Donnerstag, 13. Juli 2017

Die christlichen Rechtsradikalen


Es ist ja ein alter Hut, dass die CSU der NPD oder AfD in nichts nachsteht – Belege dafür gibt es mannigfaltig. Stefan Gärtner, Kolumnist der Titanic, hat Horst Seehofer jüngst als "Parafaschist" bezeichnet und lag damit goldrichtig. Trotzdem können im Zuge des politischen und medial wohlwollend begleiteten Rechtsrucks nach Hamburg einige Faschisten ihren Mund nicht halten, so dass heute zu lesen war:

Manfred Weber fordert ein härteres Vorgehen der EU gegen Schleuser vor der libyschen Küste. Der CSU-Politiker und Vorsitzende der christdemokratischen EVP-Fraktion im EU-Parlament will dafür notfalls auch Waffengewalt als Mittel einsetzen.

Ja, so lieben wir unsere christlichen Arschlöcher: Sonntags hocken sie scheinheilig auf den Knien in ihrer prunkvoll geschmückten Kirche, und montags lassen sie auf Flüchtlinge schießen. Herr Weber ist damit ein vorzügliches Beispiel für die gesamte korrupte Bande der kapitalistischen Steigbügelhalter der etablierten, korrumpierten Parteien (CDU, SPD, FDP, Grüne, AfD, Linke) und sagt exakt das, was diese schmierigen Figuren auch tatsächlich tun. Letzten Endes fehlt eigentlich nur noch die politische Erörterung der "Endlösung", um diesen menschenfeindlichen Gesellen auch hochoffiziell das Hakenkreuz auf die Stirn zu pappen.

Wer wählt solche Zombie-Schlips-Borg? Ist der Masochismus vielleicht doch viel verbreiteter in Deutschland als vermutet?

Ich halte ja nichts von Religionen bzw. halte ich sie für giftiges Schlangenöl; aber der Herr Weber soll mir dennoch einmal erklären, wie es mit der christlichen Nächstenliebe zu vereinbaren ist, faschistische Positionen zu vertreten. Ich vermute, dass der stumpfe Kerl damit überfordert wäre und mich, statt eine Antwort zu formulieren, lieber auf die Reise ins KZ schicken würde. Fragen sind im braunen Kapitalistan unerwünscht – man hat entweder zu glauben oder muss ignoriert bzw. entfernt werden.

Es wird wahrlich Zeit, den längst gepackten Koffer unter den Arm zu klemmen und sich um Asyl – beispielsweise in Afrika – zu bemühen. In Europa warten jedenfalls nur noch Untergang und Tod. Hoffentlich finde ich einen Schleuser, der mir aus diesem Untergangsszenario heraushilft – ganz wie damals, als die "bösen Schleuser" vielen Juden geholfen haben, das untergehende Todesland "illegal" zu verlassen.

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Die Durchleuchtungsmaschine



(Zeichnung von Henry Meyer-Brockmann [1912-1968], in: "Der Simpl", Nr. 4 vom Mai 1946)

Kommentare:

Troptard hat gesagt…

Hallo Charlie,

je mehr die Demokratie als Täuschung wahrgenommen wird, und ich gehe davon aus, dies sowohl bewusst und auch unterbewusst, und je mehr die bürgerliche Harmonie in viele egoistische Gruppeninteressen zerfällt, was sich u.a. an der Zersplitterung der Parteienlandschaft festmachen liesse oder auch am totalen Absturz der etablierten Parteien wie z.B. in Frankreich, desto mehr schlägt das bürgerliche Bewusstsein unkontrolliert um sich.

Und weil dieses allgemeine Bewusstsein immer noch nicht den Sprung geschafft hat, die strukturelle Gewalt des Marktes zu erkennen, sondern sich quicklebendig dabei fühlt, wenn es Schuldige identifizieren, und auch das halte ich mit dem Christentum für vereinbar, eben kreuzigen kann, deshalb werden wir all das wieder erleben, was wir aus der Geschichte bereits kennen.

Also mit der Idee Europa zu verlassen, werde ich von meinen beiden Damen ziemlich regelmässig konfrontiert. Deutschland nach der Wiedervereinigung zu verlassen, dort alles aufzugeben, das war ein richtiger Schlauch und hat auch einige Jahre gebraucht. Das Problem ist, dass der Mensch, der sein Land freiwillig oder unter Zwang verlässt eigentlich nirgendwo richtig willkommen ist.

Ausnahme: Ein Koffer voller Geld!

Hätte ich noch die Kraft meiner Jugend und wäre nicht so ein depperter, schreibender und alternder Salonmarxist, dann wüsste ich schon was es braucht, um nicht auf einem gepackten Koffer zu sitzen.

Charlie hat gesagt…

@ Troptard: Deiner Prognose und insbesondere Deinem Fazit muss ich uneingeschränkt beipflichten. Wenn ich gesundheitlich nicht so angeschlagen wäre, würde ich mich ebenso dazu verpflichtet fühlen, viel mehr zu tun als alle paar Tage ein paar wirkungslose Zeilen zu tippen.

Solidarische Grüße!

Troptard hat gesagt…

Hallo Charlie,

auch wenn Deine Zeilen wirkungslos bleiben sollten, so geben sie mir persönlich die Möglichkeit mich auf einem Blog einzubringen, der sich für mich so wohltuend von anderen linken Blogs dadurch unterscheidet, dass er gerade dass herausstellt, was auch unter Linken enorm verpönt ist, auf den erneuten zivilisatorischen Zerfall der bürgerlichen Gesellschaft hinzuweisen ohne dabei zugleich eine linke Perspektive offenzuhalten und zu eröffnen.

Wenn ich meine eigene Entwicklung der letzten Monate betrachte, so habe ich enorme Zweifel daran, ob die bürgerlich,kapitalistisch organisierte Gesellschaft überhaupt noch einen kleinen emanzipatorischen Fluchtweg offen lässt.

Ich mache dass übrigens daran fest, dass es in der Linken kaum Kritik am bürgerlichen Wissenschaftsbetrieb gibt (wenn, dann vom Gegenstandpunkt, Claus Peter Ortlieb von Exit und von Feministinnen). Das betrifft sowohl die Naturwissenschaften als auch die Geisteswissenschaften.

Wenn ich mir bewusst werde, welches Menschenbild in den Naturwissenschaften z.B. in der Genforschung präsent ist, dann wird mir nicht nur Angst und Bange, sondern dann wird es bitter Ernst für das, was bisher noch als Menschenwürde hochgehalten wird.

Dieses naturwissenschaftliche Menschenbild ist ein Menschenbild, was den Menschen durch Eingriffe in seine Gene anpassen muss, an die sich stets verändernden Umweltbedingungen. Dass den Menschen nicht mehr als individuelles, einzigartiges Subjekt wahrnimmt, sondern nur noch als Gattung Mensch, welche zu optimieren ist.

Ich nehme das natürlich anders wahr. Da gibt es eine Wissenschaft, die all diese Probleme erst mit ihrem Wissen geschafft hat und die nun ernsthaft der Meinung ist, sie könnte diese Probleme auch wieder lösen.

Ein Narr, der daran glaubt!

"Keiner glaubt mir, alle wissen Bescheid!" Nicht von mir!

Liebe Grüsse

Charlie hat gesagt…

@ Troptard: Danke, dieser Zuspruch tut sehr gut! Allerdings sehe ich mich hier keineswegs "allein auf weiter Flur" - es gibt doch (noch) genügend andere Blogs, in denen nicht minder - und teils sogar deutlich schärfere und vor allem fundiertere - Kritik geübt wird. Ich schreibe ja oft einfach "aus dem Bauch heraus" und drifte zunehmend in die Satire und den Zynismus ab - was ich selber sehr kritisch sehe, aber kaum beeinflussen kann, wenn mir die Hutschnur wieder einmal geplatzt ist.

Sinngemäß schrieb flatter kürzlich in einem Kommentar (ich bin zu faul, das exakte Zitat herauszusuchen, sorry), dass er der Meinung sei, nicht die Kritik, sondern die Konstruktion sei das entscheidende Problem der Linken. Dem muss ich mich - theoretisch - unverzüglich anschließen ... lande dann aber ebenso schnell wieder in der nicht nur gefühlten, sondern tatsächlichen Ausweglosigkeit dieser stets untergehenden, sich in Variationen wiederholenden Zeitschleife des kapitalistischen Katastrophensystems. Ich kann - nach unzähligen Denkversuchen der vergangenen Jahrzehnte - allen Ernstes keinen (um Deinen Begriff zu verwenden) "emanzipatorischen Ausweg" mehr erkennen, der auch nur eine minimale Chance auf Erfolg verhieße.

In früherer Zeit nannte man so etwas wohl "Resignation" oder gar "Nihilismus". Für mich ist es - sowohl auf emotionaler, als auch auf intellektueller Ebene - indes purer Realismus. In jedem Falle ist es aber das Gegenteil von Konstruktivismus. Und das macht mich wahnsinnig, denn ich will und will und will das nicht akzeptieren!

Ich befürchte, dass man mein durchaus inkonsequentes Geschreibsel in diesem Blog nur vor diesem ambivalenten Hintergrund ein wenig nachvollziehen kann: Um zu einem wirklichen "Nihilisten" zu mutieren, habe ich noch immer viel zu viel Zorn in mir, der immer wieder aufflammt, wenn ich mich mit den laufenden und stetig zunehmenden Zerstörungen, Grotesken, Absurditäten und Perversionen dieser untergehenden Welt doch immer wieder auseinandersetze.

Für mich hat das Günter Eich in seinem Gedicht "Wacht auf" sehr passend formuliert. Der Text, den ich unten einfüge, stammt aus seinem Hörspiel "Träume" aus dem Jahr 1951 (gedruckt zuerst erschienen in: "15 Hörspiele", Suhrkamp 1966). Eine gesprochene Version gibt's hier.

Liebe Grüße!

(weiter zum 2. Teil)

Charlie hat gesagt…

2. Teil

Wacht auf, – denn eure Träume sind schlecht!
Bleibt wach, – weil das Entsetzliche näher kommt.

Auch zu dir kommt es, der weit entfernt wohnt
von den Stätten, wo Blut vergossen wird,
auch zu dir und deinem Nachmittagsschlaf,
worin du ungern gestört wirst.
Wenn es heute nicht kommt, kommt es morgen,
aber sei gewiss.

"Oh, angenehmer Schlaf
auf dem Kissen mit roten Blumen,
einem Weihnachtsgeschenk von Anita,
woran sie drei Wochen gestickt hat.

Oh, angenehmer Schlaf,
wenn der Braten fett war und das Gemüse zart.
Man denkt im Einschlummern an die Wochenschau von gestern Abend:
Osterlämmer, erwachende Natur,
Eröffnung der Spielbank in Baden-Baden,
Cambridge siegte gegen Oxford mit zweieinhalb Längen –
das genügt, das Gehirn zu beschäftigen.

Oh, diese weichen Kissen, Daunen aus erster Wahl!
Auf ihnen vergisst man das Ärgerliche der Welt,
jene Nachricht zum Beispiel:
Die wegen Abtreibung Angeklagte sagte zu ihrer Verteidigung:
'Die Frau, Mutter von sieben Kindern,
kam zu mir mit einem Säugling,
für den sie keine Windeln hatte und der
in Zeitungspapier gewickelt war.'
Nun, das sind Angelegenheiten des Gerichtes, nicht unsre.
Man kann dagegen nichts tun, wenn einer etwas härter
liegt als der andere. Und was kommen mag ... -
unsere Enkel mögen es ausfechten."


Ach, du schläfst schon? Wache gut auf, mein Freund!
Schon läuft der Strom in den Umzäunungen,
und die Posten sind aufgestellt.

Nein, schlaft nicht, während die Ordner der Welt geschäftig sind!
Seid misstrauisch gegen ihre Macht,
die sie vorgeben für euch erwerben zu müssen.
Wacht darüber, dass eure Herzen nicht leer sind, wenn mit
der Leere eurer Herzen gerechnet wird!
Tut das Unnütze, singt die Lieder,
die man aus eurem Mund nicht erwartet!
Seid unbequem, seid Sand, nicht das Öl im Getriebe der Welt!

(Günter Eich)