Freitag, 7. April 2017

Kapitalismus: Das Geschäftsmodell Korruption


Die Bezeichnung "korrupter Minister" ist im Kapitalismus im Grunde ein Euphemismus. Es ist schlichtweg unmöglich, in diesem verkommenen System länger- oder mittelfristig ein politisches Amt – zumal auf Ministerebene – zu bekleiden, ohne korrupt zu sein. Die Beispiele sind inzwischen längst Legion, und diese Erkenntnis ist so neu wie das heliozentrische Weltbild aus dem 17. Jahrhundert.

Das hindert die habgierige Bande der heutigen kapitalistischen Politmarionetten aber nicht daran, unbeirrt weiterzumachen und sich die Bezahlung für ihre devoten Hurendienste nachträglich abzuholen. Ein weiteres Beispiel aus dieser langen, sehr langen Reihe der offensichtlich gekauften Mandatsträger ist der ehemalige Kriegsminister Franz Josef Jung (CDU), über den beim WDR jüngst zu lesen war:

Der Aufsichtsrat von Rheinmetall hat vorgeschlagen, Franz Josef Jung (CDU) bei der Hauptversammlung am 9. Mai 2017 als Vertreter der Anteilseigner in den Aufsichtsrat zu wählen. / (...) Ein Unternehmenssprecher begründete laut der Zeitung ["Die Welt"] die Berufung mit Jungs besonderer Expertise im Verteidigungsbereich. Jung stand von 2005 bis 2009 an der Spitze des Verteidigungsministeriums und war danach für 33 Tage Arbeitsminister. Wegen Vorwürfen, er habe nach einem Luftangriff bei Kundus Parlament und Öffentlichkeit zu spät und teilweise falsch über die Tötung von Zivilisten informiert, trat er von seinem Ministeramt zurück. Sein Bundestagsmandat behielt er. Jung wurde 2013 wiedergewählt.

"Rheinmetall" ist ein Rüstungskonzern, der seine Profite zu mindestens 50 Prozent durch den Verkauf perfider Waffen generiert. Ein ehemaliger Kriegsminister, der sich offiziell selbstredend "Verteidigungsminister" nennen ließ – schließlich werden deutsche Interessen nicht erst seit gestern wieder grundgesetzwidrig in aller Welt "verteidigt" –, ist in diesen menschenfeindlichen Kreisen sicherlich sehr gut aufgehoben. Wo sollte eine solche mafiöse Figur auch sonst eine Anschlussverwertung finden? An einer Aldi-Kasse wäre der Kasper sicher besser aufgehoben, freilich aber auch heillos überfordert.

Besonders hinweisen möchte ich noch auf den letzten Absatz des verlinkten WDR-Textes. Ich bin hoffentlich nicht der einzige, der bei der Lektüre in schallendes, in Verschlucken und erbrechendes Grunzen übergehendes Gelächter ausgebrochen ist und sich in die Endphase der DDR zurückversetzt gefühlt hat! Das gilt ganz besonders dann, wenn man sich vor Augen führt, dass auch der schmierige Teppichschmuggler Dirk Niebel aus der FDP, der seinerzeit tatsächlich – man bringt es kaum über die Lippen, ohne zur Salzsäule zu erstarren – "Entwicklungsminister" war, bei diesem humanistischen Todeskonzern seine "Altersbrötchen" (der Mann ist heute 54 Jahre alt!) durch Herumsitzen und dummes Grinsen abgreift. Über mehr Kompetenzen verfügt ein solcher FDP-Zombie ja leider nicht – das Frankieren der Post überlässt man dann doch lieber den fähigeren PraktikantInnen oder Ein-Euro-Sklaven.

Ich empfehle, die oben verlinkte Seite von Lobbypedia – die allerdings auch nur eine kleine, nicht vollständige Auswahl korrupter Kapitalhuren aus der Politik verzeichnet – aufmerksam zu studieren. Das sind keine Einzelfälle. So funktioniert Kapitalismus. Korruption – die in dieser Form in Kapitalistan im Übrigen nicht einmal "verboten" ist – ist ein wesentliches Schmiermittel, das dieses kaputte, durch und durch verfaulte System weiterhin am Leben erhält, während der Untergang sich unheilvoll und unaufhaltsam manifestiert.

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"Bleibe stets unbestechlich, mein Sohn! Wenn du dann bestochen wirst, bekommst du viel höhere Preise."

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 49 vom 02.03.1925)

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Aloha,

der Franz-Josef Jung ist in seiner Fraktion zuständig für Kirchen und Religionsangelegenheiten.
Das nur als Randnotiz.

lg

Hagnum

promenadenmischung hat gesagt…

@Hagnum – passt doch ;-)

@Charlie: Guter Artikel – korrupter Minister ist wirklich ein Pleonasmus ;-)

Mechthild Mühlstein hat gesagt…

Ich verstehe die aufregung nicht. Daß ehemalige minister mehr oder weniger schnell auf lukrativen posten in der wirtschaft landen, ist hierzulande dermaßen gewöhnlich, daß es dafür sogar ein eigenes wort gibt: »drehtüreffekt«.

Beispielsweise hatte der »superminister« Clement, nachdem er den leiharbeitssektor massiv ausgebaut hatte, sehr schnell eine posten im aufsichtsrat von Adecco. Oder der oben bereits erwähnte ehemalige entwicklungsminister Niebel, der heute als lobbyist für Rheinmetall unterwegs ist. Aber das war er wahrscheinlich auch als minister schon.

Das im verlinkten artikel erwähnte gesetz, das minister nach dem ausscheiden aus dem amt 18 »anstandsmontate« warten sollen, oder interessenkonflikte von einem gremium untersuchen lassen müssen, ist natürlich ein witz. Wo soll es denn interessenkonflikte geben? Die gibt es auch bei nebentätigkeiten nie.

altautonomer hat gesagt…

Entwicklungsminister Niebel on Tour:

http://www.abload.de/img/niebel0qfj.jpg