Dienstag, 4. Juli 2017

Propagandapresse: We love to manipulate you


Es ist immer wieder erhellend, der zwangsgebührenfinanzierten, kapitalistischen Staatspresse zu folgen. Vor wenigen Tagen war beispielsweise auf der Seite der Tagespropaganda ein Interview mit Jean Ziegler zu lesen, der seit vielen Jahren vehement das kannibalische Katastrophensystem des Kapitalismus' bekämpft. Ziegler sagt hier indes nichts Neues, sondern wiederholt nur die logischen Schlussfolgerungen, die er schon seit Jahrzehnten in ähnlicher Form in die Medienwelt absondert.

Die "unabhängige" Redaktion der Tagespropaganda konnte es sich dennoch nicht verkneifen, dem alten Mann, der alles verdammt, was das deutsche Regime und damit auch diese Systempresse vertritt, subtil den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ziegler sagte:

Herr Schäuble, Finanzminister der drittgrößten Finanzmacht der Welt immerhin, hat gesagt: Entschuldung kann nicht sein. Entschuldung für die 50 ärmsten Länder dieser Welt wird nicht gemacht. Obschon diese Länder ohne Entschuldung weder in Schulen, noch in Spitäler, noch in die Landwirtschaft investieren können. Das Elend ist also zementiert, wenn keine Entschuldung kommt. / Und Schäuble argumentiert und sagt: Das ist das Gesetz des Marktes, die Eigenverantwortung des Marktteilnehmers, und der Markt befiehlt. Das ist eine mörderische Aussage. Sie können Morgen [sic!] früh Jesus Christus als Präsident von Mali oder Benin oder Senegal ernennen. Er wird kein einziges Kind retten können, weil die Auslandsschuld diese Länder erdrückt. Was Herr Schäuble sagt, ist eine Aussage, die eines deutschen Ministers nicht würdig ist.

Die Redaktion der Tagespropaganda illustrierte diese Passage folgerichtig mit diesem bizarren Foto:


(Screenshot tagesschau.de vom 02.07.17)

Was soll man dazu noch sagen. Die Presse der DDR war wohl freier. Hierzulande gibt es keine Journalisten mehr, die es wagen könnten, das menschenfeindliche Merkel-Monster und ihre kapitalistische schwarz-rote Sturmtruppe ernsthaft zu kritisieren. Jean Ziegler kann seine aufklärende Botschaft noch weitere dreitausendmal verkünden: Die deutsche Systempresse steckt sich weiterhin Watte in die Ohren und singt laut "La la la, ich höre dich nicht!", während die kapitalistische Katastrophe ihren gewohnten Lauf nimmt:

Alle fünf Sekunden verhungert nach UN-Statistik ein Kind unter zehn Jahren. Ein Kind, das jetzt, während wir reden, an Hunger stirbt, wird ermordet.

Ich wundere mich, dass Herr Ziegler noch nicht wahnsinnig geworden ist und die widerlichen Arschlöcher, die diese grausige Politik zu verantworten haben, in die Luft gesprengt hat. Er ist wohl – ebenso wie ich – mit dem Dilemma des Pazifismus' gestraft.

Kommentare:

Polly hat gesagt…


Es ist Evolution, Baby...

https://www.youtube.com/watch?v=aDaOgu2CQtI

"I'm a thief, I'm a liar
There's my church, I sing in the choir:
Hallelujah, hallelujah"

Ich empfehle Kopfhörer.
Aber Vorsicht, es besteht ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen, wie Suizidversuch, suizidale Gedanken und Feindseligkeit (vorwiegend Aggressivität, oppositionelles Verhalten und Wut.

Liebe Grüße Polly

frei-blog hat gesagt…

"Deshalb sollten wir lernen, unsere unglaublichen Freiheitsrechte, die uns die Verfassung, das Grundgesetz gibt, zu gebrauchen."

Über solche Aussagen könnte ich verzweifeln.
Gruß Volker

Troptard hat gesagt…

Ich kenne Jean Ziegler schon lange und sein Eintreten für die Opfer der kapitalistischen Profitlogik.
So wie ich das inzwischen einschätze, wird er gern dafür genommen, um ihn als überzogenen, überspannten Mahner, als zornigen alten Mann zu nehmen.

Der darf sich dann auch gerne einmal in Talkshows furchtbar aufregen, um ihn dann dort von den "ideologisch und in der Überzahl Neutralen", mit wissenschaftlicher Objektivität ausgestatteten Systemkonformen zusammenfalten lassen.

Da werden dann Zahlen geliefert, die belegen , dass es den Menschen global unter dem Kapitalismus nicht schlechter, zwar nicht schnell genug wie gewünscht, aber dennoch immer besser geht ( Veränderung des verfügbaren Einkommens in Dollar).
Mehr als in Zahlen zu denken, dass ist denen ohnehin nicht möglich.

Solche "öffentlichen medialen Schauprozesse", haben den Vorteil, dass sie den Schein aufrecht erhalten können, dass der Bürger noch in einer Demokratie lebt und unterschiedliche Meinungen und Interessen sich öffentlich ohne Beschränkung und Zensur äussern können.

Leider hat es sich auch bei Linken so eingeschlichen, dass auf Kritik so häufig die Nachfrage kommt, was Mensch denn als Vorschlag zur Besserung der Verhältnisse anzubieten habe. Als wenn es Aufgabe des Kritikers wäre, sich für seine Herrschaft den Kopf zu machen.

Und dann ist es für mich durchaus nicht so, dass diese Schäubles und Merkels in der Welt irgendetwas falsch machen würden, wie so gerne behauptet, dass ihre Politik fehlerhaft sei. Nein, aus ihrer Sicht und im Interesse des Kapitals machen sie alles richtig. Muss Mensch das eigentlich noch ernst nehmen, wenn sie vor den Wahlen irgendwelche Versprechungen raushauen.

So blöd kann doch der mündige Bürger inzwischen nicht mehr sein, um daran noch zu glauben. Ich vermute allerdings, dass da noch was geht.

LG Troptard

jakebaby hat gesagt…

"Was Herr Schäuble sagt, ist eine Aussage, die eines deutschen Ministers nicht würdig ist."

Wuerde, did you say, ... Wuerde?

Ich zahl Ziegler seinen verdienten Spot aufm Graveyard, wenn er tatsaechlich Schaueble&Co auch nur annaehernd in die Naehe von Wuerde verzapft.

Gruss
Jake

Anonym hat gesagt…

Also ich sehe da unfreiwillige Satire...

Troptard hat gesagt…

@jakebaby,

der kann sich ja nicht einfach so frech und frei hinstellen und etwas über deutsche Politiker so einfach ablassen in einer Anwandlung von emotionaler unkontrollierter Stimmung.

Auch in Deutschland muss sich Kritik erst einmal einer Vorabzensur unterziehen, muss juristisch unverfänglich gesetzt sein, juristisch möglichst nicht angreifbar, wenn sie öffentlich werden will.

Auch ein Jean Ziegler würden sie hier gnadenlos plattmachen, wenn er den deutschen Oberbuchhalter Schäuble anders angehen würde als mit so weichen Begriffen wie "Würde".
Und der hätte sicherlich auch 80% seiner Bevölkerung hinter sich, die ohnehin nur glaubt, dass sie Lohnarbeit nicht für ihre eigene Reproduktion betreibt, sondern immer auch für irgendwelche imaginären Faulen im Rest der Welt.

Eike Brünig hat gesagt…

Leider bringt man die Leute nicht mal mit einem Schock (https://www.youtube.com/watch?v=Z93V4Ofxn6I) dazu, evtl. mal anzuerkennen, dass der Kopf rund ist, damit die Gedanken die Richtung ändern können.

Charlie hat gesagt…

@ Eike: Ich fürchte, dass "die Leute" solche unerträglichen Bilder - sofern sie sie denn überhaupt zur Kenntnis nehmen - nicht mit dem Kapitalismus und den Superreichen in Verbindung bringen. Schließlich wird ihnen das auch nirgends gesagt; stattdessen ist überall nur das groteske Märchen von der "Eigenverantwortung" zu hören. Nach dieser Unlogik sind eben die Kinder oder zumindest ihre Eltern und/oder der jeweilige afrikanische Staat schuld daran, dass sie so böse krepieren. Da werden dann bestenfalls ein paar Krokodilstränen vergossen und danach ist das wieder vergessen.

Es ist vollkommen sinnlos, kapitalistisch asozialisierte Menschen mit solchen Bildern "schocken" zu wollen. Die Propagandapresse erzählt ihnen ja ständig, woran das liegt: An vom Himmel gefallenen Hungersnöten beispielsweise oder bestenfalls noch an korrupten Staatsschergen in Afrika (und nur dort). Dass Merkel, Schäuble, Gabriel, Fischer & Co. sowie die auftraggebenden Quandts, Klattens und Albrechts etc. damit etwas zu tun haben könnten, kommt in der hiesigen Presse und damit in der Vorstellungswelt des Großteils dieser narkotisierten deutschen Bevölkerung gar nicht vor. Da kann sich ein Jean Ziegler den Mund fusselig reden, bis die blutigen Fransen bis auf den Boden hängen - die Tagesschau hat es ja eindrucksvoll vorgemacht.

Liebe Grüße!

Eike Brünig hat gesagt…

Nun, im Straßenverkehr ist das schlicht unterlassene Hilfeleistung. Warum das in anderen Rechten nicht vorkommt, ist mir bis heute schleierhaft. Zu eine globalisierten Welt gehört es auch Probleme global anzugehen und nicht nur die Gewinne global abzuschöpfen.

Fluchtwagefahrer hat gesagt…

Moin Eike,
habe gerade nen Zehner in die Dose "Brot für die Welt" getan.
Reicht das?
So funktioniert Ablasshandel, jetzt kann ich wieder ruhig schlafen, sarc off!

Charlie hat gesagt…

@ Fluchtwagenfahrer: Eike ist ja der falsche Ansprechpartner bei diesem Thema - Du müsstest Deinen Sarkasmus bei den Hilfsorganisationen, die die Verursacher gar nicht benennen oder erkennen (wollen), sowie bei eben diesen Verursachern anbringen. Mit dem Hinweis auf die kritikfreien Symptomschergen der esoterischen Kirchenbande von "Brot für die Welt" bist Du da schon auf einem sehr richtigen Weg.

Liebe Grüße!

Eike Brünig hat gesagt…

Wenn er sich schon von dem Geld trennen will, kann er es doch auch für die Lektüre bei Dir ausgeben. Du würdest etwas Vernünftiges damit anfangen. Ich vermute, dass das Geld umzuverteilen da sonst weniger hilft. Wir müssten eine globale kulturelle Leistung vollbringen, die eben das Soziale über den Luxus stellt (stark vereinfacht geschrieben). Die Voraussetzungen wären m. E. gegeben.

Fluchtwagenfahrer hat gesagt…

Moin Männers,
Charles & Eike,
der sarc comment meinerseits galt nicht euch!
Das mit dem "Anbringen" tue ich jeden Tag (crossfingers) auch und gerade hier in der Firma. Sitze auf meinem Rucio und bekämpfe/-betrachte die Windmühlen.
Es ist die absolute Bitterkeit die mich manchmal ?trollen? läßt.
Sorry.
Das ich schon mal finanz. zur Seite springe.....,ach lassen wir das.
LG & ein schönes WE

MAD hat gesagt…

Is dat nicht Alfred E. Neumann da ganz links auf dem Bild? :D Ich bin ganz sicher!

Charlie hat gesagt…

@ MAD: Ich verwahre mich dagegen, dass ein seriöser Bürger dieses Landes (Alfred N.) mit einem windigen Kriminellen aus dem Mafia-Milieu (Wolfgang S.) in Verbindung gebracht wird. Bitte mäßigen Sie sich zukünftig!

Gerechte Grüße! ;-)