Samstag, 18. März 2017

Reform oder Revolution: Der desaströse Zustand der "linken Kritik"


Es gibt viele rätselhafte Phänomene in dieser Welt. Eines davon ist die merkwürdige Art und Weise, in der manche Linke mit inhaltlicher Kritik umgehen. Während es in jenen Kreisen beispielsweise völlig selbstverständlich ist, den Arschlöchern aus der CDU, SPD oder der olivgrünen Partei ordentlich gegen das Schienbein oder lieber in den Arsch zu treten, wenn sie wieder einmal hanebüchenen, meist menschenfeindlichen und kapitalhörigen Blödsinn verzapfen, sind es oft dieselben Kreise, die jammern, aufheulen oder gar über eine ominöse "Spaltung" lamentieren, wenn die Kritik die Linkspartei oder irgendwelche ihr nahestehenden Blogger oder Publikationen betrifft.

Ich verstehe das nicht. Müsste es denn nicht gerade für Linke selbstverständlich sein, inhaltliche Kritik eben nicht daran auszurichten, wen sie betrifft – selbst dann, wenn sie – vermeintlich – Verbündete betrifft? Wie kann es sein, dass manche AntikapitalistInnen wie von Sinnen jener unsäglichen, neoliberalen Tradition huldigen und lieber irgendwelchen Personen (beispielsweise Wagenknecht) oder einer Partei die Nibelungentreue schwören, anstatt sich mit den Inhalten, die diese konkret vertreten, zu befassen?

Ich habe mir schon viel Schelte eingehandelt, weil ich beispielsweise den Wecker'schen und Faulfuß'schen Komplex des esoterischen Irrsinns, die "realpolitische" Linkspartei, die asozialdemokratischen Blogger Lapuente, Berger & Co. etc. kritisiert habe. Nach wie vor frage ich mich aber, wie eine antikapitalistische Gegenwehr aussehen soll, wenn radikale, zumeist intolerante Religiöse, VeganapologetInnen, menschenfeindliche FeministInnen, hirnlose KapitalismuszähmerInnen etc. mit im Boot sitzen.

Zuerst sollte doch, wie immer, das Gebot der Toleranz gelten, sofern keine "absolute Grenze" überschritten wird. Das bedeutet: Wenn jemand Gott, Allah, das Spaghettimonster oder eine verfaulte Haarlocke aus dem Mittelalter anbeten möchte, soll er oder sie das herzlich gerne tun – solange das im heimischen Wohnzimmer geschieht und keine Missionierungsversuche stattfinden. Wenn sich jemand für vegane Ernährung entscheidet, kann er oder sie das ebenso liebend gerne ausleben und auch ausführlich begründen – Missionierung ist hier aber ebenfalls völlig indiskutabel. Und wenn Feminismus in derartig groteske, geradezu faschistoide (da männerfeindliche) Bereiche gerät, wie sie zum Beispiel von Alice Schwarzer und anderen Gruselfiguren gepflegt werden, ist jedwede Toleranz längst obsolet: Frauen sind nicht die "besseren Menschen" und das Matriarchat ist nicht besser als das Patriarchat. Welch ein intellektuelles Trauerspiel, dass ich das hier für erwähnenswert halte. – Derlei Beispiele aus unterschiedlichsten Bereichen gibt es viele.

Die Linkspartei ist in diesem Zusammenhang ein Sonderfall, denn deren ProtagonistInnen sind inzwischen größtenteils längst im kapitalistischen Lager angekommen und reden – wie einstmals SPD und Grüne – allenfalls noch von einer "Zähmung" des kapitalistischen Systems und ansonsten viel von gutbezahlten Posten und Regierungsbeteiligungen. Damit fallen sie nach meiner unmaßgeblichen Meinung in exakt dieselbe Jauchegrube, in der auch SPD und Grüne längst ersoffen und verwest sind. Das dusselige Gefasel, das der Schulzkasper von der SPD gerade wieder – so offensichtlich lügend, dass es weh tut – in alle verfügbaren Mikrofone absondert, mag von dem einen oder anderen Linksparteimitglied, das es wiederholt und womöglich "verschärft", noch ernst gemeint sein – das ändert aber nichts daran, dass das nicht antikapitalistisch und damit auch nicht "links" ist. Der Kapitalismus – und das ist nun wahrlich keine neue Erkenntnis – kann nicht in "kleinen Schritten überwunden", sondern lediglich rückstandslos abgeschafft werden. Ansonsten bleibt er und wuchert krebsartig weiter. Ein Blick in die vergangenen sechs Jahrzehnte reicht völlig aus, um das zu verstehen.

Der von mir sehr geschätzte Bloggerkollege Epikur schrieb kürzlich bei Feynsinn:

Es wird massenmedial derzeit so hart geschossen (Populismus, Verschwörungstheorie, Querfront, Fake News, Social Bots, Hate Speech etc.), da braucht es keine giftigen Seitenhiebe innerhalb der linken Bloggerszene. Seien sie Reformer, Revoluzzer oder meinetwegen Brokkoli-Jünger.

Woher kommt bloß diese merkwürdige Haltung mancher Linken, Kritik nur am offensichtlichen, nicht aber am inhaltlich ebenso klar erkennbaren Gegner aus dem "linken Lager" üben zu "dürfen"? Wieso soll Kritik dort überflüssig sein? Ist es denn so schwierig zu begreifen, dass es hier nicht um Frau gegen Mann, Alt gegen Jung, Veganer gegen Fleischesser oder Gottesfürchtige gegen Atheisten geht, sondern um das absolut existenzielle Thema Menschheit / Natur gegen den Kapitalismus und dessen winziges Grüppchen der elitären Nutznießer? Das ist tatsächlich eine Überlebensfrage, so pathetisch das auch klingen mag! Alle übrigen Nebenschauplatzthemen kann – oder gerne auch: muss – man in Angriff nehmen, wenn der Krankheitsherd endlich bereinigt ist. Vorher ist das allerdings so zielführend wie ein Pflaster beim Beinbruch oder Herzinfarkt.

Die Idee, die unmittelbar übernommen und zur populären Meinung reduziert wird, ist eine Gefahr. Erst wenn die Revolutionäre hinter Schloss und Riegel sitzen, hat die Reaktion Gelegenheit, an der Entstofflichung der Idee zu arbeiten.

(Karl Kraus [1874-1936]: "Pro Domo et Mundo", Aphorismen, 1912)

---


"Tja – große Gewinne erfordern kleine Opfer!"

(Zeichnung von Karl Arnold [1883-1953], in "Simplicissimus", Heft 7 vom 12.05.1920)

Kommentare:

epikur hat gesagt…

Gegen Kritik innerhalb der Linken habe ich nichts. Ich befürworte sie sogar (beispielsweise gegen Antideutsche Spinner, Linksgrün-Olive und ja, auch Spezialdemokraten). Wenn sie nicht gerade ständig und jeden Tag kommt und man dabei die eigentlichen Verursacher der -ich nenne es mal- großkapitalistischen Katastrophe aus dem Blickwinkel verliert. Das passiert nämlich auch viel zu häufig. Wobei ich finde, dass Du in den letzten Wochen viele gute Beiträge gebracht hast.

Im konkreten Fall auf Feynsinn habe ich auch nicht von "Kritik", sondern von "giftigen Seitenhieben" gesprochen. Das ist ein kleiner, aber feiner Unterschied. In dem Beitrag jetzt hier, dem ich inhaltlich weitestgehend zustimme, betreibst du Kritik, im Kommentar auf Feynsinn wird sich über vermeintlich linke Bloggerkollegen nur lustig gemacht. Der Altautonome freute sich gar, dass die Kommentare bei den Neulandrebellen abnehmen. Ganz im Ernst: was soll sowas? Hilft diese giftige Missgunst irgendjemanden, außer dem kapitalistischen Lager?

Ich könnte an dieser Stelle auch das Ken Jebsen-Fass aufmachen, aber ich lasse das mal. Nachdem ich nun bestimmt mehr als 30 Interviews von und mit ihm gesehen habe, ist für mich der Antisemitismus- und Querfront-Vorwurf absoluter Antideutschen-Jutta-Ditfurth-Bullshit. Für mich ist er, genauso wie Daniele Ganser, ein Pazifist und Humanist. Aber hier bin ich natürlich einfach zu blöde, um zu erkennen, was für eine braune Socke er eigentlich ist. Manche Linke sind mir da auch viel zu verbohrt. Denn anstatt sich mal -vorurteilsfrei(!!)- selbst eine eigene Meinung zu bilden, will man nur die Labels von anderen bestätigt sehen. Hier wäre Kritik innerhalb der Linken auch angebracht. ;-)

altautonomer hat gesagt…

Charlie: Der Kommentar von Epiker bei Flatter ist mir auch aufgefallen. Vergiss Veganer, Feministen und radikale Linke (Revoluzzer). Währen einige mit MEINEN politischen Gegner wie den "Identitären" keine Berührungsängste haben (Personen interessieren mich nicht, sondern identische Inhalte - Epikur) oder sich ähnlich über Ken Jebsen äußern, meinetwegen sogar über Trump (proamerikanische Sympathisanten wg. TTIP-Ablehnung usw.), sind die neuen politische Gegner, nachdem man sich an der Antifa und den Autonomen abgearbeitet hat, jetzt die "Antideutschen". Zumindest, wenn ich die neuen Kommentare von Peinhard, aquadraht und Fred bei Flatter lese und den aktuellen Post vom chronisch untervögelten Maskulisten und Don-Alphonso-Buddy Burks lese. Sie alle eint der Kampf gegen den Linksextremismus jeglicher Form. Kollektiv werden zu diesem Zweck immer wieder gern die Magazine konkret, Jungle World und Bahamas und neuerdings auch die Titanic in Sippenhaftung genommen - gleichzeitig Printmedien wie die ZEIT als Beleg herangezogen.

Mir fehlt die Zeit und die Energie, um auch noch gegen solche Konterrevolutionäre anzuschreiben. Undifferenzierte Polemik und linke Geschichtsvergessenheit als "gute Recherche" zu bezeichnen gibt mir dann den Rest. Hieß es früher "Mit Rechten kann man nicht diskutieren", so würde ich diese These erweitern auf ein bestimmtes, sich linksliberal dünkendes Klientel. Sysiphos läßt grüßen.

Tröstend ist für mich in diesem Zusammenhang, dass es noch ganz passable andere Blogs gibt. Wie z. B. "dame von welt".
Feinsinn - is klar. Übermedien ebenfalls. Rainer Trampert selbstverständlich auch.

Wolf Wetzel in der Jungle World, 11.04.2013:
"Die politische Zurückhaltung autonomer Antifaschisten zur Mordserie des NSU ist verwunderlich. Denn vieles, was die Behörden heute über neonazistische Strukturen wissen und in den Medien berichtet wird, stammt aus antifaschistischen Recherchegruppen."



altautonomer hat gesagt…

Epiker: Blogger, die gesamtpersönlich charakterlich dermaßen unterbelichtet und kapitalistenfreundlich sind, ihre vermeintlich intellektuelle Größe mit dem Kleinmachen anderer unterstreichen müssen und dabei auch noch von sich selber dermaßen geblendet sind, wie Püntes, denen sage ich,
"Um ihr Autoritätsbedüfnis zu kompensieren, schaffen sich einige einen Hund an, anderen eröffnen einen Blog". Ich würde ihm ja einen Hund empfehlen aber der täte mir dann auch wieder leid.

frei-blog hat gesagt…

Allgemein gefragt:
Was ist von "Lapuente", bzw. "Neulandrebellen" zu halten? Ich hatte kürzlich einen Artikel über Schulz gelesen, den ich schon im Ansatz als lauwarme Brühe abhakte. Manche Aussagen sind dermaßen verwässert, dass ich mich ständig fragte, welche Seite er zu vertreten beabsichtigt. Oder sehe ich dies falsch?
Gruß – Volker

Anonym hat gesagt…

Unterstützt die #neulandrebellen!
https://neulandrebellen.steadyhq.com/de

Anonym hat gesagt…

@epikur
Kurzanalyse zu KenFM: "Es gibt dort keine Stringenz des Arguments. Da ist alles nur auftrumpfende Siegesgewissheit, Ressentimentpflege, dumme Phrase, Gewitztheit, Jargon, Verschwörungstheorie und Hass auf Israel. Es entzieht sich dem Argumentieren, und das ist etwas besonders Beängstigendes." (Thomas Ebermann)
"Noch kürzer wäre nur "Politstaubsaugervertreter"."
https://www.facebook.com/Jutta.Ditfurth/posts/1153116354817981

Troptard hat gesagt…

"Reform oder Revolution: Der desatröse Zustand der "linken Kritik"

Das was Charlie beschreibt, ist keineswegs auf die linke Kritik beschränkt. Auch wenn meine Einlassung zu dem Thema möglicherweise nicht weiterhelfen wird, so ist das ein gesamtgesellschaftliches Problem.

Ich möchte es mal so beschreiben: Wir sitzen in einem Käfig und aus der Innenansicht des Käfigs resultiert ein ganz bestimmter Blick auf die heutige Gesellschaft. Dieser Blick kann so verengt sein, dass die Erkenntnisse der jetzigen Gesellschaft auch auf vergangene und zukünftige angewendet wird.

Sobald dagegen Einsprüche vorgetragen werden und an dem vorherrschenden Weltbild fundamental gerüttelt wird, wird reflexhaft auf diejenigen eingeschlagen, die versuchen, einen neuen Blickwinkel von ausserhalb des Käfigs einzunehmen.

So ist es auch heute noch weitgehend Konsens unter Linken, das gesellschaftliche Entwicklung und gesellschaftlicher Fortschritt linear erfolgt und ohne Brüche, allenfalls mit Fehlern behaftet, die aber korrigiert werden können.

Deshalb ist dieser Epochenbruch, den Adorno mit dem deutschen Nationalsozialismus und der Judenvernichtung kulturpessimistisch beschrieben hat, unter Linken selten Thema. Und diejenigen, die das thematisieren werden schnell als Antideutsche diskriminiert.

Heute sind es ausgerechnet Feministinnen aus den Naturwissenschaften, die zu fundamentaler Kritik fähig sind, so Hofmann 1981:

"Die wissenschaftliche Denkweise hängt zwar unmittelbar zusammen mit der akuten Gefährdung der Menschheit durch ökologische Katastrophen, atomare Aufrüstung, ökonomische, soziale und psychische Verelendung.

Es ist aber nicht möglich, im Rahmen der heutigen Wissenschaft wirkungsvolle Maßnahmen zur Abwendung dieser Gefährdung zu entwickeln. Vielmehr bringt uns jede Maßnahme, die mit den Mitteln heutiger Wissenschaft entwickelt und durchgesetzt wird, der Katastrophe näher." Zitiert von Claus Peter Ortlieb, Wertabspaltungskritik

Selbstverständlich stösst solche Kritik, sofern sie überhaupt wahrgenommen wird auf Empörung.
Ich wundere mich dann auch nicht darüber, dass Linke sich relativ unsensibel zur Zerstörung der Lebensbedingungen auf diesem Planeten verhalten und sich ganz schnell als Verteidiger der heutigen Naturwissenschaft aufschwingen und deren Ergebnisse und Erkenntnisse sie als neutrale, von den gesellschaftlichen Bedingungen unabhängige betrachten.

Und so wundere ich mich auch nicht darüber, dass es von links kaum Kritik daran gibt, welche Milliarden in eine Forschung gesteckt werden, die den Menschen keinen Gewinn an Gesundheit und für ein besseres Leben bringen, wo Milliarden in eine Forschung zur Erforschung kleinster Materieteilchen gesteckt werden, in die Gentechnik, die bis heute mit all ihren Versprechungen nicht einen einzigen Beweis bringen konnte, dass sie den Menschen helfen wird, in Gehirnforschung, die den Menschen von einem eigenen Willen befreit, in die Krebsforschung, die so viel Geld zur Verfügung hat, dass sie alle ihr widersprechenden Erkenntnisse mal ganz locker ausschalten kann.

Charlie, ich habe dieses Gefühl in mir, ich bin auf verlorenem Posten und ich vermag nichts mehr zu bewegen. Ich habe auch mal gedacht, Menschen müssen nicht alle negativen Erfahrungen selbst erleben, das Beschreibung und Veranschaulichung reichen würden.

Offensichtlich nicht!

Arbo hat gesagt…

@Charlie: Danke für den Beitrag, der mich zum Nachdenken angestimmt hat. Ich stimme Dir hier in vielem zu. Und unterstreichen kann ich nur, wenn Du schreibst: >>Zuerst sollte doch, wie immer, das Gebot der Toleranz gelten, sofern keine ‚ab-solute Grenze‘ überschritten wird.<<

Da scheint mir aber auch der Hase im Pfeffer zu liegen. Ich kann mich noch gut daran erin-nern, wie Du mich kürzlich ungläubig fragtest, warum ich den ollen Pontifex erwähne. Aber gut, Schwamm drüber, ich will hier keine kleinkarierte Haarspalterei betreiben. Denn dafür ist mir das Thema eigentlich viel zu wichtig, zumal ich – wie geschrieben – Dir zustimme.

Ergänzen würde ich nur, dass hinsichtlich der Kritik „innerhalb der ‚Linken‘“ nochmal zu unterscheiden ist. Einmal gibt es sicher konzeptionelle Kritik, aber der eigentliche Knack-punkt, an dem sich m.E. alles entzündet, ist schlicht dort, wo Grenzen überschritten werden. Zu letzterem gehören für mich Lafontaines „Fremdarbeiter“ sowie Wagenknechts „Kapazi-tätsgrenzen“. Und genau da wird Kritik fundamental, weil davon das Selbstverständnis (Was ist links?) elementar betroffen ist. Und das färbt natürlich auch auf konzeptionelle Kritik ab, wenn Du Dich mit etwas ‚Konzeptionellem‘ von einer Person befasst, die (identitätsstiften-de) ‚Grenzen‘ überschreitet.

Die eigentliche Frage ist für mich hier die, wie dann mit solchen ‚Grenzüberschreitern‘ um-zugehen ist. Für komplette Dialog-Verweigerung bin ich nicht, aber ich würde dann ständig auf Widersprüche, Schwierigkeiten usw. hinweisen, wenn’s sachlich begründet ist. (Konkret: Frau W.s „Kapazitätsgrenzen“ bleiben fremdenfeindliche und neo-rechtes Agitation, die entsprechend zu benennen ist.)
Was die Sache für mich recht schwer macht und wo ich etwas ratlos bin, ist dieser ganze Graubereich und diese anti-deutsche Agitation. Ich habe kürzlich einen Artikel gelesen, wo einem der Autor jegliche kulturrelativistische Sicht bereits als ‚antisemitisch‘ auslegte (Franz Boas kannte diese Leuchte of-fenbar nicht) und er sich auch nicht zu blöde war, anderen wegen dem Bezug auf ‚Ethnien‘ Faschismus vorzuwerfen, selbst aber feucht fröhlich vom faschistisch-antisemitischen Iran usw. zu schwadronieren. Du glaubst gar nicht, was einem da an ‚Faschismus‘ und er dem Deckmantel eines vermeintlichen Antifaschismus verkauft wird.

Und genau da liegt für mich der Hase im Pfeffer. Es gibt ‚linke‘ Kritik, die ist ideologisch so weit von der Sachlichkeit entfernt wie nur irgendwas. Wenn z. B. A.M. von den NDS ‚anti-deutsche‘ Agitation moniert, dann hat er ja durchaus recht. Sowas gibt es. Nur ist es genau der gleiche A.M. der einem dann eine ‚anti-deutsche‘ Verschwörung herbeiorakelt und in eine ‚Freund-Feind‘-Rhetorik verfällt, die jegliche sachliche Kritik unmöglich macht.

Berechtigte ‚Kapitalismuskritik‘ zieht dann auch verschiedene Esos an, die wiederum ihr eigenes Süppchen kochen. Da ist dann zum Teil abstruser Mist dabei, von dem Du Dich erstmal distanzieren musst. Oder Leute geben sich seriös, wirken aber wie U-Boote, die im Windschatten der ‚Kapitalismuskritik‘ ihre Esoterik verbreiten. Und das, was dann das Ge-genlager liefert, ist zum Teil auch nicht viel besser. (Ich denke da z. B. an den hier und da auftauchenden Dogmatismus seitens GWUP.)
Ich kann’s jetzt leider nicht besser ausdrücken, aber ich hoffe, Du ahnst in etwa, was ich meine. hier besteht für mich ein Spannungsfeld, in dem es unheimlich schwer ist, sich zu orientieren. Ich weiß manchmal wirklich nicht, was ich von dieser oder jener Haltung halten soll.

LG Arbo

Arbo hat gesagt…

@ Epikur: >> Nachdem ich nun bestimmt mehr als 30 Interviews von und mit ihm gesehen habe, ist für mich der Antisemitismus- und Querfront-Vorwurf absoluter Antideutschen-Jutta-Ditfurth-Bullshit.<<

Zu KJ kommt meinerseits sicher mal noch etwas (an anderer Stelle).

An dieser Stelle nur kurz: Beim Antisemi-tismus-Vorwurf würde ich Dir zustimmen. Allerdings bringt er das Thema immer wieder – auch in Zusammenhängen, wo’s nicht passt – zur Sprache, so dass hier durchaus der Ein-druck im Raum steht, dass er ganz bewusst und strategisch mit diesem Vorwurf spielt. Und der Umstand, dass Anti-Deutsche recht viel Bullshit fabrizieren, bedeutet nicht, dass der Querfront-Vorwurf einfach so vom Tisch ist. Auch hier denke ich, dass er mittlerweile damit spielt – oder zumindest bewusst provoziert. Im Übrigen gibt es ein schönes Interview von Tilo Jung mit KJ, wo er ihn naiv fragt, was er unter Rassimus versteht und KJ sich sprichwörtlich um Kopf und Kragen redet - geradezu entlarvend. (Holger Kreymeier von FKTV hatte Tilo Jung und Kompagnon mal im Interview, wo genau diese Szene nochmal mit abgespielt wurde - ziemlich am Anfang des Interviews). Aber wie gesagt, das ist ein Fass, das wir hier nicht aufmachen müssen. Ich wollt’s nur nicht unkommentiert im Raum stehen lassen.

@altautonomer: Ich stimme Dir insoweit zu, als das Label ‚antideutsch‘ offenbar seine Funktion in der ‚Freund-Feind‘-Rhetorik erfüllt. Es ist offensichtlich, dass z. B. KJ oder A.M. von den NDS gerne ‚antideutsch‘ plakativ als ‚Gegnerschablone‘ heranziehen. Damit lässt sich vor allem ein Märtyrer-Mythos konstruieren, der dann wiederum als Glaubwür-digkeitsbeleg herangezogen wird. Je stärker und treffsicherer die Kritik z. B. an KJ, desto stärker nutzen die das für ihre Märtyrer-Rhetorik. Gleichwohl halte ich aber die Antideut-schen tatsächlich für ein erhebliches Problem. Da wird einem zum Teil eine faschistische Grundhaltung als Antifaschismus verkauft, die dann auch noch jegliches anti-kapitalistische Engagement als antisemitisch usw. diskreditiert. Das Problem ist, dass wenn Du das kriti-sierst, Du auf einmal mit Leuten wie KJ im Boot sitzt – oder diese sich unaufgefordert zu Dir ins Boot setzen. Das macht m.E. den wesentlichen Teil aus, der zu der von Dir genannten Sysiphos-Arbeit führt…

Troptard hat gesagt…

@ Arbo,

das mit den 'Antideutschen" ist doch inzwischen so eine alter und aufgewärmter Kaffee, und zwar so alt und aufgewärmt, dass ich mich darüber wundere, dass auf diesen ausgelutschten Zug noch jemand aufspringt ohne dass er benennt, worin denn nun das Problem mit den sog. Antideutschen liegt, was diese eigentlich zu einem "erheblichen Problem" macht.

Und wenn die ein "erhebliches Problem" darstellen, was folgt dann daraus? Und Deine drollige Argumentation verliert sich dann auch in Allgemeinplätzen ohne konkret zu werden .
Antikpatitalistisches Engagement bedeutet doch nicht, dass sich dieses zwingend gegen das Kapital richtet. Auch die Nazis waren Antikapitalisten und die heutigen, so vermute ich nur, ebenso.
Möglicherweise ist es für heutige Linke langweilig, die Feinheiten zwischen Kapitalkritik und Antikapitalismus zu benennen, sich die Mühen aufzuhalsen, die mit der "Kritik der politischen Ökonomie" verbunden sind.

Und so fällt es aus dieser Unterlassung aus Bequemlichkeit überhaupt nicht mehr auf, dass der heutige Antikapitalismus von links sehr gut mit dem von rechts harmonisiert , wenn das Kapital nicht in seiner Gesamtheit begriffen wird, sondern nur in einem Teilaspekt, der sich weitgehend auf die Finanzsphäre fokussiert.

Und ich persönlich finde es mehr als unredlich denen zu unterstellen, die auf diese beschränkte Sichtweise hinweisen und auch auf den damit einhergehenden strukturellen Antisemitismus.

Mir ist durchaus bewusst, dass es in der Linken ein Tabubruch ist, auf den vorhandenen Antisemitismus hinzuweisen und der damit gekontert wird, dass diejenigen, welche ihn äussern mit dem Etikett antideutsch belegt werden.

So die Jungle World, die Konkret, Thomas Ebermann, Rainer Trampert, Kay Sokolowsky-Abfall aus der Warenwelt, Jutta Dithfurth, Prof.Dr.Heinz Guess- Kritiknetz, Lothar Galow Bergemann- Krisis,, Frerk Huisken-Gegenstandpunkt, und viele andere... .

Troptard hat gesagt…

@Arbo,
wo meine Bauchschmerzen mit "Linken' schon anfangen, ist dieser Vorbehalt in dem Adjektiv "berechtigt".

Den Unterschied sehe ich da, wo jemand entscheiden will, ob er Kritik für berechtigt hält oder nicht. Kritik bedarf keinerlei Berechtigung, sie ist ohne jegliche Voraussetzung egal woher und von wem sie kommt.

Kritik hat das Potential sich damit auseinanderzusetzen zu wollen, sich selbst zu hinterfragen und auch sich selbst in diesem Prozess weiter zu entwickeln.

Kritik wird dann unangenehm und unangemessen, wenn sie sich vom Gegenstand der Kritik entfernt, vom Inhalt, und die Person statt den Inhalt kritisiert.

Arbo hat gesagt…

@Troptard:

Manchmal frage ich mich, ob Du überhaupt richtig liest oder ob Du mich hier einfach nur auf dem Kieker hast. Ich schreibe in meinem Kommentar ziemlich deutlich, dass ich es für ein erhebliches Problem halte, wenn mir eine faschistische Grundhaltung als Antifaschismus verkauft wird, die dann jegliches anti-kapitalistische Engagement als antisemitisch diskreditiert. Und Du behautest, ich würde dieses Problem gar nicht benennen. Und dann schiebst Du mir so zwischen den Zeilen unter, ich würde übergehen, dass auch die Nazis antikapitalistisch waren. Sorry, das hat so das Niveau von „Hitler war auch Vegetarier“. Du könntest mir schon ruhig so viel kognitive Leistung zutrauen, mit meiner Aussage kein anti-kapitalistisches Engagement gemeint zu haben, das berechtigt antisemitisch bezeichnet werden könnte.

Für Dich mag das Thema „Antideutsche“ ein alter Hut sein. Nur stelle ich fest, dass die gesamte Internet-Geschichte und Querfront- Diskussion, die unzähligen Netzwerke und Blogs etc. dafür sorgen, dass diese - von mir aus alte - Diskussion um „Antideutsche“ heute eine andere Qualität aufweist und somit auch eine gewisse Relevanz bekommen hat. Vor zehn Jahren hätten wir z. B. sehr wahrscheinlich nicht über NDS als Querfrontmedium diskutiert.

Auf strukturelle Diskriminierung aufmerksam zu machen, finde ich übrigens auch richtig und wichtig. Aber was sagst Du denn dazu, dass das auch ganz schnell zum dogmatisierenden Totschlagargument werden kann? Das betrifft z. B. feministische Sichtweisen, aber auch die Kritik am „Antisemitismus“. Ich könne noch die Schlagworte „post-kolonial“, „weiß“ und „männlich“ in den Raum werfen. Oder die Zinskritik, der bisweilen auch automatisch ein struktureller Antisemitismus angedichtet wird, was völlig haltlos und kontraproduktiv ist.

Ebenso dämlich finde ich, wenn mir jemand aus Kulturrelativismus gleich mal so strukturellen Antisemitismus macht. Ja, beides kann sich überlagern. Und ja, die „Identitären“ argumentieren bisweilen kultur-relativistisch (Stichwort Ethnopluralismus). Aber das macht noch lange nicht aus jeder kulturrelativistischen Überlegungen automatisch strukturellen Antisemitismus. Dein kürzlich verlinkter Artikel, der durchaus richtige Kritikpunkte aufgriff, hatte aber in einer solch verallgemeinerten und zu kurz gegriffenen Form argumentiert.

Während der Hinweis auf strukturellen Rassismus, Antisemitismus usw. richtig und wichtig ist, schießt’s unter anti-deutschem Blickwinkel häufig deutlich ins Kraut, wird tlw. konstruiert und somit schlicht für die eigene (antideutsche) Ideologie missbraucht. Seriös ist das nicht.

Und mit Tabubruch hat das auch herzlich wenig zu tun, sondern es ist nur eine andere Form totalitärer Agitation. Ich weiß z. B., dass es die Studien zur Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit sehr schwer hatten, weil es niemand hören wollte, dass ein Nazi nicht unbedingt mit Springerstiefel und Bomberjacke rumlaufen muss, sondern ihm in Sachen geistiger Haltung die ‚nette Oma‘ mit ihren Sprüchen in nichts nachstehen muss. Das war ein echter Tabubruch.

Arbo hat gesagt…

@ Troptard:

>>Den Unterschied sehe ich da, wo jemand entscheiden will, ob er Kritik für berechtigt hält oder nicht. Kritik bedarf keinerlei Berechtigung, sie ist ohne jegliche Voraussetzung egal woher und von wem sie kommt.

Kritik hat das Potential sich damit auseinanderzusetzen zu wollen, sich selbst zu hinterfragen und auch sich selbst in diesem Prozess weiter zu entwickeln.<<

Interessant, dass Du das schreibst. Trifft das auf die „Antideutschen“ zu? Sind sie etwa die ganz easy relaxten Aufklärer, die halt nur dazu aufrufen wollen, sich voraussetzungslos mit Kritik und sich selbst auseinanderzusetzen? Sorry, aber da ist der damit verbundene Anspruch (sich selbst hinterfragen etc.) nur ein Lippenbekenntnis. Denn wenn ich mich selbst hinterfrage, kann ich nicht mit dem gefestigten Weltbild auftreten, das mich dann anderen eine beschränkte Sicht usw. vorwerfen lässt. Eher müsste ich – in der Konsequenz – ständig im Konjunktiv sprechen, mir selbst die Möglichkeit vorbehalten, mich getäuscht zu haben. Genau das sehe ich bei verschiedenen antideutsch angehauchten Diskussionen eben nicht. Sondern dann meist eher eine im Saft der eigenen Gewissheit stehende autoritäre Haltung, die anderen die eigene Deutung der Sachverhalte diktieren will. (Wobei das verschiedene Bereiche bzw. „Trigger“ betrifft, nicht nur Antisemitismus.)

(Und damit mir das auch niemand in den falschen Hals bekommt: Genau diese Haltung gibt's ja auch im 'linken Lager', Stichwort NDS.)

altautonomer hat gesagt…

NDS und ihre rechtsdrehenden Konsorten haben sich zwanghaft aus linker Ohnmacht über die starren gesellschaftlichen Machtverhältnisse auf die Suche nach politisch relevant Mehrheiten jenseits der Schulterkklopfer-Bloggerszene begeben und sich dabei über einen kleinsten gemeinsamen Nenner (Frieden, dumpfer Antikapitalismus, Medienkorrektiv) mit Populisten und rechtsintellektuellen Blendgranaten verbündet. Dabei stehen all diejenigen, die weiterhin die "reine Lehre" vertreten nur im Weg und hindern den Marsch in die Parlamente. Gleichzeitig hat es sie schwer getroffen, dass es angeblich ein Antideutscher (also einer ohne Ariernachweis!) war, der ihrer Gloria Wagenknecht die Torte an den Kopf warf. Das muss mit permanenter Ächtung aller Antideutschen -auch die nicht dogmatischen- bestraft werden. Ein Rundblick auf den Kreis der Kritiker, beweist, dass Kritik immer aus derselben Ecke kommt. Ich schlage Abschiebung nach Israel vor.



allesnursatire hat gesagt…

Zitat: "...., sondern um das absolut existenzielle Thema Menschheit / Natur gegen den Kapitalismus und dessen winziges Grüppchen der elitären Nutznießer?

Absolut nichts daran ist "pathetisch" oder irgendwie übertrieben.

Der gesamte Text trifft (fast immer) den Nagel auf den Kopf.

Ich verstehe mich schon seit einiger Zeit nicht mehr als "links", kann mit diesem politischen Kampf- und Richtungsbegriff immer weniger anfangen.

Ixh versuche, meine Richtung als human, sozial, empathisch zu ettiketieren. Und erkenne dabei fast automatisch Kapitalismus in jeder Form sofort als den natürlichen Gegener.

Troptard schrieb von einem gedanklichen Gefängnis, daraus resultierend ein zwangsläufig eingeengter Blickwinkel.

Das sehe ich genauso. Nur, das die Menschen sich in diesem Gefängnis freiwiliig aufhalen, noch nie den Versuch machten, die Türe aufzumachen, denn die ist nicht abgeschlossen.

Ich glaube eher, die meisten der Insassen wollen nicht zur und durch die Türe, weil deren gedankliches Gefängnis tatsächlich das Korsett ihres Lebens ist.

epikur hat gesagt…

Ich finde, die Kommentare zeigen sehr gut auf, was das Problem mit den Antideutschen ist! Sie haben immer und überall ihren Antisemitismus-Scanner an! Wollen ihn überall sehen und verurteilen. Sie bauen so viele und starke gedankliche Sperrgebiete auf, dass es nur kracht. Arbo hat das sehr gut aufgezeigt: wer das Zinssystem kritisiert, wer die Siedlungspolitik Israels kritisiert, wer das Zinssystem kritisiert, wer die weltweite Finanzindustrie kritisiert, die Banken etc. etc. - alles verkappte Judenhasser in ihren Augen! Mit diesem Instrument machen sie im Handumdrehen Menschen, die für Pazifismus, Humanismus und Mitmenschlichkeit eintreten, einfach zu Nazis, wiel sie eben irgendwie indirekt und subtil gegen Juden seien!

Ich frage mich da jedes Mal, warum gibt es eigenlich nicht einmal die Begriffe von Antirussismus, Antiiranismus oder Antichinaismus? Darüber sollte man wirklich einmal nachdenken.

Wenn ich mal verschwörungstheoretisieren dürfte, würde ich denken, der Mossad und die CIA haben bei der Wiedervereinigung die Deutschen Linken infiltriert, um sie mit dem "Antisemitismus-Scanner" zu spalten. So soll jeder der Kritik an der israelischen Regierung oder die USA betreibt, schnell als Nazi denunziert werden. So rechthaberisch und dogmatisch wie viele sind, brauchten sie dafür wohl nicht viel zu tun. Hat wohl besser geklappt, als sie dachten. ;-)

Ich schließe mich "Alles nur Satire" an. Für mich zählen Humanismus, Empathie, Solidarität, Pazifismus.

Troptard hat gesagt…

Handelt rechtsnationale Geert Wilders im Auftrag der jüdischen Weltverschwörung?
Was ein Film des WDR über Geert Wilders zu berichten weiss.

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/debatten/ein-wdr-film-ueber-geert-wilders-hat-schlagseite-14929890.html

http://www.bildblog.de/87717/wdr-verbreitet-wilde-wilders-verschwoerung/

anonym hat gesagt…

allesnursatire und Epikur geben mit Ihren Kommentaren sehr schöne Beispiele, wie eindeutig antisemitische Formeln und völkisches Bewusstsein sprachlich verklausuliert werden aber für eine bestimmte Leserschaft die "richtigen" Codes bedeuten:

Beliebte Bekenntnis ist immer wieder: Ich bin weder links noch rechts. - Soll heißen: Mitte, Teil des ganzen deutschen Volkes, ideologisch mit nichts kompatibel, mit jeweils wechselndem Standpunkt (opportunistisch).

Kritik am Zinssystem hat einen historischen Vorläufer: Es hieß damals, Juden arbeiten nicht, leben nur von Zinsen. Dazu passt die elegante Formulierung "weltweite Finanzindustrie", gemeint ist (und von den Rezipienten selbstverständlich verstanden wird) das weltweite Finanzjudentum - ebenfalls ein historisch belasteter Begriff.

Und im 2. Teil diskutieren wir dann über den strukturellen Antisemitismus.

der Doctor hat gesagt…

@Anonym(Andre Hüssy,aka Herr Karl?)

"Kritik am Zinssystem hat einen historischen Vorläufer: Es hieß damals, Juden arbeiten nicht, leben nur von Zinsen"

Und wer hat´s in die Welt gesetzt?die Nazis.Tatsächlich sind weder das Zins- noch das Banksystem Jüdische Erfindungen, sondern christliche, nämlich des Templer-Ordens.
Das ganze antisemitische Zerrbild vom raffenden schachernden Juden ist also nichts als ein Vorurteil, will sagen, du stützt deine Antisemitismus-Vorwürfe deinerseits auf antisemitische vorurteile,die anscheinend du selber hast.

" "weltweite Finanzindustrie", gemeint ist (und von den Rezipienten selbstverständlich verstanden wird) das weltweite Finanzjudentum"

Und dann verbreitest du auch noch krude Verschwörungstheorien, die du selbstverständlich nicht belegen kannst.Nur mal so:Ist Ackermann Jude, ist Draghi Jude?,ist Weidmann Jude?
Und falls du tatsächlich Hüssy bist,solltest du als Protestant lieber den Ball flach halten, da du dann ja einen glühenden Antisemiten als Konfessionsstifter verehrst, dessen eliminatorischer Judenhass auch den Nazis vorbild war, und dessen antijüdische Schmähschriften von diesen auch gern zitiert wurden.

Anonym hat gesagt…

der Doctor: Du hast meinen Kommentar leider überhaupt nicht verstanden, denn ich stimme 100%ig mit Dir überein.

Ich bin übrigens nicht der "Unaussprechliche"!

Charlie hat gesagt…

Es ist ja immer wieder erstaunlich, in welche merkwürdige Richtung manche Kommentare abdriften, wenn sich jemand (das betrifft ja nicht nur das hiesige Blog) über dieses leidige Thema auslässt. Ich habe nirgends auch nur angedeutet, dass es hier um "Antideutsche" oder Antisemitismus ginge - und trotzdem tauchen beide Schlagworte unweigerlich immer wieder auf.

Ich möchte dazu mal zweierlei klarstellen:

1. Das "Querfront"-Geschwafel bezüglich irgendwelcher "Antideutscher" geht mir gehörig auf den Sack. Zum einen gibt es (meines Wissens) keine geschlossene oder gar vom irgendwem organisierte oder "gesteuerte" Gruppe von "Antideutschen", zum anderen ist diese Kategorisierung ohnehin völliger Bullshit, da es abgesehen von immer wieder unterstellten, aber nirgends "festgeschriebenen" oder von irgendeiner "Instanz" postulierten Merkmalen überhaupt keine sinnvolle Definition einer solchen Gruppe gibt. Hinz und Kunz können sich "antideutsch" nennen und damit jeweils etwas gänzlich anderes meinen, während Tünnes und Scheel wiederum jeweils andere Auffassungen besitzen. Wieso wird diese Bezeichnung, die sich längst zum hochnotpeinlichen "Kampfbegriff", der nahezu beliebig eingesetzt werden kann, gemausert hat, dennoch ständig bemüht? Plappert doch nicht jeden Scheiß, der Euch vorgesetzt wird, gedankenlos nach.

2. Antisemitismus ist ein gänzlich anderes Thema, das uralt und tatsächlich längst "strukturell" geworden ist. Die allzu schaurigen Relativierungsversuche von Epikur, die mir geradezu Angst machen, illustrieren das deutlich. Um das noch einmal deutlich zu benennen: Antisemitismus hat nichts mit einer Kritik an der Politik der israelischen Regierung zu tun, dafür aber umso mehr mit dem hirnlosen Gefasel von der "internationalen Finanzmafia" und ähnlich dumpfen Formulierungen. Auch vor 90 Jahren gabe es keine "jüdische Weltverschwörung" und selbstverständlich auch kein "internationales Finanzjudentum" - das waren schon damals nicht neue Lügen, die interessierte Kreise - damals waren's die Nazis und das angeschlossene, unterstützende "nicht-jüdische" Kapital - gestreut und instrumentalisiert haben. Die - mit Verlaub - lächerliche Feststellung Epikurs, dass es auch heute, ebenso wie damals, massenhaft "nicht-jüdische" Kapitalisten gibt, ist doch gerade ein Beleg dafür!

(weiter im 2. Teil)

Charlie hat gesagt…

Wer sich auch nur rudimentär mit der Geschichte des Nationalsozialismus' samt seiner Ausbreitung auch nach 1945 beschäftigt hat, erkennt die ewig gleichen Worthülsen sofort: Wenn heute wieder von "internationalen Heuschrecken" gefaselt wird, die dem "guten" deutschen (oder auch französischen, polnischen, ungarischen ...) Unternehmer, Bürger oder "Arbeitnehmer" ans Leder wollen, dann ist in gewissen Kreisen selbstverständlich das "Judentum" gemeint, auch wenn das heute - aus verständlichen Gründen - in Deutschland nicht mehr ganz so offen formuliert wird. Die Fokussierung dieser "Kritik" beispielsweise auf "die Rothschilds" spricht da doch Bände.

Es mag durchaus sein, dass derlei Feinheiten von manchen oder auch vielen Menschen nicht mehr wahrgenommen oder erkannt werden - umso wichtiger ist es aber doch, immer wieder darauf hinzuweisen!

Ist es denn wirklich so schwer zu begreifen, dass es selbstverständlich in Deutschland kein "Volk" gibt, das durch Merkel oder andere politische Kasper und die dahinterstehende kapitalistische "Elite" repräsentiert wird, und dass dasselbe auch für Israel (sowie Griechenland, die USA, Mexiko, Italien, China und den Rest dieser verkommenen Welt) gilt?

Ich kenne mich ganz gut in Israel und den angrenzenden Staaten Jordanien, Syrien und Ägypten aus - wenn ich die finanzielle Möglichkeit hätte, würde ich Epikur und andere herzlich gerne dazu einladen, diese Regionen einmal zu besuchen, um sich selbst ein Bild davon zu machen, wie unsäglich auch dort allzuviele (nicht nur kritische) Menschen unter der neoliberalen, asozialen Politik der jeweiligen "Elite" zu leiden haben. Der einfachere Weg ist aber dieser: Geht doch einfach mal in eine Synagoge oder Moschee in Eurer Nähe und erlebt am eigenen Leib, welchen Anfeindungen Juden und inzwischen auch Muslime in Eurer direkten Nachbarschaft mitten in Deutschland tagtäglich ausgesetzt sind.

Shalom!

Charlie hat gesagt…

@ frei-blog: Du benötigst da doch gar keinen Rat - Dein Kommentar sagt doch alles Notwendige über Lapuente aus, den ich nicht zufällig unter dem Begriff "Neulandsozialdemokraten" in meiner Blogroll führe. ;-) Ich hab diesen Schwafler, der vor nicht allzulanger Zeit gar "Berufsverbote für Linksextremisten" (sic!) forderte, ohnehin nur deshalb aufgenommen, weil sein Kollege Wellbrock zumindest gelegentlich mal nicht ganz so hanebüchenes Zeug produziert.

Liebe Grüße!

Charlie hat gesagt…

Der unsägliche "Herr Karl" alias André H. hat offenbar auch seinen Kothaufen hinterlassen, nämlich am 18. März 2017 um 15:38: Niemand sonst käme wohl auf den absurden Gedanken, ausgerechnet hier einen Fratzenbuch-Link zu hinterlassen, der sich zudem mit Ken Jebsen befasst. Ich gehe davon aus, dass diesen Quatsch ohnehin keiner angeklickt hat. Solange er sich bei "Facebook" herumtreibt, richtet er zumindest keinen weiteren intellektuellen Schaden mehr an. Wahlweise kann er ja auch beim filzigen Pantoffel vorbeischauen. :-)

Charlie hat gesagt…

Lesetipp zum allerersten Einstieg: "Struktureller Antisemitismus und verkürzte Kapitalismuskritik".

altautonomer hat gesagt…

Hat hier jemand Heuschrecken gesagt?

IG-Metall-Zeitung-Titel und -cover von 2005:

http://www.spiegel.de/media/media-11483.pdf

In der IG-Metall-Zeitschrift sieht man eine Abbildung einer Stechmücke mit einem Hut in den amerikanischen Farben. Solche Karrikaturen hat es in den dreißiger Jahren auch schon gegeben.

Charlie hat gesagt…

@ Altauto: Das ist ein vorzügliches, wenngleich auch sehr erschreckendes Beispiel. Wer sollte die lächerliche, geradezu groteske Unterscheidung zwischen dem "bösen, raffenden" (internationalen) und dem "guten, schaffenden" (nationalen) Kapital auch besser auf den Punkt bringen als eine deutsche Gewerkschaft?!? Von hierher ist es nicht mehr weit zu der faschistischen Parole "Die Amis (bzw. Juden) sind unser Unglück".

Liebe Grüße!

André hat gesagt…

@der Doctor
Der anonyme Kommentar vom 19. März 2017 über das "Finanzjudentum" stammt nicht von mir.
Die beiden anonymen Kommentare vom 18. März 2017 zu den Neulandrebellen und Ken Jebsen (mit Link zu Jutta Ditfurth) stammen von mir.

epikur hat gesagt…

Und wieder sind wir bei den gedanklichen Sperrgebieten.

Kritisiere nicht die internationale Finanzindustrie (die zwar vorhanden ist und auch 2008 fast für einen weltweiten Crash gesorgt hat) - denn das ist verkappter Antisemitismus ("Finanzjudentum"), weil es eben jüdische Banken und/oder reiche Juden gibt. Ja und? Es gibt auch reiche Inder, Amerikaner und Mexikaner. Bin ich deshalb ein Antiinder? Natürlich nicht. Und nun soll ich die Fresse halten, wenn es um Kritik an dem Finanz-, Zins- und Bankensystem geht, weil ich dann in den Augen der Antideutschen sofort ein Antisemit bin? Sorry, ich lasse mir von niemanden den Mund verbieten und erst Recht keine Tabuzonen und Sperrgebiete aufdrücken. Nennt mich einen Antisemiten, wenn ihr wollt. Meine jüdische Freundin weiß ganz genau, dass ich keiner bin.

Auch Dein Link finde ich argumentativ nicht überzeugend, Charlie. Da wird von "Ähnlichkeiten" gesprochen, da wird "interpretiert" und viel gesehen, was gar nicht da ist. Natürlich gibt es Antisemitismus! Genauso wie Antiislamismus. Letzterer ist für sehr viele Linke aber scheinbar gar kein Problem. Nur den Antisemitismus will man überall erkennen und sehen. In Strukturen, Analysen, geheimen Codes und Formeln. Das ist oft völlig überzogen.

Und nein, es gibt sehr wohl genaue Definitionen über die Gruppe der Antideutschen. Letztlich ist es ganz einfach: sie haben nichts gegen Antirussismus, Antiislamismus oder Antichinaismus, aber sehr wohl viel gegen Antisemitismus und Antiamerikanismus. Innerhalb der politischen Linken sind sie kein neues Phänomen und schon immer ein Problem gewesen, weil sie ständig für innere Unruhe sorgen und immer und überall linke Antisemiten sehen wollen. Gerne denunzieren sie dann auch politisch Aktive aus den eigenen Reihen und stellen sie öffentlich an den Antisemitismus-Pranger (was die bürgerlichen Medien natürlich gerne aufgreifen!). Ich habe das in meiner jugendlichen Politik-Arbeit sehr oft erlebt. Und genau deshalb bekennen sich viele schon gar nicht mehr öffentlich zu dieser Gruppe zugehörig. Weil der Begriff, durch ihre jahrelangen Denunziationen, komplett verbrannt wurde.

Interessant ist, dass der Beitrag ja eigentlich um Reformer vs. Revoluzzer ging. Das Thema der Antideutschen wurde nur sofort von vielen Kommentatoren aufgegriffen, weil ich das nebenbei beim Thema Ken Jebsen erwähnt habe (er ist für mich nach wie vor KEIN Antisemit! Aber natürlich bin ich einfach zu blöde, hier nicht die geheimen Codes, Formeln und Zeichen zu lesen, nicht wahr?^^). Scheinbar tummeln sich hier auf Deinem Blog so einige Sympathisanten dieser Gruppe herum. Sie fühlten sich alle sofort angesprochen. ;-)

Charlie hat gesagt…

@ Epikur: Ich diskutiere ja sehr gerne mit Dir. Allerdings fehlt mir aktuell die Grundlage. Wenn Du schreibst:

"Und nein, es gibt sehr wohl genaue Definitionen über die Gruppe der Antideutschen.",

dann aber jeglichen nachprüfbaren Beleg schuldig bleibst und wiederum nur "Hörensagen" und "persönliches Erleben" anführst, ist das doch nichts, worauf sich eine sinnvolle Diskussion aufbauen ließe. Außerdem ist es ziemlich daneben, dass Du Kommentare belächelst oder kritisierst, die auf eben das, was auch DU (!) hier eingebracht hast, eingehen. Ich will Dir da keine Absicht unterstellen - aber kannst Du dir vielleicht dennoch vorstellen, dass derartige Reaktionen nichts mit "Sympathisanten" zu tun haben, sondern vielleicht doch eher mit Deinen Äußerungen?

Du offenbarst durch Deine wiederholten Relativierungen nur Dein Unwissen - allein die groteske Gegenüberstellung "reiche Juden" und "reiche Inder, Amerikaner und Mexikaner" treibt mich schon in den Wahnsinn. Sind "Juden" nun - aus Deiner Sicht - eine "Rasse" oder ein "Volk"? Und sind "Inder", "Mexikaner" oder - hier tut es besonders weh - "Amerikaner" das ebenfalls? Was soll das? Du bist doch nicht so dumm, dass Du den Irrsinn dieser Stammtisch-Argumentation nicht erkennen kannst!

Mein Gehirn tut mir weh.

Liebe Grüße!

epikur hat gesagt…

Hier und hier und hier gibt es ausreichend Infomaterial über die Antideutschen. Auf die Konstrukte von Volk, Rasse, Volkskörper, völkisches Bewusstsein, Identität und so weiter gehe ich jetzt nicht weiter ein. Denn wenn ich behaupte, ich bin in Deutschland geboren, ist das in den Augen einiger Antideutscher ja bereits verkappter Nationalismus mit völkischem Bewusstsein, also rechtes Gedankengut. Dabei ist das zunächst eine sachliche und nüchterne Feststellung.

Charlie hat gesagt…

Ok, keine Antwort ist auch eine Antwort - ich habe keine weiteren Fragen mehr.

Troptard hat gesagt…

@Epikur,
ich gebe ja zu, dass der Vorwurf von völkischem Denken, versteckten oder offenem Antisemitismus, auch innerhalb der Linken auf heftige Gegenwehr stösst.
Wer möchte diesen Vorwurf schon für sich persönlich gelten lassen und insbesondere für die Linken, die dagegen ja angeblich immun sind.

Aus der Geschichte lässt sich allerdings etwas anderes herauslesen. Nun macht es für mich allerdings keinen Sinn, solche belegbaren Tatsachen mit dem Vorwurf des Antideutschen einfach wegzuwischen, nur weil er aus der Ecke der "üblichen Verdächtigen" kommt.

Besser wäre es doch, dieses Thema an Inhalten festzumachen. Und das ist in der Tat recht schwierig, weil das in der Regel in Schlammschlachten und Hass ausartet(Heinz Guess: Wider den Hass in linken Blogs) und dann auch noch grotesk wird, wenn den sog. Antideutschen Islamophobie vorgeworfen wird.

Ich zitiere hier Prof.Dr. Heinz Guess, der sich in seinem Blog Kritiknetz in zahlreichen Beiträgen mit dem Thema beschäftigt.

"Nicht sie, sondern die vehementen Kritiker dieser Ideologie und – selbstverständlich - die Judenrepublik Israel ziehen wie immer schon in Deutschland den Zorn der Mehrheit auf sich und werden als „Antideutsche“, „Verräter an der Sache“, „Spalter“, „Rechte“ oder wegen ihrer Kritik des antisemitischen Wahns im “heiligen Krieg gegen Israel“ als „islamophob“ und „neue Antisemiten“ gebranntmarkt, weil aus dieser Sicht Islamophobie als neue Form des Antisemitismus gilt."

Das war's dann auch von meiner Seite.







Charlie hat gesagt…

@ Troptard: Mit Verlaub - aber so etwas wie "Hass" kann ich hier nirgends entdecken (Wir sind hier schließlich nicht beim "Spiegelfechter" bzw. den "Neulandsozialdemokraten" :-)). Ich sehe lediglich einen frucht- und ergebnislosen Diskussionsversuch, der allerdings in Kleinbloggersdorf eher die Regel und leider keine Ausnahme darstellt.

Ich werde selbstverständlich auch weiterhin sehr gerne Epikurs Blog lesen, in dem er oft genug wirklich lesenswerte Texte veröffentlicht, sofern es nicht gerade um sein etwas schräges "Männerbild" geht. Jedenfalls ist für "Hass" hier kein Platz - ich musste bislang nur wenige Kommentare von LeserInnen löschen, die dieses humanistische Prinzip offensichtlich nicht verinnerlicht haben. Gerade bei einem solchen (Neben-)Thema ist das sowohl erstaunlich, als auch erfreulich.

Liebe Grüße!

Troptard hat gesagt…

@Charlie,
das ist doch auch gut so, sonst wäre ich hier schon längst weg.
Ich habe mich ja nicht auf Deinen Blog bezogen oder dem Epikur so etwas unterstellt.

Falls das missverstanden werden kann: Ich habe mich auf Heinz Guess bezogen und der hat da ein paar wenige Beispiele aus linken Blogs zitiert, was ihm zum Thema Israel alles vorgesetzt wird. Damit das nicht von meiner Seite überstrapaziert wird, nur ein kleines Beispiel aus seinem Text "Wider die Hasspropaganda in einigen linken Blogs" ohne Fehlerkorrektur.


Blog "Linksfraktion"

"Ja was dort geschieht, ist ein Holocaust. Und ja, wenn es eine Gruppe von Menschen gibt, die aus Auschwitz nichts aber auch absolut ganz und gar nicht gelernt haben, dann sind das die Zionisten. Die ein ganzes Volk ausrotten um einen rein ideologisch begründeten Phantasiestaat aufrecht zu erhalten, der völkerrechtlich nicht mehr ist als eine"Republik Freies Wendland". Allein der Begriff"Antisemitismus denm Friemann hier verwendet, ist zutiefst rassistisch die Juden sind eine Religionsgemeinschaft(die bzw. mit Israel nichts zu tun hat) und insbesondere kein Volk und keine"Rasse"

und Gruppe Kritische Theorie:

"Abgesehen davon ob das jetzt im zionistischen Gebilde geschieht oder nicht, das sogenannte "israel" ist ein illegales faschistisches von den imperialistischen Mächten kreiertes Gebilde, das abgeschafft gehört."

Hier der Link zum gesamten Text
http://www.kritiknetz.de/images/stories/texte/Geschichte_des_Judenhasses_in_Kurzform.pdf


Joffer Lamesch hat gesagt…

Mein lieber Charlie!

Heißt es in deinem Blogeintrag noch recht forsch und radikal:

"Der Kapitalismus – und das ist nun wahrlich keine neue Erkenntnis – kann nicht in "kleinen Schritten überwunden", sondern lediglich rückstandslos abgeschafft werden."

... des Weiteren, damit dies die letzten politisch völlig Unbedarften auch ja kapieren:

"Ist es denn so schwierig zu begreifen, dass es hier nicht um Frau gegen Mann, Alt gegen Jung, Veganer gegen Fleischesser oder Gottesfürchtige gegen Atheisten geht, sondern um das absolut existenzielle Thema Menschheit / Natur gegen den Kapitalismus und dessen winziges Grüppchen der elitären Nutznießer?"

wird keine 3 Kommentare weiter exakt eines dieser "winzigen Grüppchen der elitären Nutznießer" - in Gestalt von anglo-amerikanischer Private-Equity-Fonds - gegen die karikative Darstellung als blutsaugende Moskitos in einer Gewerkschaftszeitung[sic!] heroisch von dir in Schutz genommen:

Charlie hat gesagt…
Von hierher ist es nicht mehr weit zu der faschistischen Parole "Die Amis (bzw. Juden) sind unser Unglück".


Nicht nur das, der liebe Charlie schafft es auch noch, berechtigte Kritik an diesen ausbeuterischen Methoden des privaten Kapitals mit der Judenhetze eines Julius Streichers gleich zusetzen.

Desaströser kann der Zustand deiner "linken Kritik" nun wirklich nicht mehr sein.
Bei dir hilft auch keine Reform mehr, geschweige denn jemals eine Revolution!

Charlie hat gesagt…

@ Joffer: Du kannst wirklich gut zitieren - besitzt Du gar ein Diplom in diesem Fachbereich? ;-) Ansonsten ist Dein Einwurf so gehaltvoll wie die "BLÖD am Sonntag". Wenn Dir - logischerweise - die Argumente fehlen, um Dein Dogma zu untermauern, solltest Du dich besser nicht äußern, sondern Deine Zeit doch besser in einer gut sortierten Bibliothek verbringen. :-) Ich versichere Dir: Du kannst da eine Menge lernen.

Liebe Grüße!

Arbo hat gesagt…

@Charlie: Sorry, wenn ich Dir hier mehr oder minder die Schlagworte für das Abdriften geliefert habe.

Nur zur Erklärung.

Antideutsche: Dadurch, dass z.B. die NDS immer eine 'antideutsche' Verschwörung herbeiorakeln, kommst Du nicht um das Thema drumherum. Tatsächlich gibt es diese 'Antideutschen', die ideologisch motiviert 'Antisemitismus' herbeikonstruieren. Gerade weil es aber auch echte Antisemiten bzw. einen strukturellen Antisemitismus gibt (wie es auch strukturellen 'Rassismus'), ergibt ich daraus ein nicht immer einfach zu durchschauender Sumpf. Das halte ich für ein echtes Problem bzgl. Deines Themas "linke Kritik". Ich meine, wie willst Du denn heute z.B. auch den jungen Leuten helfen, die Spreu vom Weizen zu trennen? Sich hinzustellen und zu sagen "Hey, ihr lasst Euch nur eine alte Diskussion aufschwatzen" oder "Das ist doch Schnee von gestern" hilft in der konkreten aktuellen Situation wenig.

Bzgl. Antisemitismus: Deinen Kommentaren zum Thema (vom 20.03.) stimme ich zu. Und Epikur hat in seinen Kommentaren auch einen Zungenschlag, der mir ganz gefällt. Bei mir hat's aber einen ganz realen Hintergrund, warum ich das aufgegriffen habe. Ich find's nämlich ziemlich schräg, wenn Du z. B. ganz seriös beim Thema Islamische Wirtschaftsethik auf das Zinsverbot zu sprechen kommst und Dir dann pauschal entgegnet wird, das sei antisemitisch - weil Zinsverbot immer gegen "Juden" sei und sowieso Islam = Muslim = Araber = antisemitisch. Wenn dann automatisch die Verkürzung "Zinsverbot = Antisemitismus" im Raum steht, ist das schon inhaltlich dämlich, weil bereits die alten Griechen nicht viel vom Zins hielten. (Wenn Du darauf hinweist, ist dann erstmal betretenes Schweigen angesagt...) Du stehst dann letztlich immer im Kontext genau dieser Antisemitismus-Konstruktion, wenn Du z.B. wachstumskritisch alternative Wirtschaftsformen untersuchst oder propagierst. Das heißt nicht, dass es nicht auch Antisemiten gibt, die versuchen, unter diesem Deckmantel fröhliche Urstände zu feiern. Kürzlich - ich glaube in der ZEIT - gab's mal einen sehr interessanten Artikel über Neurechte, die irgendwo in Brandenburg oder MeckPom auf alternatives Wirtschaften machen. Da muss also genau hingeghört, gelesen usw. werden. Aber ich find's gerade auch im linken Diskurs um alternative Wirtschaftsformen zum "Kapitalismus" kontraproduktiv und von der Wirkung her desasteriös, wenn Du immer in der Gefahr stehst, dass Dir da jemand einen Antisemitismus-Vorwurf herbeikonstruiert.

LG
Arbo

Arbo hat gesagt…

Mist, das Schreiben im kleinen Kommentarfenster ist echt nicht förderlich für mich... mal abgesehen von meiner Grammatik oben (bitte mal wieder als Ausdruck künstlerischer Freiheit verstehen) ist mir beim Ändern/Kürzen/Umformulieren hier im "Schreibkasten" noch ein Fehler passiert. Im zweiten Punkt oben müsste es richtig heißen:

>>Deinen Kommentaren zum Thema (vom 20.03.) stimme ich zu. Und Epikur hat in seinen Kommentaren auch einen Zungenschlag, der mir [NICHT] gefällt.<<

Charlie hat gesagt…

@ Arbo: In aller Kürze: Zinskritik ist Bullshit. Wenn es den Kapitalismus und damit selbstverständlich auch dieses Geldsystem und insbesondere die herrschenden Besitzverhältnisse nicht mehr gäbe, wäre das Thema unverzüglich obsolet. Du kommst doch auch nicht auf den absonderlichen Gedanken, Überlegungen darüber anzustellen, wie Du das zunehmende Laufen der Nase nachhaltig unterbinden kannst, während Dir der Schnupfen am Allerwertesten vorbeigeht.

Der Zins ist lediglich ein Symptom des Kapitalismus (und noch nicht einmal ein sonderlich wichtiges) und hat mit den Ursachen und Hintergründen nichts zu tun. Das habe ich in den vergangenen Jahren indes auch erst mühsam lernen müssen, denn in der Schule oder an der Uni gibt's dazu in der Regel keine sinnvollen Informationen. Die muss man sich (möglichst nicht im Internet) eigenständig anlesen.

Seit Jahren kursiert im Netz ein ominöses, millionenfach angeschautes Video zu dem Thema, das vom "Goldschmied Fabian" handelt (ich verlinke das nicht). Wenn Du dir das anschaust, wirst Du Zeuge des strukturellen Antisemitismus in seiner reinsten, schlimmsten und leider sehr weit verbreiteten Form.

Ich kann auch nicht erkennen, was so schwierig daran sein sollte, "echte" Kapitalismuskritik von rechtem Bullshit zu unterscheiden. Eigentlich muss man sich dazu nur die altbekannte "verschwörungstheoretische" Frage stellen: "Cui bono?", und wenn die Antwort "das deutsche Volk" oder ähnlich dumpf lautet, ist die Sachlage doch sofort klar. Das Bildchen von der IG Metall, das der Altautonome oben verlinkt hat, illustriert das sehr anschaulich.

Im übrigen ist Dir wohl ein kleiner Denkfehler unterlaufen, denn wenn vom "Zinsverbot" die Rede ist, hat das auch in rechtsradikaler Hinsicht nichts mit Antisemitismus zu tun - ganz im Gegenteil wird in diesen braunen Kreisen ja der Zins mit dem Judentum verknüpft, und nicht dessen Verbot. Auf der anderen Seite ist dieser Gedanke auch deshalb unsinnig, da ein perverses System wie der Kapitalismus, das auf endlosem Wachstum auch der Geldvermögen fußt, ja unweigerlich auf eine Erfindung wie den Zins und das "Giralgeld" angewiesen ist. Ansonsten dauerte es keine 60, 70 oder 80 Jahre, bis das System regelmäßig kollabieren muss, sondern nur ein paar Monate oder wenige Jahre.

Ähnlich gelagert sind "alternative Wirtschaftsformen" jedweder Art, die das kapitalistische System bzw. die Besitzverhältnisse an sich ebenfalls nicht in Frage stellen. "Fair trade" ist genauso dummer Bullshit wie der Versuch, "alternative" (und dennoch zusätzliche) Währungen zum herrschenden Geldsystem zu etablieren. So etwas kann sich eigentlich nur jemand ausdenken, der nie gelernt hat, gelegentlich mal ein Auge über den eigenen Tellerrand hinauszuwerfen.

Liebe Grüße!

Arbo hat gesagt…

@Charlie: Naja, wenn Du das als Bullshit bezeichnest, dann müssten wir wohl mal darüber reden, was Du unter "Kapitalismus" verstehst. Das Fass will ich hier nicht aufmachen. Ich will mir nur den Hinweis erlauben, dass die Problematik, aus Geld Geld zu machen seit den ollen Griechen bekannt ist. Mir selbst ist durchaus bewusst, dass auch bei den Griechen betriebswirtschaftlich gedacht wurde. Aber aus Historiker-Kreisen gibt's das durchaus berechtigte Argument, dass wir ggf. nur unsere Verhältnisse auf vergangene Verhältnisse anwenden und Vergangenes entsprechend interpretieren. Das würde ich nicht so einfach vom Tisch wischen.

Zudem halte ich das, was Du mit den ominösen Videos meinst, auch für Bullshit. Aber das ist überhaupt nicht das, auf was ich mit dem Schlagwort "Zinskritik" abzielte.

Gemeint war, dass es - wenn Du in die Vergangenheit schaust - immer schon Überlegungen gab, mit dem, was "Wucher" genannt wird (und was letztlich mE ein Zinsproblem ist), umzugehen. Jetzt kannst Du Dich besserwisserisch auf die Position zurückziehen und sagen: Bätsch, seid ihr blöd, das ist Kapitalismus und wenn ihr den abschafft, seid ihr auch die Zinsprobleme los; alles andere ist nur sinnlose Flickenschusterei.

Kann mensch so sehen. Mit dem Argument lässt es sich auch gut und langfristig in der missverstandenen Kritikerloge einrichten. Im Kern ist das für meinen Geschmack aber auch etwas wohlfeil. Denn willst Du Arbeitsteilung und Geld abschaffen? (Ich habe hier sehr wohl wahrgenommen, dass Du von "diesem Geldsystem" geschrieben hast, ich meine hier generell Geld als Tausch-, Rechen- und Wertaufbewahrungsmittel.) Willst Du von heute auf morgen alle Marktkontakte abbrechen? Denkst Du wirklich, dass Du es ohne Transformationsstadien in humaner Art und Weise hinbekommst, Dich von den real existierenden kapitalistischen Abhängigkeiten zu lösen?

Gut, das sind auch Fragen, mit denen ich von meinem eigentlichen Anliegen abdrifte. Also besser in einem anderen Beitrag.

Arbo hat gesagt…

-->Fortsetzung:


Mir selbst ging's mit meinem Hinweis bzgl. Zins nämlich nur um den Aspekt, dass mit den jeweiligen Auswüchsen (Wucher) versucht wurde, irgendwie umzugehen. Das hast Du z. B. im Islam über "repressive" Maßnahmen wie Verbote bzgl. Zins (wobei es im Detail auch Streitigkeiten gibt, was genau usw.) und bestimmte Geschäfte; aber auch bis hin zu bestimmten Geschäftsformen (Beteiligungen etc.). Dass das real anders ausschaut, ist mir natürlich auch klar. Andere Dinge, die in diesem Kontext eine Rolle spielen sind wirtschaftliche Organisationsformen, die eben nicht marktwirtschaftlich - also auf Konkurrenz und Ausbeutung basierend - organisiert sind und die Abhängigkeit vom Markt in Grenzen halten. Damit meine ich nicht FaiTrade (wenngleich manche Wirtschaftsformen solche Aspekte in sich tragen können). Die Diskussion um "Postwachstum" ist zum Teil auch Trend, also nicht von diesem Schlagwort triggern lassen. Denn zum Teil hast Du dort auch die aktive Suche nach Möglichkeiten, ohne Wachstum zu wirtschaften, weil darin u.a. der "Zinsmotor" gesehen wird.

Das alles kannst Du für Bullshit halten und damit den Großteil alternativer Lebensformen - vom Wohnraumsyndikat bis hin zu FoodCoops - entsorgen. Was ich nun aber wiederum als einen extremen Schuss ins Knie bzw. einen wahrlichen Bärendienst verstehe, ist, wenn irgendwelche Schwachköppe meinen, Begriffe wie "Zins", "Zinskritik" und "Zinsverbot" oder auch jegliches Vermeiden von "Zins" wäre automatisch antisemitisch. Nur, weil da irgendwelche Ökos versuchen, regional in Genossenschaftsformen oder "Kommunen" zu wirtschaften und die üblichen "Zinsabhängigkeiten" und "Zinswachstümer" zu vermeiden, sind das doch keine Antisemiten. Ähnlich dämlich ist, wenn ich große Transportwege für Obst und Gemüse vermeiden will, daher Grünzeug aus Südafrika, Südamerika, aber auch aus Israel vermeide, mir wegen Letzterem Antisemitismus angehängt wird.

Wie gesagt, das kannst Du lächerlich und Bullshit finden. Aber Bullshit, weil das Deiner Meinung nach wirklungslos ist, das ist nochmal etwas ganz anderes als antisemitisches, fremdenfeindliches usw. Agitieren. Und ich finde ein Klima bedenklich, in dem Hemmnisse existieren, alternative Wirtschaftsformen (als alternative Wirtschaftsformen zu kapitalistischen Wirtschaftsformen - oder auch, in Deinen Augen sicher wirkungslose, Regulierungsmaßnahmen - zu diskutieren. (Das ist übrigens kein reines Problem bzgl. Antisemitismus, Du kannst ähnliche Probleme bzgl. feministischer Perspektiven erleben; mit "postkolonial" will ich gar nicht erst anfen.) Ein solches Klima kann doch nicht Sinn der Sache sein, oder?

Ich schreibe das auch deshalb, weil ich den Eindruck habe, dass es in diesem Klima auch schwerer ist, den echten Blödsinn als solchen zu entlarven. Und genau das ist mE auch ein Grund, warum sich die "linke Kritik" in einem solch destateriösen Zustand befindet.

LG
Arbo

altautonomer hat gesagt…

arbo: "Begriffe wie "Zins", "Zinskritik" und "Zinsverbot" oder auch jegliches Vermeiden von "Zins" wäre automatisch antisemitisch. Nur, weil da irgendwelche Ökos versuchen, regional in Genossenschaftsformen oder "Kommunen" zu wirtschaften und die üblichen "Zinsabhängigkeiten" und "Zinswachstümer" zu vermeiden, sind das doch keine Antisemiten."

Voll daneben. Niemand argumentiert hier so. Sondern: Das Gegenteil wird behauptet. Es geht nämlich um eine schräge Form der Kapitalusmusktirik, indem zwischen raffendem und schaffendem Kaptal unterschieden wird. Sie bietet der kapitalistischen Mehrwertproduktion einen Schutzraum, indem sie die Schicht in der Fabrik oder auf dem Bau als das Produktive heilig spricht, und schiebt alles Ungemach auf die Finanzen und damit auf ein Bündel von antisemitisch konnotierten Krisenbegriffen: Spekulation, vagabundierende Finanzen, globale (internationale) Finanzen, Banken, Börsen, Wallstreet, New York, Zinsen.

Die Trennung des Kapitalismus in den schaffenden und raffenden Sektor war bereits für die NS-Ideologie elementar, um die Massen an den »arischen« Wirtschaftsführer zu binden und Juden als zinstreibende, sich ohne Arbeit bereichernde Schmarotzer zu stigmatisieren. Halt so wie »in der Tier- und Pflanzenwelt das schaffende und das parasitäre Prinzip vertreten ist«, sagte der NS-Ideologe Alfred Rosenberg.

40,5 Prozent der Deutschen stimmen der Aussage zu, dass Israel »die Palästinenser im Prinzip so behandelt, wie die Nationalsozialisten die Juden«. Wer den Umstand, dass 20 Prozent der israelischen Bevölkerung Palästinenser sind, die in Israel arbeiten, studieren, zur Armee gehen, Richter sind, heiraten, Auto fahren, wohnen, baden, feiern, zur Schule gehen, Rente beziehen und sich ebenso vor Selbstmordattentätern fürchten wie Juden, gleichsetzt mit der systematischen Vernichtung aller Juden auf der Welt, ist von einer unheimlichen Mixtur aus Blödheit, Verbitterung, Vorurteil und Hass gezeichnet.

Quelle: http://www.rainertrampert.de/artikel/die-herren-der-zinsen

Um aber mal auf das Thema von Charlie zurückzukommen, das ja gerade nicht den Antisemitismus der Linken bzw. die Antideutschen zur Diskussion stellt: Es ist Verschwendung in mehrfacher Hinsicht, wenn ich versuchen würde, Reformlinke mit meinen Argumenten und Erfahrungen zu überzeugen, die lieber "besorgte Bürger" wieder auf den Pfad der Tugend zurückholen würden, als sich mit ihren eigenen Widersprüchen auseinanderzusetzen. Bei den Simultandemokraten Püntes und den HdS wird man dann ruckzuck gesperrt, wenn sie nicht mehr weiter wissen. Ein anderer, von befreundeten Bloggern gern verwendetes Stilmittel der kognitiven Verweigerung ist die Ignoranz von veröffentlichten Kommentaren (sie lassen sie ins Leere laufen mit der Begründung, dass sie sie in Ordnung fänden, wenn nicht widersprochen wird).

Charlie: Als sensibler und die Klinge der Diffrenzierung souverän führender Blogger solltest Du vielleicht über Veganer nicht so pauschal urteilen. Es gibt da nämlich sonne und sonne (!). Selbst für einen unverbesserlichen und schwer erziehbaren ethisch motivierten Vegetarier und Veganerversteher wie mich hat dieser Text wichtige neue Informationen über diverse Veganerfraktionen enthalten:

Arbo hat gesagt…

@altautonomer:

>>Voll daneben. Niemand argumentiert hier so.<<

Habe ich auch nicht behauptet. Vielleicht besteht darin das Missverständnis. Das was ich geschrieben habe, bezog sich nicht auf den Blog hier, sondern darauf, wie ich es zum Teil erlebt habe und manch Argumentation in der Konsequenz dann hinführt. In gewisser Weise bin ich ja "vom Fach". Und ich hab's so z. B. schon einmal in einem Seminar erlebt (einfach nur Islamisches Wirtschaften vorgestellt und schon kam - wie auf Zuruf - der Vorwurf "Antisemitismus").

>>Die Trennung des Kapitalismus in den schaffenden und raffenden Sektor war bereits für die NS-Ideologie elementar, um die Massen an den »arischen« Wirtschaftsführer zu binden und Juden als zinstreibende, sich ohne Arbeit bereichernde Schmarotzer zu stigmatisieren. Halt so wie »in der Tier- und Pflanzenwelt das schaffende und das parasitäre Prinzip vertreten ist«, sagte der NS-Ideologe Alfred Rosenberg.<<

Da hast Du Recht. Aber gestatte mir bitte den Hinweis, dass es die Trennung zwischen "schaffendem und raffenden Sektor" (und nur darauf beziehe ich mich jetzt) schon weit vor den Nazis gab. Aristoteles unterschied zwischen "Ökonomie" und "Chrematistik", die französischen Physiokraten zwischen produktivem und unproduktivem Kapital.

Wenn heute am sogenannten Finanzkapitalismus kritisiert wird, dass dort nur Geldblasen herumgeistern, die nichts mit "realen Werten" zu tun haben, läuft das auch auf diese Sicht auf "schaffenden und raffenden" Sektor hinaus.

Ich will Dir jetzt nicht unterstellen, diese Trennung automatisch mit dem Dritten Reich in Verbindung zu bringen. Ich will damit nur illustrieren, dass wir halt sehr genau hinschauen und -hören müssen, um's konkret einordnen zu können und z. B. konkrete antisemitische Strukturen/Argumente aufzudecken. Wie gesagt, manchmal habe ich den Eindruck, dass dies das Diskussionsklima nicht zulässt.

>>Es ist Verschwendung in mehrfacher Hinsicht, wenn ich versuchen würde, Reformlinke mit meinen Argumenten und Erfahrungen zu überzeugen, die lieber "besorgte Bürger" wieder auf den Pfad der Tugend zurückholen würden, als sich mit ihren eigenen Widersprüchen auseinanderzusetzen.<<

Das geht im Kern an meinem eigentlichen Problem vorbei. Mir geht's darum, wie Leuten, die nicht so tief in der Diskussion drin stecken, oder eben Jugendlichen eine Orientierung gegeben werden kann. Wenn Du sagst, dass das Zeitverschwendung ist, dann kannst Du das so sehen. Aber auf Dritte wirkt das dann wie eine dogmatische Verstockung. Es mag zwar für weniger graue Haare sorgen, wenn Du das einfach abgeblockst und Dich dem Dialog verweigerst, am Ende könnte es aber sehr gut sein, dass Du als orthodoxer Linker durchgehst, der links liegen gelassen wird - ohne auch nur Argumente gehört zu haben. Und dann bist Du zumindest zum Teil selbst dran schuld.

LG
Arbo

altautonomer hat gesagt…

Hier noch der Link für Charlie:

http://www.konkret-magazin.de/aktuelles/aus-aktuellem-anlass/aus-aktuellem-anlass-beitrag/items/kann-spuren-von-empathie-enthalten.html

Ab "unpolitisch korrekt"!

altautonomer hat gesagt…

Schwerdenker La Puente und die SPD - gefunden bei den neulandrebellen 21.03.2017:

Erst meinte er:
"Jedenfalls: Ohne SPD keine linke Alternative – dieser Satz ist jetzt explizit nicht tagespolitisch gemeint. Das ist eine ganz grundlegende Sentenz."


Später dann:
Roberto J. De Lapuente
Man sollte Parteien schon dynamischer betrachten. Nichts ist gezwungenermaßen festgefahren. Ich sage nicht, dass die SPD sich ändert. Ich sage aber: Sie könnte es.


schwitzig
Gast
schwitzig
@Roberto J. De Lapuente
Du meinst, dass die AfD oder die NPD auch mal eine Option wären?

der Doctor hat gesagt…

@Anonym,19.März,:
In Ordnung, dann habe was in den falschen Hals bekommen.
nichts für Ungut

@Andre: akzeptiert und Entschuldigung


@Charlie:

Ich habe oben belegt, das das Zerrbild vom raffenden,schachernden Juden ein Vorurteil ist.Es m.E. nicht sonderlich glaubwürdig Antisemitismus-Vorwürfe ihrerseits auf einem antisemitischen Vorurteil aufzubauen, will sagen, wenn man reflexartig Begriffe wie "Finanzwirtschaft" oder "Finanzmarkt-Kapitalismus"mit "Finanzjudentum" assoziiert, dann muss man ja dieses Vorurteil vom raffenden jüdischen Geldverleiher selber latent im Kopf haben(wenn vielleicht auch ungewollt), sonst würde man eine solche Kausalität nicht entwickeln.

Ich empfehle ,sich davon frei zu machen, und einfach mal folgendes zu überlegen:du bist, völlig zurecht,Kapitalismus-Kritiker,und ich stimme dir darin auch durchaus zu.Nun ist aber doch das , was Hedgefonds, Investmentbanken,Private-Equity-Gesellschaften, etc. tun, purer Kapitalismus in seiner übelsten Form. Und den soll man jetzt nicht kritisieren, weil es angeblich Antisemitismus ist?

Du schreibst im Text:
"Menschheit / Natur gegen den Kapitalismus und dessen winziges Grüppchen der elitären Nutznießer?"

Erstens:Könnte man, wenn man böse ist,das auch als antisemitisch bezeichnen, weil man hinter dem kleinen Grüppchen der elitären Nutznießer ja auch ein anderes Wort für "Finanzjudentum" vermuten könnte.Merkst du was?

Ich weiß natürlich, das es nicht so ist, weil es sowas wie ein Finanzjudentum gar nicht gibt, und ich weiß , wie es gemeint ist,aber du siehst, wenn gewisse Leute das in den falschen Hals bekommen, bist du plötzlich auch ein Antisemit,obwohl du mit Judenhass nichts am Hut hast.

Allerdings , wenn das so ist, warum soll denn die Gleichsetzung von Finanzwirtschaft mit "Finanzjudentum" plausibler sein, zumal es sich

Zweitens, ja bei dem elitären Grüppchen der Nutznießer des Kapitalismus um die Inhaber von Finanzkonzernen (Investmentbanken, Hedgefonds, etc. ) handelt.


Freilich kann man über Sinn und Unsinn von Zinskritik Diskutieren, auch das diese zu kurz greift.Ebenso Kann man auch die Finanzwirtschaft nur als Symptom der Krankheit Kapitalismus sehen,und Kritik daran kritisieren, weil der Kampf dem kapitalistischen System selbst gelten sollte.

Allerdings muss man dann auch sehen, das die Finanzwirtschaft mit der produzierenden wirtschaft eng verzahnt ist, was sich allein daran zeigt, das in vielen Unternehmen Hedgefonds, Investmentbanken oder Private Equity-Gesellschaften Anteilseigner sind, und entscheidenden Einfluss auf die Geschäftspolitik haben.Dies geht hier bis zur öffentlichen Daseinsvorsorge (Post, DSD, etc..)

So gesehen könnte man auch anders argumentieren, das Kapitalismus-Kritik zu kurz greift, wenn man die Finanzwirtschaft außen vor lässt, weil letztere an den schlimmsten Auswüchsen des Kapitalismus maßgeblich beteiligt, bzw. dafür verantwortlich ist, aber das kommt auch auf den eigenen Standpunkt an.

Ich hoffe ,ich konnte ein paar Denkanstösse liefern.

Ansonsten noch sorry für die verspätete Antwort.Ist einfach n´Zeitproblem

L.G.,der Doctor



Charlie hat gesagt…

@ Altauto: Danke für den Link. Allerdings habe ich persönlich dort nichts neues erfahren - ich habe ja nicht aus Zufall gerade nicht von "den Veganern", sondern von "Veganapologeten" gesprochen. Damit sind eben die missionierenden PriesterInnen dieser Fraktion gemeint und nicht die große "Gemeinde" der toleranten Menschen, mit denen ein "Wenig-Fleisch-Esser" wie ich ganz wundervoll - und nebenbei auch völlig selbstverständlich - auskommt. :-) Du kennst meine Haltung zu diesem Nebenthema aus diversen Gesprächen doch.

Liebe Grüße!

Charlie hat gesagt…

@ Doctor: Ich darf noch einmal daran erinnern, dass weder "Antideutsche", noch "Antisemitismus" Themen meines Ausgangspostings waren. Ich habe meiner Verwunderung darüber, dass diese Begriffe dennoch recht schnell in den Kommentaren aufgetaucht sind, schon Ausdruck verliehen.

Eigentlich möchte ich an dieser Stelle dazu nichts mehr schreiben. Ich erinnere nur ganz generell daran, dass es eine Vielzahl von sprachlichen Ausdrücken, mafiösen Strukturen, elitären "Rassegedanken" und auch Symbolen lange vor der nationalsozialistischen Mörderbande gegeben hat. Das ändert aber nichts daran, dass die braune Brut die meisten davon nachhaltig "verbrannt" hat. Ein Hakenkreuz oder die "SS"-Runen kann man heute ebensowenig losgelöst vom deutschen Faschismus betrachten wie die Begriffe "völkisch" oder eben "internationale Finanzwirtschaft" - auch wenn sie allesamt wesentlich älter sind als der Nationalsozialismus.

Gerade in letzterem steckt aber auch unabhängig davon so viel ekelhaftes Gedankengut, dass man sich sehr genau überlegen sollte, einen Ausdruck wie "internationale Finanzwirtschaft" zu benutzen. Schließlich war und ist das Internationale darin diffamierend gemeint und wird unweigerlich einem ominösen "guten" nationalen Gegenpart gegenübergestellt, da der Hinweis auf das "Internationale" (im faschistischen Sinne also das "Vaterlandslose") ansonsten gar keinen Sinn ergäbe - da braucht es noch nicht einmal den Verweis auf Juden, um das abgrundtief Widerwärtige darin zu erkennen.

Die "elitären Nutznießer" des kapitalistischen Systems sind nicht "international", sondern konkrete Individuen. Es sind Deutsche, Russen, Amerikaner, Franzosen, Chinesen, Japaner ... - es ist völlig sinnlos, dieses kleine Grüppchen, das zwar gerne "global" agiert, dennoch aber nicht global und erst recht nicht homogen ist, mittels eines Nonsens-Begriffs wie dem oben genannten zusammenfassen zu wollen.

Es gibt in der Tat "internationale Konzerne", die dank des völlig perversen Börsensystems inzwischen oft tatsächlich unterschiedlichen Eignern aus verschiedenen Teilen der Welt gehören. Die Eigner selbst indes bleiben ganz konkret zu benennende - und anzuklagende! - Menschen, die so "international" sind wie Herr Schmidt und Frau Scholz von nebenan. Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass manche von denen aus purer Habgier gerne mal - oft nur scheinbar - den Wohnsitz wechseln. Das kennen wir auch im kleineren Rahmen: Bekanntlich lebt beispielsweise der von öffentlich-rechtlichen Rundfunkgebühren zum lächerlichen Multimillionär aufgeblasene Thomas Gottschalk seit Jahren (wohl aus "Steuergründen") in den USA - ist er aber deshalb nun ein "Internationaler"?

Man muss auf die Wortwahl achten, wenn man den braunen Gesellen - wenn auch unabsichtlich - nicht auf den Leim gehen möchte.

Liebe Grüße!

Anonym hat gesagt…

"Niemand hat die Absicht, antisemitische Karikaturen, bzw. ein Bild mit Martin Schulz und Hakennase zu veröffentlichen."

http://www.bento.de/politik/afd-bildet-martin-schulz-mit-hakennase-ab-1257285/#ref=ressortblock

Der Doctor würde jetzt sagen: Hakennasen haben nichts mit Juden zu tun, es gab sie auch schon bei den Ägyptern. Ja ne, is klar.

Lamesch hat gesagt…

Mein lieber Charlie!

Ein Hakenkreuz oder die "SS"-Runen kann man heute ebensowenig losgelöst vom deutschen Faschismus betrachten wie die Begriffe "völkisch" oder eben "internationale Finanzwirtschaft"

Nur mal so ganz nebenbei:
"Internationale Finanzwirtschaft" - nach deiner Definition von der 'braunen Brut nachhaltig "verbrannt"' - ist ein Studiengang aus dem Bereich Wirtschaft, Recht, Sozialwissenschaften und der Fachrichtung Finanzmanagement zugeordnet. Ob dieser nun bevorzugt von 'nationalsozialistischen Mörderbanden' belegt wird, wage ich auf deinem Narrenschiff öffentlich zu bezweifeln.
Du darfst aber gerne deinen Master of Management Sciences - Internationale Finanzwirtschaft (deutsch-französischer Studiengang) z.B. an der 'Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes - Campus Alt-Saarbrücken' absolvieren. Nach schlappen 4 Semester Vollzeit bist du danach ganz sicher noch besser gewappnet, deiner antifaschistisch unbedarften internationalen Leserschaft, noch dezidierten deutlich zu machen, welches "ekelhafte Gedankengut" in diesem Ausdruck wie "internationale Finanzwirtschaft" selbstverständlich noch so steckt, um auch ganz sicher "das abgrundtief Widerwärtige darin zu erkennen". Nur Mut!

Kleiner dezenter Hinweis am Rande:
Lieber Charlie, heute ist nicht der 30. Januar 1933!
Nach meinem Kalender war gestern der kalendarische Frühlingsanfang 2017. Du kannst also unbesorgt mal wieder an die frische Luft gehen. Keine Bange, vor deiner Türe steht weder der Russe noch der Reichskanzler Björn Höcke - Isch schwöre!

Internationale Grüße von einem ganz im faschistischen Sinne vaterlandslosem Gesellen - ❝Ni dieu ni maître !❞

Charlie hat gesagt…

Ach Lamesch, mein kapitalistischer Freund: Hast Du nicht noch weitere Stilblüten dieser Art parat? Ich bin bestimmt nicht der einzige, der die Lektüre kaum erwarten kann. :-)

Es ist in der Tat ein unschlagbares Argument, dass eine esoterische Pseudowissenschaft heute wie selbstverständlich Nazi-Begriffe benutzt - dann können sich alberne Historiker und Literaturwissenschaftler ja nur irren, gelle. Dagegen komme ich kleines Licht einfach nicht an.

Besitzt Du eigentlich auch eigene Gedanken, die Du dir ohne Nachplappern angeeignet hast, oder beschränkt sich Dein Wissen tatsächlich auf munter vorgekautes Zeug aus dem Bullshit-Bingo ("Management Sciences")? Du wirst es nicht glauben - aber auch Dein Gehirn ist zu eigenständigem Denken fähig, sofern Du einige Jahre in einer gut sortierten Bibliothek verbrächtest.

Es gibt in der Esoterik beispielsweise auch Lehrstühle für "politische Ökonomie" (sic!), wo es unter anderem zu solch hanebüchenen "Lehrmeinungen" bzw. Fragestellungen kommt:

"Exploitation of workers, factory farming, land grabbing and child poverty: How can we achieve more sustainable solutions? / Questions of this kind will be studied in our block seminar."

Damit sind wir endlich wieder beim unsäglichen Thema der "Zähmung" des kapitalistischen Systems ohne Berücksichtigung der Ursachen - diesmal in der "wissenschaftlichen" - also, nach Deiner Meinung, nicht hinterfragbaren - Variante.

Dem ollen Adorno wird ja der Spruch nachgesagt: "Ich fürchte mich nicht vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Faschisten, sondern vor der Rückkehr der Faschisten in der Maske der Demokraten." - Ich befürworte es nachdrücklich, dass Du dir diese Worte auf den Spiegel schreibst, in den Du allmorgentlich schaust, wenn Du dir die Zähne putzt.

Liebe Grüße!

Lamesch hat gesagt…

Mein lieber Charlie!

"Hast Du nicht noch weitere Stilblüten dieser Art parat?"

Nun, wenn du schon so fragst, wie wär's mit dieser:
๑» ❧ «๑
Charlie hat gesagt…
"Der Kapitalismus – und das ist nun wahrlich keine neue Erkenntnis – kann nicht in "kleinen Schritten überwunden", sondern lediglich rückstandslos abgeschafft werden."

~~~
Kapitalismus jetzt in kleinen Schritten "überwunden" oder "abgeschafft" ist doch Jacke wie Hose, Hauptsache wech den Scheiß!
Das "rückstandslos" ist dann lediglich nur noch eine technische Frage. Du kannst ja schon mal mit deinem kapitalistischen Wohlstandsmüll anfangen, ich spendiere dir auch gerne ein paar Müllsäcke.
Aber bitte erst am Tag der Abholung vor die Türe stellen, sonst gibt es noch mächtig Ärger mit dem Komitee für Igelschutz. Gelle!

Charlie hat gesagt…

@ Lamesch: Falls Dein Kommentar darauf abzielt, meine Formulierung der "rückhaltlosen Abschaffung" des Kapitalismus als Tautologie, Pleonasmus oder gar Oxymoron zu klassifizieren, liegst Du damit ausnahmsweise gar nicht so weit daneben. Ich erkläre Dir jetzt aber dennoch nicht, weshalb ich diese Worte gewählt habe - mit etwas Nachdenken kommst Du gewiss (hoffentlich) auch ganz von alleine darauf. ;-)

Hast Du denn ansonsten tatsächlich nichts Sinnvolles, möglicherweise gar Themenbezogenes zu sagen? Mir tut das ja schon fast leid! Hast Du wirklich eine so große Angst davor, dass der böse Kommunist Onkel Charlie Dir dein Dumpf-Phone oder Deinen kreditfinanzierten Opel oder BMW wegnehmen möchte? Ich kann Dir versichern, dass Du beides ebenso behalten darfst wie den Rest des albernen Konsumkrempels, wenn ich endlich Kanzler bin. :-) Warm anziehen müssen sich dann bloß die Quandts, Mohns, Klattens, Schwarzens, Albrechts und wie sie alle heißen, denn die werden ihre erbeuteten und abgepressten Milliarden verlieren.

Und nun schließen wir dieses Kapitel an dieser Stelle bitte.

Liebe Grüße!