer tapfer widerstand.

Ich aß nicht einmal ein Viertel dieser Speise, bezahlte dennoch 8,90 Euro und ging hungrig nach Hause. Mein Freund meinte beim Abschied nur lachend: "Loriot war ein Realist."


(Wovon ich träumte)

Montag, 7. August 2017

Wir haben die Wahl ... ?


Gestern ist der hochgeschätzte Stefan Gärtner in seinem sonntäglichen Frühstückskommentar zu gar wunderlichen Schlüssen gelangt: Neben vielen nachvollziehbaren Schlussfolgerungen kommt er dort unter anderem auch zu dieser:

Die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands, nebenbei, kann ich leider nicht wählen, denn neben durchgehend Richtigem will sie "Freiheit für Palästina", und ich muss im Leben nicht mehr viel werden, und linker Antisemit schon gar nicht.

Der Text sitzt wie gewohnt, und ich habe dem dennoch einiges hinzuzufügen. Denn ich fragte mich beim Lesen, ob es aus linker Sicht denn tatsächlich schon ausreicht, eine Partei, die ansonsten "durchgehend Richtiges" anstrebt, allein aufgrund dieser dummen, fast schon traditionellen Palästina-Groteske als "unwählbar" zu klassifizieren. Ich habe nicht einmal nachgeschaut, ob die MLPD diese dämliche Forderung tatsächlich in ihr Wahlprogramm geschrieben hat – ich vertraue darauf, dass der Herr Gärtner das stattdessen getan hat.

Freilich ist es dumm und kontraproduktiv, eine solche "palästinensische" Position einzunehmen, die weder etwas mit der Sozialpolitik, noch mit den gerade in Deutschland – dem großen "Vorreiter" des kapitalistischen Wahns – dringend notwendigen Korrekturen zu tun hat. Alberne Alibi-Parteien wie die korrumpierte "Linke" samt ihren Systemschranzen können und wollen dieses Vakuum nicht füllen, weshalb Alternativen zwingend nötig sind – und seien sie auch noch so marginal. Ich hätte dem Gärtner eine so überaus oberflächliche Behandlung dieses Themas jedenfalls nicht zugetraut. – Sicherlich ist die kapitalistische Politik-"Elite" in Israel ganz genauso scharf zu kritisieren wie in allen anderen kapitalistisch verseuchten Regionen dieser verkommenen Welt – weshalb der Mann aber ins propagandistische Gegenteil verfällt und dieser nötigen Kritik den Stempel "Antisemitismus" aufdrückt, weil sie gängigen pseudolinken Klischees widerspricht, erschließt sich mir nicht.

Es geht hier, daran sei noch einmal erinnert, um die "Wählbarkeit" einer linken Partei in Deutschland aus humanistischer Sicht. Wenn dem geschätzten Herrn Gärtner tatsächlich kein anderes Argument einfällt, um die MLPD als "unwählbar" zu diskreditieren, kann ich das nur als ideologisch verbohrten Blödsinn bezeichnen.

Ich wiederhole noch einmal: Ein Slogan wie "Freiheit für Palästina" ist so unsäglich dumm, dass das entsetzte Gebälk im Hirnbereich mit dem dumpfen Knarzen gar nicht mehr nachkommt; gleichzeitig ist aber die Aussage, dass eine Partei, die dies neben vielem anderen fordert, "unwählbar" sei, ebenso absurd. Die Fähigkeit zur Differenzierung hätte ich dem Gärtner dann doch noch zugetraut. Was wählt er stattdessen? Gar nichts? Die "Bibeltreuen Christen" oder die "Vegane Front"?

Ich jedenfalls werde diese kommunistische Splitterpartei im September wählen – und ich bin mir sehr bewusst, dass ich damit genauso viel erreiche wie mit meinen Bemühungen, die lästigen Fliegen vor meinem Computermonitor durch hektische Handbewegungen zu vertreiben. Durch alberne Wahlen ist der beschlossene kapitalistische Untergang ganz sicher nicht mehr aufzuhalten – dies ist lediglich ein letztes Zeichen meinerseits, das ich noch setzen kann, bevor das kapitalistische Grauen den letzten Rest der Hoffnung aufgefressen hat wie ein Zombie das kleine Kind.


Samstag, 5. August 2017

XXX EILMELDUNG XXX: Das politische Erdbeben


Ein exklusiver Bericht des Narrenschiff-Reporters Charlie Charlieson vom Ort des Grauens

Ich zittere noch am ganzen Körper. Gestern hat in der freiheitlich-demokratischen Bundesrepublik Deutschland ein "politisches Erdbeben" (NDR, Tagesschau) stattgefunden, das scheinbar alles aus den Angeln hebt, was zuvor noch religiös als ewige Gewissheit gepriesen wurde. Fassungslose Kuhjournalisten haben Eilmeldungen und Sondersendungen am Fließband produziert, während die Bande der Schlips-Borg wie gewohnt abzuwiegeln versuchte.

Welche unsägliche Katastrophe ist also über das glückselige Paradies Deutschland, in dem es "uns so gut geht wie nie zuvor" (BLÖD-"Zeitung" vom 04.08.17), hereingebrochen? Haben endlich die DKP und die MLPD die Regierungsgeschäfte übernommen? Sind Außerirdische in Hannover gelandet und haben den Kommunismus ausgerufen? Ist Hitler von der dunklen Seite des Mondes zurückgekehrt und hat mithilfe von Flugscheiben und finsteren Echsenmenschen die Macht an sich gerissen? – Ich habe knallhart recherchiert und decke hier auf:

Eine Hofschranze der Kapitalistischen Einheitspartei (KED) aus der norddeutschen Provinz, die jenseits der dortigen Kuhweiden niemand kennt, hat plötzlich herausgefunden, dass der olivgrüne Giftlack, mit dem sie sich zuvor angepinselt hatte, doch nicht so gut zu ihrem Teint und ihrer Geldbörse passt. Deshalb hat sie ihn abgelegt, um künftig lieber wieder den schwarzen Originalanstrich des Rautenmonstrums zu zeigen.

In der Tat: Das ist noch viel schlimmer als ein Erdbeben – man spürt förmlich, wie die verängstigte, panische Bevölkerung in Scharen aus den einsturzgefährdeten Häusern auf die Straßen strömt und um den Fortbestand des freiheitlich-demokratischen Paradieses bangt. In unserer geliebten, alternativlosen KED ist "irgendeine Olle" (Zitat aus Regierungskreisen) vom Bezirk KED-3 zu KED-1 gewechselt, und flugs ruft die Staatspropaganda den Notstand aus. Schließlich ändert sich dadurch nicht nur auf den norddeutschen Kuhweiden, sondern auch sonst alles! Wir haben es hier mit nicht weniger als einem Staatsstreich zu tun, der unser gelobtes Paradies in den Grundfesten erschüttert: In Niedersachsen gibt es ab sofort eine rot-grüne Minderheitsregierung und eventuell sogar Neuwahlen! Dagegen wäre ein Tsunami aus der Nord- und Ostsee, der die gesamte Provinz in Schutt und Asche legt, nur eine Randnotiz auf Seite 17 der örtlichen Kuhblätter. – "Man muss schon sehr genau wissen, was staatsgefährdend ist und was nicht", sagte Carsten Maschmeyer (CDU, vormals SPD) dazu, während er eine Flasche Bier mit einem gewissen Herrn Schröder (noch immer SPD) leerte.

Wie soll es nun bloß weitergehen? Die Ungewissheit treibt die Menschen in der Krisenregion zu maßlosen Hamsterkäufen. Auf den Autobahnen in Richtung Süden bilden sich gigantische SUV-Staus und niemand weiß, ob er die Nacht überleben wird. Die rechtsstaatlichen Strukturen sind zusammengebrochen und ein plündernder Mob zieht durch die ansonsten menschenleeren Straßen und Feldwege des einstmals blühenden Landes und melkt Kühe und Ziegen (zum Eigenbedarf). Und doch harre ich auch weiterhin aus und berichte vom Ort des Grauens, während Hannover in Flammen aufgeht. Morgen wird nichts mehr so sein, wie es einmal war.

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Und morgen lesen Sie an dieser Stelle: Skandal! Helene Fischer popelt in aller Öffentlichkeit!

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Tempo der Zeit



(Zeichnung von Hannes König [1908-1989], in: "Der Simpl", Nr. 10 vom August 1946)

Song des Tages: Rain From Heaven




(The Sisterhood: "Rain From Heaven", aus der EP "Gift", 1986)

We forgive as we forget
As the day is long
As the day is long

Rain from heaven

As the water flows over the bridge
As we walk on the floodland
As we walk on the water
We forget
We forget

Rain from heaven


Donnerstag, 3. August 2017

Buchempfehlung: Der Präsident


Ein Gastbeitrag des Altautonomen

Jeder angebliche Gänsehaut-Thriller, der mir mit den Adjektiven "hochspannend", "gruselig", "schlafraubend" etc. empfohlen wird, hat bei mir eine Chance von 50 Seiten. Danach klappe ich das Buch entweder zu oder ich merke gar nicht, dass ich bereits bei Seite 100 angelangt bin.

Zuletzt hatte ich hier das Buch "Wolfsspinne", einen aktuellen Roman über die Hintergründe des NSU-Komplexes, vorgestellt. Es war eines der ganz wenigen Bücher, die ich von einem auf den anderen Tag durchgelesen habe, weil es mich fesselte.

Nun habe ich mit dem "Präsidenten", einem erst vor wenigen Tagen in deutscher Sprache erschienenen Roman von Sam Bourne alias Jonathan Freedland, offenbar einen neuen Rekord aufgestellt, denn ich verzichtete zugunsten der Lektüre sogar auf meine Joggingrunde – und das will etwas heißen: 479 Seiten in unter 24 Stunden. Auf dem Cover sieht man die Silhouette von Donald Trump. Obwohl er und andere historische bzw. hochaktuelle Protagonisten wie Hillary Clinton nicht namentlich erwähnt werden, weiß der Leser, um wen es sich jeweils handelt. Es fehlt vermutlich deshalb der Hinweis, dass "Übereinstimmungen mit lebenden Personen oder Ereignissen rein zufällig" seien.

Die Geschichte beginnt gleich auf den ersten Seiten mit dem Befehl des US-Präsidenten an das Pentagon, alle boden-, see- und luftgestützten Atomwaffen in Richtung China und Nordkorea in Marsch zu setzen. Nach einem Wortgefecht mit den Staatsführern fühlte sich der Präsident beleidigt. Sein Finger liegt bereits auf dem "roten Knopf", denn er wartet im Oval Office auf die Bestätigung der Startcodes. Den Mitwissern im Weißen Haus ist eines klar: Jemand muss sofort etwas unternehmen, ansonsten steht die Welt kurz vor dem 3. Weltkrieg. Ein Attentat scheint der einzige Ausweg.

Um nicht zu spoilern, verkneife ich mir, mehr zum Inhalt zu schreiben. Der Preis des Taschenbuches dürfte mit 10 Euro auch erschwinglich sein.


Dienstag, 1. August 2017

Realitätsflucht (37): Enderal


Nach längerer Abstinenz möchte ich heute mal wieder von einer Realitätsflucht berichten, die es wahrlich in sich hat. Diesmal handelt es sich um das Spiel "Enderal", einer – analog zum Vorgänger "Nehrim" – sogenannten "Total conversion" des Spieles "The Elder Scrolls V: Skyrim". Geschaffen wurde auch dieses Meisterwerk von dem Non-Profit-"Studio" SureAI. Das Spiel ist kostenlos für jedermann und seit 2016 verfügbar – Voraussetzungen sind lediglich eine installierte Version von "Skyrim" sowie, damit unweigerlich verbunden, ein Steam-Account.

Details zum Download und zur einfachen Installation finden sich auf enderal.com. – Der folgende Text sowie die Bilder beinhalten Spoiler, vor denen ich jeden, der dieses Spiel noch genießen möchte, ausdrücklich warne.



"Enderal" hat mich umgehauen. Gerade eben lief erst der Abspann und ich stehe noch voll und ganz unter dem Eindruck, den dieses beeindruckende Kunstwerk hinterlassen hat. Die Damen und Herren von SureAI, die auch diesmal in jahrelanger, nebenberuflicher Detailarbeit entgeltfrei und aus reinem Enthusiasmus an diesem Mammutprojekt gearbeitet haben, entführen den Spieler hier auf den abermals völlig neu entworfenen Kontinent Enderal. Dort erinnert so gut wie nichts an "Skyrim", denn die komplette Spielwelt, die fast ebenso groß ist wie die des Originals, wurde völlig neu gestaltet.


(Startszene des Spieles: Das "goldene Zwielicht, wo alles begann")

Im Gegensatz zu den Originalspielen aus dem Hause Bethesda besticht "Enderal" vor allem durch eine tiefsinnige, ausgeklügelte und immer wieder äußerst überraschende Geschichte, zu der ich hier aber nichts verraten möchte. Spieltechnisch ist "Enderal" allerdings mit "Skyrim" vergleichbar, auch wenn die Entwickler hier manches geändert haben: Ein beliebiger Teleport zu einer bereits entdeckten Stätte ist hier beispielsweise nicht möglich; ebenso verbessert man seine Fähigkeiten nicht mehr dadurch, dass man sie schlicht anwendet – stattdessen muss man für teils extrem viel Gold entsprechende Lehrbücher kaufen und (nur begrenzt zur Verfügung stehende) "Lernpunkte" investieren, um zum Beispiel den Fernkampf oder diverse Nahkampf- oder Verteidigungstechniken zu verbessern. Auch die "Selbstheilung" bei erlittenem Schaden im Kampf ist hier stark eingeschränkt: Lebensenergie regeneriert sich nicht von selbst, sondern die Regeneration muss veranlasst werden – was außerhalb des Kampfes beispielsweise durch den Verzehr von Nahrungsmitteln oder durch Schlaf geschieht. "Selbstheilungszauber" sowie Heiltränke gibt es zwar ebenfalls – allerdings haben diese einen unangenehmen, negativen Nebeneffekt, auf den ich hier "aus Gründen" nicht näher eingehen möchte, so dass sie nur eingeschränkt nutzbar sind.

Überhaupt ist das Spiel selbst auf der leichtesten Stufe um Längen schwieriger als "Skyrim". Und das macht eine Menge Spaß, auch wenn das Werk zu Beginn etwas sperrig daherkommt und man erst langsam hineinfinden muss. Gerade das macht ja aus meiner Sicht ein wirklich gutes Computerspiel aus: Da gibt es keinen netten Spieleonkel, der den Spieler bei der Hand nimmt und ihm jedes Denken abnimmt. Zwar gibt es (meistens) einen Questmarker auf der Karte – wie man allerdings an den jeweiligen Ort gelangt (was allzu oft gar nicht so leicht herauszufinden ist), muss man schon selber erkunden.

Wie gewohnt gibt es neben der großen Hauptquest unzählige Nebenquests zu erledigen, die größtenteils ebenfalls durch Originalität und Kreativität glänzen: Deppenaufgaben wie "Sammle fünf Vogeleier und bringe sie zu X" sind glücklicherweise die Ausnahme. Einige dieser Nebenquests sind gut versteckt und werden erst gestartet, wenn man mit bestimmten NPCs redet, Bücher liest oder Orte erkundet. Überhaupt die Orte: Die Spielwelt ist vollgestopft mit Höhlen, Lagern, Ruinen und ähnlichen Stätten, von denen nur die wenigsten questrelevant sind. Es lohnt sich sehr, sie alle zu erkunden, denn nicht selten findet man dort wertvolle Gegenstände, magische Waffen oder besondere Rüstungsteile, die im weiteren Spielverlauf höchst nützlich sind. – Ich habe beim ersten Durchlauf allenfalls geschätzte 60 Prozent gefunden und erforscht, obwohl ich nun wirklich in jeden Winkel schaue und immer erst nach rechts abbiege, wenn mein eigentliches Ziel links zu suchen ist. Das illustriert auch die Randnotiz, dass ich von den im Spiel versteckten 100 "magischen Symbolen" gerade mal lächerliche 32 gefunden habe.

Auch die einzige größere (von lebendigen Menschen bevölkerte) Stadt im Spiel – Ark – hat es in sich: Hier verbringt man freiwillig mehr Zeit zur Erkundung als in allen eher langweiligen Städten Skyrims zusammen.


(Ark, die Hauptstadt von Enderal)

Wie schon im Original kann man auch "Enderal" auf höchst unterschiedliche Weise spielen. In meinem ersten, gerade zuende gegangenen Durchlauf habe ich beispielsweise eine strahlende Heldin gespielt, die mittels Schleichen, Bogen und – für den Notfall – dicker Zweihandaxt jedes kriminelle Vergehen sowie jedweden magischen Schnickschnack abgelehnt und stets zum Wohle der Allgemeinheit heroische Taten vollbracht hat. Das geht selbstredend auch anders: Es ist ein völlig anderes Spielerlebnis, einen Nahkämpfer, einen Magier, einen fiesen Dieb oder beliebige Mischformen davon zu wählen und entsprechend auszubauen.

Auch der oft morbide Humor kommt hier – trotz der dramatischen Geschichte – nicht zu kurz. Bei der Erkundung eines zerstörten, menschenleeren Dorfes bietet sich auch schonmal ein solcher Anblick:


(Ein Kind auf einem Schaukelpferd)

Grafisch gibt es zu "Enderal" nichts zu sagen – es handelt sich um das bekannte "Skyrim"-Niveau. Das umfangreiche Spiel, für das ich beim ersten Mal etwa 300 Stunden gebraucht genossen habe, ist auch ansonsten professionell produziert: Die Vertonung der sehr vielen Dialoge haben größtenteils professionelle SprecherInnen übernommen, und die Musik steht dem Soundtrack anderer Spiele in nichts nach (die Musik kann hier kostenlos heruntergeladen werden). Hier sind besonders die vielen Lieder (ich glaube, ich habe 15 gezählt), die man zum Beispiel in Tavernen hören kann, wenn man den dortigen BardInnen lauscht, hervorzuheben. Ein Beispiel:


(Das Lied vom letzten Sonnenuntergang)



Das Spiel lief auf meinem Win7/64-System bis auf wenige Abstürze problemlos – es ist in solchen Spielen ohnedies immer sehr sinnvoll, oft zu speichern. Gelegentlich tauchten Bugs wie verschwundene Begleiter oder eine durch die Oberfläche ins "Nichts" gefallene Spielfigur auf, die aber durch einen Neustart des Spieles stets schnell zu beheben waren. Bis heute werden kontinuierlich Patches veröffentlicht, die man im Launcher auch sofort angezeigt bekommt, sobald sie verfügbar sind.

Ganz besonders hervorheben möchte ich noch das "epische" Finale, das ich in einer vergleichbaren Form noch in keinem anderen Spiel oder auch Film erlebt habe. Ich würde hier sehr gerne ein Video verlinken, um das zu veranschaulichen – rate aber jedem, der das Spiel vielleicht einmal selber ausprobieren möchte, davon ab, es bei youtube zu suchen. Dieses Finale ist bombastisch. Davon können sich die hochbezahlten Profis der kommerziellen Entwicklungsstudios nicht nur eine Scheibe, sondern gleich einen ganzen Batzen oder auch zwei abschneiden. So kam denn auch der Rezensent von gamestar.de zu dem entwaffnenden Schluss, den ich nur doppelt unterstreichen kann:

Auch im Anschluss erzählt Enderal eine Geschichte auf Weltklasse-Niveau, die nicht nur mit einem Skyrim den Boden aufwischt, sondern auch durchgehend von professionellen Sprechern vertont wurde.

Wer dieses grandiose, tatsächlich unvergleichliche Spiel, das an die besten, längst vergangenen Zeiten der Gothic-Reihe erinnert, trotz alledem nicht ausprobiert, ist selber schuld. Ich ziehe meinen Hut bis in die Kniekehle vor all den Menschen, die an diesem Projekt mitgewirkt haben, ohne einen einzigen lausigen Cent dafür zu bekommen.


(Schlussbild eines der verschiedenen Enden von "Enderal")

"So schreitet wohl, Meydame!"

Montag, 31. Juli 2017

Schlips-Borg-Nachrichten aus dem Paralleluniversum des sabbernden Irrsinns (4): FDP


Von der FDP ist man ja so einiges gewohnt: Vom schmierigen Teppich-Schmuggler Niebel, über den staatlich Zwangsverarmte der spätrömischen Dekadenz bezichtigenden Westerwelle, den ewig pubertären Aktenkofferträger Lindner bis hin zur offen Sitzungsgelder abzockenden EU-Schwänzerin Koch-Mehrin war schon alles und noch viel mehr dabei. Diese Parteisimulation, die tatsächlich bloß ein offen korrupter Lobbyverein ist, kann aber auch heute noch ungläubiges Kopfschütteln hervorrufen, wie gerade beim WDR nachzulesen war:

Personalengpässe an Schulen in NRW sollen nach den Vorstellungen von Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) vorübergehend mit Fachkräften aus der Wirtschaft überbrückt werden.

Ja, wenn das mal nicht eine richtig gute, sehr rückwärtsgewandte Idee ist: Wer sollte den SchülerInnen auch besser die kapitalistische Indoktrination verpassen als pädagogisch völlig unbedarfte "Fachkräfte" [sic!] aus den Reihen der Habgierigen? Schließlich sollen aus "unseren" lieben Kindern ja keine guten oder gar kritischen, eigenständig denkfähigen Menschen, sondern verdummte SklavInnen werden, die lediglich dem Konsum-, Arbeits- und Eigenverantwortungswahn frönen und ansonsten nichts zu sagen haben, das über Schminke, Mode, Trash und Trends hinausgeht.

Da passt wieder einmal der kapitalistische Arsch auf den verkeimten Kackeimer, dass es eine wahre Wucht ist; und folgerichtig findet auch der Sprecher der Industrie- und Handelskammer (IHK) Ostwestfalen:

"Das ist eine sehr gute Idee" (...). "Wir fordern als IHK schon lange, dass man das Thema Wirtschaft stärker in den Unterricht miteinbezieht." Fachkräfte aus der Wirtschaft als Lehrer einzusetzen, sei eine Möglichkeit. Die Kosten für den Einsatz müsse allerdings die öffentliche Hand tragen.

Selbstverständlich muss der Steuerzahler die Kosten tragen – wo kämen wir denn auch hin, wenn stumpfe kapitalistische Propaganda zugunsten der "Wirtschaft" auch von ebenjener bezahlt werden müsste! So etwas Widersinniges, geradezu Blasphemisches gibt es im strahlenden Kapitalistan von Kim jong Merkel & Co. nicht.

Wieso ist hier eigentlich nirgends die Rede von den vielen arbeitslosen oder nur prekär und in ständiger, meist durch Ferien unterbrochenen Teilzeit beschäftigten Pädagogen? Gibt es die im wirren FDP-Universum gar nicht oder sind die alle derartig "linksgrünversifft", so dass man sie nicht beschäftigen oder ordentlich bezahlen und entsprechend sozial absichern will? Das ist freilich eine böse Unterstellung meinerseits – wahrscheinlich weiß die arme Frau Gebauer, die ja nichts anderes kennt als die knochenklappernde FDP-Hölle, einfach nichts von deren Existenz. Da muss man also rücksichtsvoll sein.

Dazu passt wunderbar, dass dieselbe Dame auch erwägt, "Schulrankings" in NRW einzuführen. Schließlich brauchen wir nichts dringender als ein deutliches Unterscheidungskriterium, damit "Elite-Schulen" für Reiche von heruntergekommenen, abrissreifen Abstell-Buden für den dummen Rest der Blagen von überflüssigen Habenichtsen endlich klar voneinander abgegrenzt werden können. "Schulrankings"! Mir fällt bei dieser Vorstellung mehr halbverdautes Essen aus dem Gesicht, als ich gestern zu mir genommen habe. Und das ist eine höchst diplomatische Wortwahl.

Wahrlich, die FDP hat in den Jahren der ungewollten und einen leichten Aufatmungsreiz verursachenden Parlamentsabstinenz nichts von ihrem heißen, erotisch stimulierenden, sado-masochistischen Charme verloren.

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Die abgebauten Junglehrer


"Sie müssen Ihre Existenz dem Staatswohl opfern, meine Herren! Analphabeten lassen sich leichter regieren, und die Notverordnungen werden sowieso durch den Rundfunk bekannt gemacht."

(Zeichnung von Wilhelm Schulz [1865-1952], in "Simplicissimus", Heft 29 vom 19.10.1931)

Samstag, 29. Juli 2017

Bayern und die faschistische Reinigung


Politisch interessierte Menschen haben das gewiss mitbekommen: Ab August können in Bayern sogenannte Gefährder unbegrenzt interniert werden; lediglich alle drei Monate muss mal ein Richter gefragt werden, ob hier auch wirklich alles mit "rechten Dingen" zugeht. Rechtsstaatlicher geht es kaum - schließlich ist ein "Gefährder" stets der, dem genau dies von irgendwelchen ominösen Staatsschergen unterstellt wird: Treffen kann es also jeden Menschen, der sich gerade in diesem zerfallenden, kapitalistisch verseuchten Land aufhält.

Ich beispielsweise bin prädestiniert zum Gefährder, denn ich spreche mich seit langer Zeit dafür aus, den Geld-"Eliten" ihre Superreichtümer und schamlosen Privilegien endlich wegzunehmen – in Bayern gehöre ich damit zu den potenziellen Terroristen, die man nun endlich auch ohne ein Gerichtsurteil unbegrenzt wegsperren kann. Woran erinnert mich diese menschenfeindliche Farce, die aufgeklärte Menschen allenfalls in bösen Unrechtsstaaten vermuten, bloß?

Aber die CSU klärt uns auf:

Um Terrorismus scheint es Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) tatsächlich nicht zu gehen. "Die Bürgerrechte werden von Extremisten und Chaoten bedroht, nicht vom Staat", behauptete Herrmann während der Debatte im Landtag. Das Wort "Terror" kommt auch in der Pressemitteilung des bayerischen Innenministeriums zur Ausweitung der Befugnisse der Landespolizei "zur Abwehr von Sicherheitsgefahren" nicht ein einziges Mal vor. Dort wird allerdings betont, was Herrmann besonders wichtig sei. Nämlich, "die Bürger noch besser vor hochgefährlichen Menschen zu schützen, seien es beispielsweise Islamisten, Linksextreme oder Rechtsextreme." Die Notwendigkeit habe der G-20-Gipfel in Hamburg gezeigt.

Yeah. Die korrupten Schlips-Borg bemühen tatsächlich das lächerliche Szenario "Hamburg" der ungestümen Polizeigewalt, um ihren widerlichen Anschlag auf die gern zitierte Chimäre der "freiheitlichen Demokratie" zu legitimieren, während doch jeder klar sehen kann, dass die tatsächlich "hochgefährlichen Menschen" Schlipse, aber keine Gehirne tragen und von willigen, devoten, ebenso uniformierten und gehirnlosen Vasallen in politischen Ämtern arschleckend unterstützt werden.

Es ist ja schon ein nicht mehr steigerbarer Witz, wenn ausgerechnet die rechtsextreme CSU sich anklagend über Rechtsextremismus auslässt – aber dass gerade diese Partei – unter tatkräftiger Mithilfe der SPD und der Braunen Grünen – nun dieses Polizei-Ermächtigungsgesetz auf den Weg gebracht hat, kann nur einen strikten Satireverweigerer noch erstaunen. Da erklingt sogar ein böses, faschistisches, heiseres Lachen aus den verwesenden Tiefen der Gruft des Chaoten Franz Josef Strauß.

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Ob Nazi oder nicht, auch der letzte Wähler wird von der CSU herausgefischt

(Zeichnung von Max Radler [1904-1971], in: "Der Simpl", Nr. 8 vom April 1948)

Freitag, 28. Juli 2017

Song des Tages: Lost in the Supermarket




(The Clash: "Lost in the Supermarket", aus dem Album "London Calling", 1979)

I'm all lost in the supermarket
I can no longer shop happily
I came in here for that special offer
A guaranteed personality

I wasn't born so much as I fell out
Nobody seemed to notice me
We had a hedge back home in the suburbs
Over which I never could see

I heard the people who lived on the ceiling
Scream and fight most scarily
Hearing that noise was my first ever feeling
That's how it's been all around me

I'm all lost in the supermarket
I can no longer shop happily
I came in here for that special offer
A guaranteed personality

I'm all tuned in, I see all the programmes
I save coupons from packets of tea
I've got my giant hit discoteque album
I empty a bottle and I feel a bit free

The kids in the halls and the pipes in the walls
Make me noises for company
Long distance callers make long distance calls
And the silence makes me lonely

I'm all lost in the supermarket
I can no longer shop happily
I came in here for that special offer
A guaranteed personality

And it's not here
It disappeared
I'm all lost


Donnerstag, 27. Juli 2017

Der redundante Einwurf (7): Die kernlosen Trauben


Der Kapitalismus bringt ja so manche bizarre Entwicklung auf den Weg. Eigentlich sind die allermeisten nichts weiter als eine Pervertierung der eigentlich sinnvollen und notwendigen Ziele, die unter anderem mit Begriffen wie Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung, Gemeinwohlorientierung oder auch Sinnhaftigkeit nur sehr verkürzt beschrieben sind. Beispielsweise ist jedes uralte Auto, das auch nach 20 Jahren noch gefahren wird, weitaus energieeffizienter, ressourcenschonender und ökologisch sinnvoller als jedes neu produzierte, ach so "saubere" Vehikel (einschließlich jedes E-Autos) – aber dazu schreibe ich später vielleicht noch mehr, falls ich dazu komme. Das gilt für fast alle Produkte unserer heutigen grotesken Welt, die wie von Sinnen unablässig neu produziert und verkauft werden, während "Altgeräte" millionen-, gar milliardenfach in den Müll geschmissen werden, anstatt sie zu reparieren und weiterzuverwenden.

Aktuell ist mir im Supermarkt jedenfalls wieder einmal aufgefallen, dass dort – für einen um fast 50 Prozent höheren Preis – kernlose Trauben angeboten werden, die offenbar im Gegensatz zu kernhaltigen Trauben weitaus besser zu genießen und somit ein "Luxusprodukt" sind, denn sonst gäbe es diese gezielt gezüchtete Frucht ja gar nicht. Es mag nun einjede/r selbst entscheiden, wie sinnvoll es ist, nicht reproduktionsfähige Früchte zu "designen" – mir jedenfalls kommt dabei regelmäßig die kalte Kotze hoch und ich frage mich, ob ich denn der einzige bin, dem diese Perversion auffällt. Der Mist wird trotzdem besinnungslos gekauft – so als sei es wirklich eine nicht hinnehmbare Geißelung durch die Natur, die kleinen Traubenkerne beim Verzehr entweder mit herunterzuschlucken oder während des Essens durch bedachte Kauvorgänge einfach auszuspucken.

Es wäre wohl eine richtig gute Idee für irgendeinen menschenfeindlichen, profitgierigen Konzern wie beispielsweise Monsanto, sich die Kreierung des endlich nicht mehr reproduktionsfähigen Menschen patentieren zu lassen: Damit ließe sich zunächst sehr viel Geld verdienen und gleichzeitig die Überbevölkerung dieses Planeten in den Griff bekommen – und das in einer Weise, die den "Eliten" sehr gelegen käme, da sich nur noch finanzkräftige Menschen fortpflanzen könnten. Damit wäre die kapitalistische Hölle auf Erden in ihrem Endstadium angelangt: Die noch notwendige Arbeit wird zukünftig von Robotern erledigt und die "Elite" hockt in ihren Villen und Palästen und genießt das schöne, arbeitslose, sehr lange und immer länger werdende Leben, ohne auf weiteren Profit angewiesen zu sein, da sie längst den kompletten Planeten besitzt. Den Pöbel – also die 99 Prozent der restlichen Menschen – braucht man dann allenfalls noch als Organspender, solange das noch nicht im Labor möglich ist. Danach wird selbstredend auch dieser Rest entsorgt.

Die kernlosen Trauben sowie das Monsanto-Getreide, das kein Saatgut mehr hervorbringt, sind ein weiterer Schritt auf einem schaurigen Weg, der noch vor 30 Jahren ein Thema der Science-Fiction-Literatur gewesen ist. Ich erinnere in diesem Zusammenhang dringlich an den Roman "Der genetische Krieg" von Christof Schade aus dem Jahr 1985. Dort wurde das heute aktuelle Szenario schon ausführlich beschrieben.

Das kapitalistische Todeskarussell wird sich trotzdem unbeirrt weiterdrehen und an Fahrt aufnehmen. Das ist so sicher wie der Duktus des Merkelmonsters und die Besinnungslosigkeit der Bevölkerung.

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UPDATE 29.07.17: "Warum aber gibt es Trauben, die keine Kerne, also keine Samen enthalten? Eigentlich dürften die sich ja gar nicht vermehren lassen. / (...) In freier Wildbahn wäre diese Mutante mangels Nachwuchs schnell untergegangen. Aber der Mensch hat ihre Reiser auf andere Weinstöcke gepfropft und bis heute weiterkultiviert." (Deutschlandfunk) – Ich lerne nie aus und halte dennoch vieles für pervers und verwerflich, was heute von vielen nicht mehr in Frage gestellt wird. ;-)

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The Seedless Watermelon


(warandpeas.com)

Mittwoch, 26. Juli 2017

Zitat des Tages: Die Entwicklung der Menschheit


Einst haben die Kerls auf den Bäumen gehockt,
behaart und mit böser Visage.
Dann hat man sie aus dem Urwald gelockt
und die Welt asphaltiert und aufgestockt,
bis zur dreißigsten Etage.

Da saßen sie nun, den Flöhen entflohn,
in zentralgeheizten Räumen.
Da sitzen sie nun am Telefon.
Und es herrscht noch genau derselbe Ton
wie seinerzeit auf den Bäumen.

Sie hören weit. Sie sehen fern.
Sie sind mit dem Weltall in Fühlung.
Sie putzen die Zähne. Sie atmen modern.
Die Erde ist ein gebildeter Stern
mit sehr viel Wasserspülung.

Sie schießen die Briefschaften durch ein Rohr.
Sie jagen und züchten Mikroben.
Sie versehn die Natur mit allem Komfort.
Sie fliegen steil in den Himmel empor
und bleiben zwei Wochen oben.

Was ihre Verdauung übriglässt,
das verarbeiten sie zu Watte.
Sie spalten Atome. Sie heilen Inzest.
Und sie stellen durch Stiluntersuchungen fest,
dass Cäsar Plattfüße hatte.

So haben sie mit dem Kopf und dem Mund
den Fortschritt der Menschheit geschaffen.
Doch davon mal abgesehen und
bei Lichte betrachtet sind sie im Grund
noch immer die alten Affen.



(Erich Kästner [1899-1974]: "Die Entwicklung der Menschheit", in: "Gesang zwischen den Stühlen. Gedichte", mit Zeichnungen von Erich Ohser alias e.o. plauen, Deutsche Verlags-Anstalt 1932)




Dienstag, 25. Juli 2017

Die Linkspartei und die "Realpolitik", Folge 248


Diesmal: LINKE Klimawandelignoranten in seriöser Regierungsverantwortung

Ein Gastbeitrag des Altautonomen

Im Wahlprogramm der Linkspartei für die Bundestagswahl 2017 heißt es unter anderem:

  • Raus aus der Kohle, Übergänge gerecht gestalten: Wir wollen einen zügigen und sozial abgefederten Ausstieg aus der Kohlestromversorgung.
  • DIE LINKE fordert ein nationales Kohleausstiegsgesetz mit folgenden Eckpunkten: Der schrittweise Kohleausstieg beginnt 2018. Spätestens 2035 muss der letzte Kohlemeiler vom Netz gehen.
  • Um Menschen und Klima zu schützen, brauchen wir endlich auch Tempolimits: 120 km/h auf Autobahnen und eine Regelgeschwindigkeit von 30 km/h in Ortschaften.
  • Der CO2-Grenzwert für Neuwagen in Europa soll ab 2025 deutlich unter 60 Gramm betragen.

Mit diesen Aussagen stellen die WahlkämpferInnen der Linkspartei sogar die Grünen in den Schatten, in deren Programm derartige Werte gar nicht erwähnt werden. Aber, wie wir wissen, sind Wahlprogramme und Realpolitik oft einander diametral entgegenstehende Werte.

Um der oft erhobenen Behauptung, Länderregierungen könnten keine Bundespolitik beeinflussen, den Wind aus den Segeln zu nehmen, zitiere ich hier aus dem vorangegangenen Wahlprogramm der Brandenburgischen Linkspartei aus dem Jahr 2014 für die derzeitige Legislaturperiode mit dem Ministerpräsidenten Ramelow:

Unsere Energiepolitik verbindet Klima- und Umweltschutz, Versorgungssicherheit, Preisstabilität und Akzeptanz und Beteiligung für Energieerzeugung und -infrastruktur im Land. (...) / Unser Ziel ist es, dass spätestens ab 2040 keine Braunkohle mehr verstromt wird. Den Neubau von Braunkohlenkraftwerken lehnen wir ab. Wir setzen uns deshalb dafür ein, im Rahmen der Evaluierung der Energiestrategie im Jahre 2015 das begonnene Braunkohlenplanverfahren für den Tagebau Jänschwalde-Nord einzustellen. Den Neuaufschluss weiterer Tagebaue lehnen wir ab.

Wie sieht die Umsetzung dieser klimapolitischen Ziele in Brandenburg aus?

Nun, dazu reicht ein Blick ins "Neue Deutschland". Dort berichtete Andreas Fritsche am 17.07.17 von einem weiteren Beispiel des realpolitischen Verrats linker Regierungskoalitionen. Sie sind nämlich einen Dreck an menschenfreundlicher Klimapolitik interessiert, dafür aber sehr am Wohlergehen der Energiekonzerne. Ich fasse das mal zusammen:

Brandenburg, das Vorzeigeland für Stromerzeugung durch Braunkohle?

Bislang war geplant, den energiebedingten Ausstoß von Kohlendioxyd um 72% im Vergleich zu 1990 zu senken. Das hört sich erst mal gut an. In der rot-rot-grünen Regierung stimmt man sich aber momentan darüber ab, den Ausstoß nur um 55% zu senken. Außerdem soll das Braunkohlekraftwerk Jänischwalde länger laufen als vorgesehen. So hatte es der Betreiber, die Lausitzer Energie-Kraftwerke AG (LEK), Herrn Ramelow mitgeteilt. Und der weiß ja schon aus seinen Gewerkschaftertagen, was er zu tun hat, wenn das Kapital Forderungen stellt.

Als Randnotiz sei zu erwähnen, dass die LEK plante, ein neues Braunkohlekraftwerk mit spezieller Speicherkapazität für CO2 zu bauen. Sie haben diesen Plan aber wieder fallen lassen. In den kommenden Monaten wird die Strukturkommission der Bundesregierung den Ausstieg aus der Energiegewinnung aus dem Braunkohletagebau beraten.

Hier stellt sich die Ramelow-Regierung eindeutig gegen die Politik des Bundes und die Interessen der Menschen und der Natur, deren Anwalt sie ja angeblich sei.

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UPDATE 25.07.17: Leider ist sowohl dem Gastautor, als auch dem sich die Haare raufenden Kapitän hier ein peinlicher, böser Fehler unterlaufen: Ramelow hat mit Brandenburg natürlich nichts zu tun, sondern setzt sein pseudolinkes Zerstörungswerk stattdessen in Thüringen (oder war's doch das Saarland?) fort. In solchen Momenten zweifle ich an mir selber und könnte mir einen blinkenden Eselshut an die Stirn nageln. – Dennoch ändert sich der Grundtenor des Textes und meines nachfolgenden Kommentars dazu nicht, denn die Linkspartei ist nur ein weiterer Akteur im verfilzten Spiel der korrupten Demokratiesimulation.

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Anmerkung von Charlie: Der Titel dieses Beitrages stammt von mir. Ich könnte mich jedesmal wieder schreiend aus dem Fenster stürzen, wenn jemand den Nonsens-Begriff "Realpolitik" benutzt. Damit meine ich nicht den Altautonomen, der das Wort ja eher in satirischer bzw. anklagender Form verwendet, sondern all die Apologeten (auch mein besonderer Freund Lapuente ist natürlich darunter), die damit den üblichen politischen Verrat und die um sich greifende Korruption kaschieren wollen – so als gebe es im Gegenzug auch so etwas wie eine "Fiktivpolitik" oder eine "irreale Politik". Kapitalistische Menschenfeinde beschimpfen diese – ebenso irrsinnig – auch sehr gerne als "Sozialromantik".

Ich traue den Figuren aus der Linkspartei nicht einen Meter weit über den Weg. In einem verfaulten, verkommenen System kann es schon aus rein logischen Gründen keine Veränderung "von innen" geben; die inzwischen ganze Seiten füllenden Beispiele von korrumpierten, "umfallenden" und rückwärtsgewandten Aktionen aus der SPD, den Grünen und selbstredend auch der Linkspartei sollten eigentlich auch den letzten Gläubigen längst bekehrt haben. Eigentlich.

Und dennoch schwadronieren Politik, Presse und allzuviele BürgerInnen immer noch wie von Sinnen über die "freiheitliche Demokratie", als stünden sie allesamt unter bewusstseinsvernebelnden, verdummenden Drogen. An diesem epidemischen Veitstanz beteilige ich mich nicht mehr.

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Der Reichstag und seine Auflösung


"Eigentlich sollte man die Urne nicht zum Wählen benützen, sondern gleich zur Beisetzung."

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 27 vom 02.10.1932)