Donnerstag, 14. September 2017

12.000 Euro: Und der Eso, der hat Zähne ...


Meine liebsten Esoterikerfreunde von "Jenseits der Realität" werden nicht müde, um Geld zu betteln. Sie tun es mit Inbrunst und hören damit auch nicht wieder auf: Schon vor einem halben Jahr habe ich mich mit diesem unschönen Thema beschäftigt – und seitdem ist die Eso-Seite gleich geblieben.

Aktuell kopiert der Oberesoteriker Faulfuß mal wieder Textbausteine, die er schon mehrere Male zu diesem Zweck verwendet hat – es ist sicher zu aufwändig oder zu schwierig, einfach mal neue Formulierungen für die wiederkehrende Bettelei zu finden. Effizienz ist eben auch in Esoterikstan das oberste Gebot – auf dass die Kohle der blökenden Schafherde sprudele.

Eigentlich könnte ich meinen oben verlinkten Beitrag ebenfalls einfach kopieren und danach schlafen gehen – schließlich hat sich in den vergangenen sechs Monaten nichts verändert. Ich schreibe aber trotzdem lieber einen neuen Text, da ich andere Ansprüche an ein politisches Blog stelle als die Esoteriker. Dabei ist es äußerst amüsant, dass der Oberguru sein realitätsfernes Blog weiterhin und ohne jede Ironie als "Magazin" bezeichnet. Wäre er ein Soldat, könnte ich das noch verstehen – schließlich muss das Magazin immer gut gefüllt sein, wenn die Gesinnungsfreunde in die Schlacht ziehen, um die vielen "Feinde", zu denen unter vielen anderen auch ich gehöre, auszumerzen.

Doch in Faulfußens Text geht es ja in erster Linie um Geld, worum auch sonst. Er möchte nicht 50, nicht 100, nicht 500 und auch keine 1.000 Euro haben – ihm schwebt eine Summe von 12.000 Euro vor dem irren Auge, die er gerne jährlich einsacken möchte. Wofür dieses Geld verwendet werden soll, bleibt natürlich im nebulösen Wabern verborgen – es ändert sich ja nichts daran, dass das Betreiben jenes Blogs schlichtweg gar kein (!) Geld kostet. Trotzdem fabuliert der Mann: Wenn nach Abzug aller ominösen "Kosten" noch etwas übrigbliebe, solle vielleicht auch irgendwann mal ein "Honorar" für AutorInnen gezahlt werden – wobei sich da sofort die Frage stellt, welche AutorInnen damit wohl gemeint sein sollen, da in diesem Katastrophenblog ja fast ausnahmslos Beiträge veröffentlicht bzw. verlinkt werden, die anderswo bereits zuvor erschienen sind.

Das soll 12.000 Euro pro Jahr "im Normalbetrieb" (*glucks*) kosten, meint der Faulfuß – und erntet schallendes Gelächter. Vielleicht sollte ich endlich damit beginnen, mir solche kapitalistischen Ziele auch zu setzen. Mich kostet das Bloggen zwar ebenfalls keinen läppischen Cent, wenn ich die DSL-Gebühren, die ich aber ohnehin hätte, mal ausklammere – aber 12.000 Euro im Jahr könnte auch ich wahrlich gut gebrauchen! Es ist ein wahrer Jammer, dass ich kein Eso-Spinner, sondern bloß ein doofer Kommunist bin.

Ich prostituiere mich aber herzlich gerne und kopiere die Faulfuß'sche Behauptung zur Legitimation dieser habgierigen Aktion deshalb frank und frei:

Mystik, undogmatische Spiritualität, die das Innerste im Menschen berührt, macht die Verbundenheit allen Lebens erfahrbar. Sie erinnert an nicht-materielle Werte und hilft dem Einzelnen, sich durch Selbst-Besinnung destruktiven Zwängen und Manipulationen zu entziehen.

Das tut sehr, sehr weh. An "nicht-materiellen Werten" ist Faulfuß offenkundig gar nicht interessiert – die "sehr-materiellen" Werte sind dagegen wesentlich interessanter. Mir ist übel, das Gehirn schmerzt und ich fühle mich schmutzig. Ich habe die Rechtschreibung, das logische Denken und die kritische Distanz nunmehr verlernt und zusätzlich meinen Intellekt in den nächstbesten Gulli am Marktplatz jenseits der Realität geschmissen – also müsst ihr mir jetzt mindestens 12.000 Euro jährlich spenden! – Ja, wie – niemand hat Bock darauf? Was seid ihr denn bloß für ekelige, unsolidarische Arschlöcher!?! Ihr werdet alle in der Hölle schmoren – das hat sogar Faulfuß bestätigt!

---

Bestrafte Ketzerei


"Die glaubten nicht an Darwin."

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 28 vom 12.10.1925)

Kommentare:

L.W. hat gesagt…

"Aktuell kopiert der Oberesoteriker Faulfuß mal wieder Textbausteine, die er schon mehrere Male zu diesem Zweck verwendet hat..."

Jo, ich brauchte eine Weile, bis ich verstand, dass der Spendenaufruf nicht versehentlich aus dem Archiv sprang. Ich lese ja gerne auf HdS :-), prüfe schon mein Gewissen, ob mein beitragsloses Vergnügen weiterhin zu rechtfertigen sei. Schließlich werde ich für jeden Atemzug meines Lebens zur Kasse gebeten. Klar, von mir wollen die nix, würden keinen einzigen Euro von Volker annehmen – oder doch?
Gruß Volker

Stefan Rose hat gesagt…

Na grandioso - ich habe nichts Böses ahnend den Link angeklickt und nun habe ich das Bild dieser fromm-versonnen glotzenden Milchsemmel im Kopf. Und es geht nicht mehr weg. Da gehört doch eine Triggerwarnung hin, gehört da doch...
Im Ernst: Den richtigen Schrecken habe ich erst beim runterscrollen bekommen. Man kann für seinen Obolus nämlich auch eine Spendenquittung bekommen. Steuerlich absetzbar sind aber meines Wissens nach (Kundige mögen mich gern korrigieren) nur Spenden an Körperschaften, die Gemeinnützigkeit nachweisen können. Wenn das so ist, dann frage ich mich, wie die das hinbekommen...

Charlie hat gesagt…

@ Stefan: Tut mir leid - ich hoffe, Du hast die visuelle, allzu pastorale Fürchterlichkeit inzwischen wieder aus Deinem Kopf verbannen können.

In Sachen Steuern und deren Absetzbarkeit kenne ich mich allerdings gar nicht aus; und ich bin, ehrlich gesagt, jetzt auch zu faul, um das zu recherchieren. ;-) Falls der Eso-Verein aber tatsächlich als "gemeinnützig" anerkannt ist, verbrenne ich öffentlich meinen Personalausweis und bekenne mich zum Weltbürgertum. :-)

Liebe Grüße!

Charlie hat gesagt…

@ Volker: "Ich lese ja gerne auf HdS :-)"

Du musst an Deiner Ironie noch etwas arbeiten - es könnte sonst passieren, dass Dir diesen Spruch tatsächlich jemand glaubt. ;-)

Und Du kannst sicher sein: Wenn Du Geld in den Eso-Sumpf wirfst, wirst Du es gewiss nie wiedersehen. Hast Du das Los des fleischfressenden Eulenmannes schon vergessen, den die unbarmherzigen Pharisäer nicht vor der Obdachlosigkeit bewahrt haben, obwohl er bis heute einer ihrer treusten "Fans" ist? Solchen Leuten ist nicht zu trauen.

Liebe Grüße!

altautonomer hat gesagt…

Auf der sogen. Spendenseite wird der Trick erläutert:

... Juristischer Träger von „Hinter den Schlagzeilen“ ist seit dem 1. Januar 2017 der Verein „Initiative für eine humane Welt (IHW)“, Vorsitzender: Holdger Platta, Ehrenvorsitz: Konstantin Wecker;

da der Verein IHW Gemeinnützigkeitsstatus hat, können Spenden an ihn mit der Zweckbestimmung „HdS“ von der Steuer abgesetzt werden;

Was mir sehr dubios erscheint ist das hier:


Impressum (zu den HdS)

Redaktion

Chefredaktion: Roland Rottenfußer
Redaktion: Alexander Kinsky und Holdger Platta

und ganz unten auf der Seite:

"HINTER DEN SCHLAGZEILEN
Herausgeber:
Initiative für eine humane Welt (IHW)
1. Vorsitzender: Holdger Platta
Chefredakteur: Konstantin Wecker
Stellvertretender Chefredakteur:
Roland Rottenfußer"

Google meldet übrigens bei dem Suchbegriff "Initiative für eine humane Welt (IHW)" keinen einzigen Treffer. Die gibt es offensichtlich nicht.

Eine Fassade zum Spendensammeln, sonst nur heiße Luft.



altautonomer hat gesagt…

Na ja, die neulandrebellen sind da auch nicht bescheiden. Begnügen sich aber mit dem Ziel von 9.600 Euro p.a. für Papier (ß) und Kaffee.

https://steadyhq.com/de/neulandrebellen#js_publication_plans

Wenn das weiter um sich greift, überlege ich, für meine Gastbeiträge auch ein Honorar in Rechnung zu stellen.

Charlie hat gesagt…

@ Altauto: Danke für die Aufklärung. Ich sollte mir angewöhnen, auf obskuren Seiten stets auch im "Kleingedruckten" zu lesen - das ist oft erhellender als die herausposaunten Bekenntnisse.

Über Dein Honorar müssen wir nochmal sprechen. Wieso fragst Du bei Herrn Faulfuß nicht an, ob er Deine Beiträge nicht zweitverwerten möchte - schließlich ist das deren "Kerngeschäft"? Dafür könntest Du dann ein ordentliches Zeilenhonorar verlangen, das wir uns dann teilen (das Lektorat muss schließlich auch bezahlt werden). Na, wie wär's? ;-)

Grinsende Grüße!

Charlie hat gesagt…

P.S.: Ich muss ja nach wie vor ein brüllendes Lachen unterdrücken, wenn ich in solchen Blogs Begriffe wie "Redaktion", "Chefredaktion" (*lol*) oder "Herausgeber" lese. Mir fällt dann immer "Walter Wichtig" ein - das war während meiner Schulzeit ein schmieriger, aktenkoffertragender Bundeswehr- und CDU-Fanboy, der eine Schülerzeitung "herausgegeben" hat, die so schlecht war, dass selbst das konservative Lehrpersonal sich glucksend benässt hat. Der hat solche Begriffe ebenfalls verwendet. ;-)

Die Walter Wichtigs sterben wohl nicht aus ...

jakebaby hat gesagt…

Die Spendenbegeisterung der 4000 im Kommentarbereich war ja auch nahezu goettlich zuegellos.

"Wäre er ein Soldat, könnte ich das noch verstehen – schließlich muss das Magazin immer gut gefüllt sein, wenn die Gesinnungsfreunde in die Schlacht ziehen, um die vielen "Feinde", zu denen unter vielen anderen auch ich gehöre, auszumerzen."

So schlimm ist es nun auch wieder nicht. Ich finde keinen Link mehr, auf dem er dich oder Andere politsch oder gar plasphemisch ausmerzen moechte.
Hab nur noch ein paar alte Zitate ... und die wuerde Faulfuss heute sicher fuer rein erlogen erklaeren, da er den profitablen Scheiss den er da schwaetzt mit Sicherheit selbst nicht glaubt. https://jakester-express.blogspot.com/2011/11/das-universum-als-teil-der-inquisition.html
https://jakester-express.blogspot.com/2014/11/roland-rottenfuer-sagt-zb.html

Schon immer ein harsch, unnachgiebiges Arschloch, welches seine Einkuenfte aus Scheisse generiert .. !

Gruss
Jake

Charlie hat gesagt…

@ Jake: Du kannst davon ausgehen, dass kritische Kommentare dort rigoros gelöscht werden - und gleichzeitig solltest Du das Potenzial der verwirrten Eso-Schranzen in der Bevölkerung im deutschsprachigen Raum nicht unterschätzen, die sicherlich auch für Faulis Predigten sehr empfänglich und damit spendenfreudig sind. Ansonsten kämen der Mann und seine Spießgesellen ja gar nicht auf die völlig absurde Spendensumme von 1.000 Euro monatlich für ein solch lächerliches Blog.

Im Übrigen scheuen diese Gesellen natürlich den "Streisand-Effekt". Deshalb geben sie sich nicht mehr die Blöße, mich oder andere KritikerInnen direkt zu benennen (oder gar zu verlinken), und deshalb sind Du, der Altautonome, die "stille G.", ich und so viele andere dort auch "gesperrt". Das ist so durchschaubar wie es widerwärtig ist. Sie haben vom Kapitalismus gelernt.

Es mag ja einjede/r selbst die Kommentarfunktion dort ausprobieren. :-)

Liebe Grüße!