Donnerstag, 29. Juni 2017

Das Milliardenspiel des Todes


Hat hier schon jemand etwas von einer Bank- und Finanzkrise gehört? Denkt mal scharf nach – das war irgendwann in ferner Vergangenheit, damals in der Weimarer Zeit oder dem Pleistozän, als Merkel & Co. den "notleidenden Banken" Milliarden Steuergelder zugeschustert haben, um den – eigentlich logischen und unausweichlichen – Zusammenbruch dieses Systems etwas aufzuschieben. Das liegt lange hinter uns, das betrifft uns nicht mehr, und überhaupt ist es ja nur recht und billig, wenn der Staat Notleidenden hilft, denn dazu ist er ja schließlich da, gelle.

Milliarden Euro für "notleidende Banken"

Dummerweise hat die Presse, die jene systemische Krise inzwischen längst für beendet erklärt und in eine "Staatenkrise" umgelogen hat, vergessen, dass das kannibalische System sich nicht an Propagandavorgaben hält, so dass vor einigen Tagen bei n-tv zu lesen war:

Der italienische Finanzminister Pier Carlo Padoan hat am Sonntag eine neue Finanzkrise im italienischen Bankensystem gerade noch einmal verhindert. Mit bis zu 17 Milliarden Euro Steuergeld rettet Padoan die Veneto Banca und Banca Popolare di Vicenza in der Veneto-Region in Nordostitalien. Die maroden Geldhäuser werden aufgespalten: Den guten Teil schluckt Italiens zweitgrößte Bank Intesa Sanpaolo für den symbolischen Betrag von einem Euro. Für den schlechten Teil haftet der Staat.

Den Rest des Textes muss man gewiss nicht lesen, denn dort wird die übl(ich)e Propaganda einfach wie von Sinnen weitergeführt, indem der Verfasser schlicht behauptet, dies sei ein "italienisches Problem" und die "italienischen Banken" seien (im Gegensatz zu "deutschen Banken") eben "marode Pleitebanken". Man kann den Kopf gar nicht oft genug auf die Tischplatte kloppen angesichts einer solchen behämmerten und dreisten Ignoranz. Ich glaube nicht, dass der Autor diesen Kappes wirklich selbst glaubt; die Frage, weshalb er ihn dennoch unbeirrt absondert, soll hier und jetzt aber kein Thema sein.

Milliarden Menschen in Elend und Not

Parallel dazu ist es immer wieder hilfreich, sich die Berichterstattung beispielsweise zu Griechenland zu vergegenwärtigen: Während die Staatszahlungen an die "notleidenden Banken" weiterhin "einfach so", meist gar über Nacht, erfolgen, wird über die "Milliardenhilfen" für Griechenland ein ekelhaftes, hanebüchenes Gewese veranstaltet, das kaum in Worte zu fassen ist – obgleich es sich dabei ja gerade nicht um "Hilfen", sondern lediglich um neue Wucherkredite handelt. Griechenland muss also absurde "Auflagen" erfüllen und alles nebst Zins und Zinseszins irgendwann zurückzahlen – die Banken müssen das hingegen selbstredend nicht und bekommen die Kohle der BürgerInnen – größtenteils ohne "Auflagen" – freundlich geschenkt. Wenn man sich dann noch vor Augen führt, dass von jenen "Hilfen" für Griechenland ohnehin nichts bei der Bevölkerung ankommt oder in die Infrastruktur des Landes oder andere wichtige Projekte des Gemeinwohls fließt, sondern dass fast die gesamte Milliardensumme ebenfalls wieder in den bodenlosen Kontofässern der "kreditgebenden" Banken verschwindet, wird die völlig absurde Berichterstattung darüber noch grotesker. In der Presse wird jedoch kein sinnvoller Zusammenhang hergestellt, auch wenn er visuell manchmal – zufällig – sicht- bzw. erahnbar wird:


(Screenshot n-tv.de aus dem oben verlinkten Beitrag v. 26.06.17)

Der griechische Schuldenberg steigt und steigt, die Bevölkerung wird ausgeblutet bis aufs letzte Hemd und darüber hinaus, die Infrastruktur zerfällt, die Gesundheitsversorgung bricht zusammen, auch das letzte "Tafelsilber" des Staates wird für einige Peanuts an superreiche "Investoren" verscherbelt ... und deshalb geht's den Banken und damit eben jenen "Anlegern" und "Investoren" – mithin also den wenigen Superreichen – immer besser. – Wer, in Dreiteufels Namen, will doch gleich in einem solchen albtraumhaften Menschenfressersystem leben?

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Vanitas



(Stillleben von Harmen Steenwijck [1612-n.1656] aus dem Jahr 1640, Öl auf Holz, Museum De Lakenhal, Niederlande)

Kommentare:

Eike Brünig hat gesagt…

Viel wichtiger ist jedoch das GROßE ß.

ttp://www.tagesschau.de/inland/eszett-103.html

Ich kann mir schon die ganßen ßilkes, ßimones,ßandros und ßvens vorstellen....Aber immerhin braucht es jetzt neue Tastaturen, da kommt die Wirtschaft bestimmt ßo richtig in Fahrt.....

Charlie hat gesagt…

@ Eike: Ich ertränke mich. Die Verrückten übernehmen die Macht. Ein Wort wie "Irrsinn" schreibt man aber auch weiterhin groß, gelle?

Liebe Grüßßßße!:D

Troptard hat gesagt…

Hallo Charlie,

was ich erstaunlich finde, dass solche Nachrichten überhaupt keine Panik mehr im sog. Volk auslösen.
Fehlt es da schlichtweg an Fantasie, um sich vorzustellen, wie die eigenen Perspektiven sich in Zukunft weiter entwickeln werden?

Alles deutet darauf hin, dass die Finanz- und Wirtschaftskrise weiter eskaliert und die Spannungen in den internationalen Handelsbeziehungen, die Ungleichgewichte in den Handelsbilanzen durch nationalen Protektionismus gelöst werden sollen. Gleichzeitig steigt die Bereitschaft militärisch aufzurüsten, um die eigenen ökonomischen Interessen durchzusetzen.

Sehr beängstigend wird es für mich dann, wenn sich nicht nur die parlamentarische Linke für die nationalen, ökonomischen Interessen einspannen lässt und der Ruf nach "Vergeltung" für Behinderungen im Warenverkehr erhoben wird, sondern wenn sich das verallgemeinert, wenn sich da eine Volksgemeinschaft formiert.

Ich habe die Kommentare bei FaZ und Welt dazu gelesen und war eigentlich nicht überrascht, wie schnell der Bürger sich für seinen Staat und sein Kapital einnehmen lässt und harte Gegenreaktionen einfordert.


Und wie so selten, gibt es da anscheinend keine Stimmen der Vernunft mehr, die sich Gehör verschaffen können, sondern nur die Anpeitscher für eine zunehmende Eskalation.

Und damit nicht weiter im eigenen Saustall die soziale Verwahrlosung thematisiert werden muss, wird das Thema für Mittelschichts-Deutsche "Ehe für Alle" ordentlich durchgekaut.

Charlie hat gesagt…

@ Troptard: Mich überrascht das nicht so sehr - schließlich hat die Journaille dazugelernt und weiß inzwischen, wie man solche Nachrichten systemkonform verpackt. Der verlinkte Text ist ja ein vorzügliches Beispiel: Da wird keinerlei systemischer Zusammenhang hergestellt; die "Schuld" liegt hier laut n-tv beim (faulen) Ausländer. In diesem verstümmelten Weltbild kommt das kapitalistische System samt seinen wenigen Profiteuren gar nicht mehr vor - da ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich dies auch in manchen oder vielen Kommentaren widerspiegelt.

Auch der völlig absurde Rückzug ins Nationale, der in diesem Szenario so sinnvoll ist wie ein Tanklastwagen an einer brennenden Tankstelle, ist zumindest teilweise dieser Art der Berichterstattung bzw. Propaganda zu verdanken. Da passt es doch wunderbar ins ablenkende Konzept, wenn stattdessen lang und breit über das gehirntötende Nonsens-Thema "Ehe für alle" pseudodiskutiert wird ... der Zeit war das sogar eine "Eilmeldung" wert. Man kann gar nicht so viele Gehirnzellen versaufen, wie nötig wären, um in dieser Welt nicht irre zu werden.

Liebe Grüße!

Troptard hat gesagt…

@Charlie,

das wirklich beschämende für mich ist, dieser erneute und offensichtliche Rückfall, dieser erneute intellektuelle Tiefpunkt der bürgerlichen Gesellschaft, welche ihre eigene destruktive, menschenverachtende Historie einfach ausblendet, diese bewusste Geschichtsvergessenheit.

Diese ständige Aufforderung aus der Politik, die Vergangenheit endlich hinter sich zu lassen, die "notorischen" Selbstzweifel endlich aufzugeben und sich mit neuem Bewusstsein seiner Nation zuzuwenden und das, was ein junger Mensch noch als Glücksversprechen für sein Leben begriffen hat, in die Bereitschaft zum Opfer zu deformieren, den Menschen als Mittel zum Zweck zu kastrieren.

Und weil die Entmenschlichung so gut funktioniert, deshalb fühlen sich so Viele dazu berufen nicht ihre eigenen Bedürfnisse zu erkennen und einzufordern, sondern erkennen sich im nationalen Kollektiv wieder, als nationales und internationales Subjekt der Konkurrenz, welches das "Menschenrecht" auf Profit des nationalen Kapitals gegen die Interessen anderer Kapitalien verteidigen muss.

Für mich persönlich wird es inzwischen unendlich langweilig und bekommt einen unheimlich langen Bart über eine Linke zu diskutieren, die ihren Niedergang endlich dafür nutzen sollte, wie z.B. in Frankreich, sich in die politische Mitte zu integrieren und ihre Herkunft damit abzuschleifen.

Wenn ich Bernard Schmid aus Frankreich glauben darf, so müssen die Sozzen in Frankreich ihre Parteizentrale in Paris aus Geldmangel inzwischen aufgeben und Le Pen soll inzwischen ebenso betteln gehen, weil die Finanzierung der Partei nicht mehr gesichert ist.

Was dann noch bleibt, ist endlich nur noch dieses alltägliche Hübsch: Auch unsere Wehrmachtsministerin Von der Leyen hat für die "Ehe für Alle" gestimmt.

Ach was köstlich! Wo ist mein Champagner?