Samstag, 4. März 2017

Der redundante Einwurf (1): Gartenarbeit, oder: Das Trio der Kettensägen


Wann ist eigentlich die schauderhafte Zeit angebrochen, in der aus der einstmals friedlichen, besinnlichen, geradezu heilsamen Gartenarbeit ein lärmendes, unerträgliches Baustellen-Fiasko geworden ist? Seit nunmehr vier Stunden behelligen mich meine lieben Nachbarn mit multiplen Motorengeräuschen, die so laut sind, dass die jeweiligen Maschinenführer (es sind derer drei an der Zahl) den Lärm ohne Gehörschutz nicht zu ertragen vermögen – an die Nachbarn hat man dieses hilfreiche Schutzmittel jedoch nicht verteilt.

Ich weiß, dass ich mich hiermit in die altbekannte Kategorie "Und Oppa erzählt vom Kriech" begebe und mich gleichzeitig als dummer Spießer oute – aber trotzdem lief die Gartenarbeit zu meiner Zeit, als ich dazu von liebenden Eltern noch streng und unerbittlich gezwungen wurde und sie (die Gartenarbeit ebenso wie die Eltern) dafür hasste, weitestgehend geräuschlos ab und belästigte außer mir selber, der ich lieber Klavier spielen, lesen, schlafen oder Sex haben wollte, niemanden sonst. Heute ist selbst bei geschlossenen Türen und Fenstern (trotz Doppelverglasung) nicht einmal ein Telefonat im gartenabgewandten Teil der Wohnung möglich, weil man aufgrund des penetranten Lärms sein eigenes Wort nicht versteht.

So hat der Dichter und bekennende Gartenliebhaber Hermann Hesse diese Zeit beschrieben:

"Morgens so gegen die sieben" verlässt ein alter Mann seine Stube und tritt, wie er es schildert, "erst auf die lichte Terrasse". Er nimmt sich den "runden Korb für das Unkraut ..., Hacke und Spaten" und der "Gießkannen zwei, gefüllt mit sonnegewärmtem Wasser". Er ist zufrieden, denn: "schön in geraden Reihen ... stehn meine Tomaten, saftig und strotzend im Laub". Das Geheimnis: "Jegliche Wurzel umgab ich mit feuchtem, lockerem Torfmull, dem ich ein Gran Kunstdünger beimischte." Auch das Pfirsichbäumchen gedeiht prächtig: "Ich pflanzte es selber." / Der alte Mann wendet sich nun einer Weißdornhecke zu, hockt sich nieder, sitzt "kauernd wie ein Chinese, den Strohhut tief über den Augen". Er frohlockt: "Unter mir gehen die Leute." Sie "wähnen allein sich und ohne Zeugen, denn niemand vermöchte mich zu erspähn ... Vieles (von dem, was sie sagen) vernehm ich genau." Dann kommt "durch die Dschungel des Gartens ... unser Kater, mein Freund, mein Brüderchen" heran. Zärtlich miaut er", und der phantasievolle alte Mann muss an Löwen und Tiger denken.

Nichts könnte den Niedergang unserer Zeit besser illustrieren als diese offenkundige Diskrepanz zwischen dem "Gartenidyll" eines Hermann Hesse und der grausigen Baustellenrealität der Gegenwart. Es macht längst keinen Unterschied mehr, ob der Nachbar Betonfundamente aus seinem Garten mit dem Presslufthammer entfernt oder ob er die Rosen oder die Hecke schneidet oder schlicht den Rasen mäht. Das Ergebnis ist stets dasselbe: Es bringt einen Pazifisten wie mich dazu, mir in allen Details blumig auszumalen, wie ich ein Maschinengewehr auf dem Balkon aufbaue und die Lärmenden nacheinander (oder auch gleichzeitig, wenn sie günstig stehen) mit Blei vollpumpe.

Inzwischen sind fünf Stunden voller Lärm vergangenen und ein Ende des Kettensägentrios (oder welche Lärmwerkzeuge da auch immer benutzt werden) ist nicht abzusehen. Dies ist einer dieser Tage, an denen ich mir sehnlich eine Zeitmaschine herbeiwünsche, um dieses grauenhafte Jahrhundert – gesichtspalmierend und irre grüßend – für immer zu verlassen. So finster die Vergangenheit auch sein mag: Sie erscheint wie ein Paradies angesichts der drohenden, pechschwarzen Zukunft.



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Kommentare:

Martin Däniken hat gesagt…

Wir leben in einem Zeit,alter wo Lärm und Produktivität eine Einheit bilden!
Schau dir mal die Hornbachwerbespots an...
oder die Vox-Doku-Serie"die Beetbrüder"

altautonomer hat gesagt…

Laubbesen wurden inzwischen auch durch Laubbläser und Laubsauger ersetzt. Die machen Geräusche wie ein startender Jumbojet.

2009 wurde meine Nachbarwohnung sanieret. Dieses schloss nach Auskunft meines Nachbarn eine Sanierung des Bades, des Fußbodens in Flur, Schlaf- und Arbeitszimmer (Parkett nebst Fussleisten) , Erneuerung der Zimmertüren, Reiningung des Parketts im Wohnzimmer mittels Schleifmaschine, Umstellung des Wasseranschlusses in der Küche auf ein modernes Eckventil sowie Umstellung des Stromanschlusses auf zeitgemässen 380V Starkstrom etc. ein. Die Arbeiten dauerten 3 Monate mit Unterbrechungen. Lärm noch und noch.

Dann wurde die Wohnung 2016 verkauft und ein junger Typ Anfang 30 fing am 03.07.2016 mit der Sanierung nach seine Vortellungen an. Als Leiter einer Baumarktkette machte er alles selber. Eine Elektrofreak, der Bewegungsmelder und eine Küche anpeilte, die er schon auf der Heimfahrt von der Arbeit per Smartphone aktivieren kann. In der Küche wurden allein 30 Steckdosenlöcher gebohrt, bei denen sich herausstellte, dass dere Durchmesser zu klein war und alles nachgebohrt werden musste. Aus einem Loch in der Wand ragte ein Kabelbaum mit geschätzten 150 Leitungen.

Ich hatte das Gefühl, das den ganzen Tag nur mit schwerem Gerät in der Wohnung gearbeitet wurde.

Mein Recht auf Mietminderung habe ich nicht in Anspruch genommen, weil es den Lärm nicht beseitigte. Heute, nach 8 Monaten, in denen andere ein schlüsselfertiges Einfamilienhaus bauen, ist der Terror vorbei. Jetzt wird "nur noch" gedübelt.

Sämtliche Arbeiten hat dieser Künstler allein bzw. mit seinem Vater ausgeführt. Ob Geiz oder fachliche Selbstüberschätzung das Motiv war, kann ich nicht beurteilen.

Lesen, Fernsehen, Musik hören und am PC arbeiten, war alles nicht möglich. Wenn ich in den letzten Wochen von einem plötzlichen ohrenbetäubendem Lärm aus dem Sessel gejagd wurde, habe ich als Gegenwehr schon mal meine Boxen (E-Gitarren-Soli, Schlagzeugsoli) bis zum Anschlag getestet.

Schluss jetzt, sonst steigt mein Blutdruck wieder.

PS.: Ich befinde mich seit Jahren im "Alters-RUHE-Stand". Komm mir jetzt keiner mit Mangel an Toleranz.

epikur hat gesagt…

Dieser übertriebene Ehrgeiz, die eigene Wohnung zu sanieren (oder nennen wir es den Nestbautrieb) begegnet man überall. Bei mir und bei Bekannten werden Nachbar-Wohnungen von den Mietern wochen- und monatelang saniert mit dem vollen Programm an Lärm und Dreck. Dann wohnen die Mieter teilweise nur 1-2 Jahre dort und dann ziehen wieder neue ein. Die natürlich auch unbedingt alles neu und/oder anders machen müssen. Nur um dann auch wieder nur ein paar Jahre dort zu wohnen. Jeder Nachbar, der länger dort wohnen bleibt, darf also mit regelmäßigen Bau-Lärm-Orgien rechnen.

Arbo hat gesagt…

@ Charlie: Ich glaube, das Problem sitzt tiefer. Die Hektik, der Stress des wirtschaftlichen Wettbewerb-Alltags, denen Mensch ohnmächtig ausgeliefert ist, lassen sich nicht ohne Mindestmaß an "Ausgleich" ertragen. Jedenfalls scheint es mir nicht von ungefähr zu kommen, dass in unserer hochgradig durchökonomisierten Welt das Bedürfnis nach Umwelt, Natur usw. Schritt hält. Dazu wäre noch mehr zu schreiben (Stichwort Tourismus).

Aber bezogen auf Dein Gartenthema: Dort, wo eine "erholsame" Gartenarbeit eigentlich immer auch mit körperlichem Ausgleich verbunden wäre, wird die erleichert durch die von Dir erwähnte Technik. Gut, da kann auch die Demographie und das "Reproduktionsverhalten" mit eine Rolle spielen (Single im Alter usw.). Aber tendenziell ist das schon schräg, dass dort, wo früher mal Hand angelegt wurde, heute die Technik ran muss. Jedenfalls kenn' ich wenig technischen Krimskrams, der wirklich mal eine sinnvolle Erleichterung verspricht. Übrigens lässt sich das auch im Bereich Küche beobachten.

Interessant ist auch, dass die Technik "autonom" macht. Da wird nicht mehr der Nachbar um Hilfe gefragt (was im besten Falle auch bestimmte Konflikte vermeiden lässt), alles muss allein machbar sein und gemacht werden.

Aber um dem Thema mal noch ein andere Wendung zu geben: Es gibt ja die Bezeichnung "Schrebergartenmentalität". Und das ist mE auch die andere Seite der Gartenarbeit. Was da für verkappte Blockwarte und Garten-Nazis bisweilen unterwegs sind. Da kannst Du das Gefühl haben, dass die Ohnmacht im Marktwettbewerb gleich mal durch Kleingeist im Gartenverein kompensiert werden muss...

frei-blog hat gesagt…

Gottseidank bin ich nicht der einzige, dem zunehmender Lärm auf den Sack geht. Ab Frühjahr darf sich angestauter Frust wieder austoben und herumwüten, bishin zum ersehnten Hightech-Orgasmus. Manche Abgestumpfte sind dermaßen verblödet, dass sie sich in seltenen Zeiten erholsamer Erträglichkeit schon über Vogellärm oder kläffende Kinder beklagen, während Landwirte ihre Dieselmonster unermüdlich über die Äcker treiben – und und und.
Sollte ich irgendwann eine Gehörhilfe benötigen, werde ich dankend ablehnen und mich bemühen, nicht ständig herumzuschreien. Wer lässt sich schon freiwillig foltern.

Martin Däniken hat gesagt…

Auch wenn es paradox klingt zu meiner 1.Aussage...
die Garten/Wohnungsarbeit dient der Flucht vor dem Druck des Kapitalismus,
was dann aber teuer bezahlt wird,
Rasenkantenschneider ,Laubbläser,AkkuBohrmaschinen you name it!
Ich denke dasdas A-Team daran schuld!
Diese antikapitalistischen Freunde mit Knarren und Macgyver!
Das hat damals (80er)junge Menshen dazu gebracht im Alter aktiv zuwerden.
Sehr raffiniert durh die Konditionierung mit Antikapitalistischer Selbsthilfe die heutigen Baumarktkunden zukreieren!
Ist halb ernst gemeint ;-)

Troptard hat gesagt…

Ein Gedanke, der sich durch die Kommentare bei mir noch so eingeschlichen hat.

Ich habe mal gelesesen, lang ist es her, dass vor den Arbeiterwohnungen/Werkswohnungen immer ein Vorgarten vorhanden war, damit dort auch Gemüse angebaut werden konnte,um das spärliche Einkommen durch Selbstversorgung zu entlasten.

Ich erinnere mich noch daran, dass einige Mieter das auch genutzt und zur Düngung des Bodens die Pferdeäppel von der Strasse aufgesammelt haben. Die Flächen waren auch relativ grosszügig bemessen.

Meine Grosseltern hatten allerdings ein relativ grosses Grundstück zum Gemüseanbau gepachtet, um damit sich selbst und ihre Familienmitglieder zu versorgen.

So gab es selbst in einer Grossstadt wie Hannover um die Wohnsiedlungen herum sehr viele Gärten, wo wir als Piefkes oft über den Zaun gestiegen sind, um uns an einem Pfirsichbaum mit allerdings kleinen und recht säuerlichen Früchten zu bedienen.

Hier im Süden Frankreichs dienen die relativ grossen Grundstücke auch heute noch weitgehend der Selbstversorgung und auch ich versuche unser Budget durch den Gemüseanbau von Juni bis in den Herbst hinein zu entlasten.

Die Baumärkte sollen angeblich ja eine französische Erfindung sein. Und so haben wir auch wir die Freude, ständig mit irgendwelchen lautstarken Aktivitäten vom Frühjahr bis in den Herbst versorgt zu sein.

Ein Nachbar von uns ist jetzt seit mindestens 10 Jahren auf seinem Terrain beschäftigt (Mauerbau, Schwimmbad mit Umkleidehäuschen usw.). Er hat es mit der Vollendung allerdings nicht so eilig und nimmt sich Zeit und wir haben das Vergnügen, uns jedes Jahr wieder daran zu erfreuen.

Nicht nur an ihm! Um uns herum sind gerade Sonn-und Feiertage sehr beliebt, uns mit Maschinenlärm ausreichend zu versorgen.

altautonomer hat gesagt…

Martin Däniken: "Auch wenn es paradox klingt zu meiner 1.Aussage...
die Garten/Wohnungsarbeit dient der Flucht vor dem Druck des Kapitalismus,"

Arbo: "Die Hektik, der Stress des wirtschaftlichen Wettbewerb-Alltags, denen Mensch ohnmächtig ausgeliefert ist, lassen sich nicht ohne Mindestmaß an "Ausgleich" ertragen"

Zu beiden Aussagen behaupte ich das Gegenteil. Es ist nämlich die Fortsetzung Arbeit/Produktivität in der Freizeit. Das größte Maß an Befriedigung im Umgang mit derartigen Maschinen und Geräten aus dem Baumarkt während der Freizeit erwächst aus dem Gefühl, endlich eigenständig mit derartigen technischen Geräten umgehen zu dürfen. statt wie im Betrieb, von ihnen dominiert zu werden. Baumärkte, Elektronikmärkte und Gartengerätecenter verstehen es, ihren Konsumenten damit zu schmeicheln, sie wären Spezialisten im Wohnungbau, in der Kfz.-Mechanik, im Maschinenbau und in allgemeinen Reparatursystemen.

Wer nun immer noch glaubt, Freizeit hätte nichts mit Fortsetung der Arbeit, sondern mit Erholung und Ausgleich zu tun, sollte nur einmal 20 Minuten lang den verbissenen Verrenkungen und Quälereien der Besucher eines Fitnessstudios zusehen.

Arbo hat gesagt…

@altautonomer: Im Grunde hast Du ja Recht mit der Fortsetzung. Aber offen gestanden greift mir das, was Du schreibst, auch etwas zu kurz, weshalb ich oben schrieb, es wäre eigentlich noch viel mehr dazu zu schreiben.

Denn es gibt es mE verschiedene Tendenzen: Freizeit ganz konkret im Dienste der Selbstoptimierung (als eine Art "Weiterbildung"), Freizeit eher indirekt im Dienste des Arbeitsmarktes (Zugeständnis an sozialer Reproduktionsarbeit, damit die Resource Arbeitskraft nicht geschädigt wird), Freizeit als Kompensation der Marktohnmacht im Arbeitsleben (wie Du es beschreibst) und Freizeit einfach als nötiger Konsumbestandteil des Wirtschaftsystems.

Dass Freizeitaktivitäten im Regelfalle immer irgendwie auf die Dienstbarkeit für "den Markt" hinauslaufen, das möchte ich nicht abstreiten. Ich vermute aber trotzdem, dass häufig das innere Gefühl für den Widersinn "des Systems" vorhanden ist, so dass die "Flucht in die Freizeit" oft auch als "Flucht" begriffen wird. Anders formuliert: ich denke schon, dass viele bewusst mit dem Vorsatz, endlich Ruhe haben und abschalten zu wollen, in den Garten gehen. Aber dann ergibt sich die Gefahr, dort im Konsumzwang das Rad weiter zu drehen und die Kompensation der Marktohnmacht im Konsum oder in der freizeitlichen Selbstoptimierung "für den Markt" zu sehen - oder alles zusammen.

Ein "schönes" anderes Beispiel, das ähnlich gelagert ist, findest Du im Bereich "Outdoor"/Wandern u.Ä. Heute wir das gemacht, um "fit" für den Arbeitsmarkt zu sein oder zumindest wird es als nützlich dafür empfunden. Freude an der Natur, naja nur dann, wenn das marktwirtschaftlich irgendwie Sinn macht. Da muss es dann um Ausarbeitung gehen. Ohne Schweiperle, ohne Schmerz, sondern mit Freude, dann ist das doch nur Müßiggang. Und überhaupt ist "richtiges" Naturerleben nur mit der "richtigen" Ausrüstung möglich = Konsum, Konsum, Konsum.

Insofern gibt's da keinen wirklichen Widerspruch zu Deiner Position, ich würde da nur differenzieren und auch gelten lassen wollen, dass Leute den Vorsatz haben mögen, Erholung und Ausgleich zu suchen und die Realisation derselben dann aber auf einem ganz anderen Blatt steht.

>>Wer nun immer noch glaubt, Freizeit hätte nichts mit Fortsetung der Arbeit, sondern mit Erholung und Ausgleich zu tun, sollte nur einmal 20 Minuten lang den verbissenen Verrenkungen und Quälereien der Besucher eines Fitnessstudios zusehen.<<

Jup, obwohl "Parkanlage" (Joggen) und "Wandern" auch für dieses Erlebnis reicht. ;-)

LG
Arbo

Charlie hat gesagt…

Ich bin, ehrlich gesagt, bass erstaunt, dass gerade dieses Thema, das ich nicht zufällig mit dem Adjektiv "redundant" assoziiert habe, so viel Resonanz gefunden hat. Offenbar bin ich tatsächlich - und das ist eine wohltuende, wenn auch hilflose Erkenntnis - nicht der einzige, dem dieser zunehmende Maschinenlärm gehörig auf die Nerven geht! :-)

Es ist sehr interessant, die verschiedenen Meinungen zu diesem Thema zu lesen, mit denen ich überhaupt nicht gerechnet habe - allerdings bleibt unterm Strich wohl festzuhalten, dass "wir Lärmgeplagten" absolut nichts dagegen unternehmen können, sondern dieser Entwicklung ausweglos ausgesetzt bleiben.

Dabei ist es nur ein Treppenwitz, dass ich vor einigen Jahren unter anderem deshalb in eine "dörfliche Idylle" gezogen bin, um eben diesem Lärm zu entgehen, der mir zuvor in der Großstadt viele Jahre lang die Nerven ruiniert hatte. Aber Pustekuchen - sobald man auch nur einen einzigen Nachbarn hat, baumelt sofort das Damoklesschwert des Lärms wie eine Kettensäge im Leerlauf im Gehörgang - jederzeit dazu bereit, aufzudrehen und kreischend loszulegen.

Danke für die Beiträge! :-)

altautonomer hat gesagt…

Warum dieses Thema doch wichtig ist:

Lärm ist ein Stressfaktor. Er aktiviert das autonome Nervensystem und das hormonelle System. Als Folge kommt es zu Veränderungen bei Blutdruck, Herzfrequenz und anderen Kreislauffaktoren. Der Körper schüttet vermehrt Stresshormone aus, die ihrerseits in Stoffwechselvorgänge des Körpers eingreifen. Die Kreislauf- und Stoffwechselregulierung wird weitgehend unbewusst über das autonome Nervensystem vermittelt. Die autonomen Reaktionen treten deshalb auch im Schlaf und bei Personen auf, die meinen, sich an Lärm gewöhnt zu haben.

Zu den möglichen Langzeitfolgen chronischer Lärmbelastung gehören neben den Gehörschäden auch Änderungen bei biologischen Risikofaktoren (z. B. Blutfette, Blutzucker, Gerinnungsfaktoren). Auch Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie arteriosklerotische Veränderungen („Arterienverkalkung”), Bluthochdruck und bestimmte Herzkrankheiten, einschließlich Herzinfarkt, können durch Lärm verursacht werden.

Martin Däniken hat gesagt…

Was wir hier haben aber evtll nicht wahrhaben wollen eine
WinWinWinWin usw Situation
1.der Arbeiter/Konsument kann sich mit seiner Freizeittätigkeit stärken und der Illusion hingeben,er würde durch Produktionsmittel(Sächsich betonen!) Freiheit erlangen.
2.Der Arbeitgeber hat A.-nehmer ,die aufgrund dieser Wahnvorstellung glücklicher sind
3.Der baumarkt ist eine Art legaler Drogenhändler mit Dünger und Laubbläser
4.Ohrenärzte haben Arbeit durch die durch Hausarbeit entstandenen Tinnitusse
5.Polizei und Gerichte müssen sich um die Leute kümmern,die durch Laubbläser "Aggressiv"wurden
6.Psychodos erstellen Gutachten,vershreiben Medikamente,"therapieren"
7.die Medien berichten über nette Leute,die ob der Schlagbohrmaschine der Nachbarn ausschlagen
Bestimmt habe ich was vergessen,Gott oderso aber Ich finde Kapitalismus jetzt so toll das ich mir einen Laubblaser kaufen werde :-7

Fluchtwagenfahrer hat gesagt…

Moin Männers,
hört doch auf hinter allem den pöhsen Kapitalismus zu sehen.
Das ist Fortschritt, das mit die Geräte.
Früher musste ich selber ran. Dann legte ich meiner Frau so was auf den Nachttisch:
https://www.amazon.de/Europe-Magic-Wand-Massageger%C3%A4t-1-St%C3%BCck/dp/B009T2T9AM
und konnte endlich in Ruhe mein Auto waschen:)
LG
mimimimmimi

Mecki hat gesagt…

Dank dir für den Text.
Zum kommenden Frühjahr beginnen sie wieder: die sämstäglichen Motorkonzerte mit allen möglichen Instrumenten.
Rasenmäher, Rasenvertikutierer, Laubbläser, Schleifgeräte, alle Arten von Sägen (Stich, Kreis, Ketten etc.), Bohrmaschinen, Hochdruckreiniger, Kompressoren, Akkuschrauber, Rasentrimmer, Kantenschneider, Heißluftföhne, röhrende Grundwasserpumpen, flammende Unkrautbrenner, Hämmer....von all diesem Scheiß wird man spätestens Samstag morgens geweckt.
Als wenn die Nacht nicht schon schlimm genug wäre. Wirkliche Ruhe gibt es auch da nicht. Oft ist ein tieffrequentes monotones Brummen von diversen umliegenden indistruellen Generatoren zu vernehmen, über das man irgendwann einschläft.

Ansonsten lese ich still mit und schätze deine Beiträge sehr!
Kopf hoch und weiter kämpfen!!

eb hat gesagt…

Ich glaube, dass ist mein erster Kommentar hier. Aber gut, da die Rasenmäherhasser und Gegner der sonstig motorisierten Gartenarbeit zur echt unter-zugehenden Spezies zählt, komme ich nicht um meine Zustimmung herum.