Samstag, 18. November 2017

Freitag, 17. November 2017

Religiöse Fundamentalisten, der pure Zufall und der Eigennutz


Wohl jeder hat schon einmal etwas von den "Kreationisten" gehört – jener fundamental-christlichen Sekte, die insbesondere in den USA aus den Reihen der "Evangelikalen" hervorgegangen ist und die inzwischen auch in anderen "westlichen", also kapitalistischen Ländern – einschließlich Deutschland – immer mehr Anhänger findet. In jenen Kreisen glaubt man brav an das "Wort Gottes", wie es in der Bibel steht – jeweils basierend auf der bevorzugten Übersetzung der Rückübersetzung der Übersetzung des längst verschollenen Urtextes. Wenn in jenem "Buch der Bücher" also zu lesen ist, dass "Gott die Welt in sieben Tagen schuf", dann glauben Kreationisten dies, während die Evolutionstheorie Teufelszeug für diese Gläubigen darstellt. So weit, so lächerlich und irgendwie lustig.

Weniger bekannt ist allerdings, dass es eine ebenfalls zunehmende Anzahl von Menschen gibt, die ohne den konkreten Bezug auf eine bestimmte Religion oder deren "göttliche" Schriften ebenfalls die "These" des "Intelligent Design" vertreten, die im Grunde dasselbe verkündet. Vince Ebert hat dazu kürzlich eine amüsante Glosse bei spektrum.de veröffentlicht, aus der ich zitiere:

Betrachtet man die Idee allerdings etwas genauer, so treten viele Widersprüche auf. Wenn uns angeblich tatsächlich ein kluger, allmächtiger Designer erschaffen hat, warum hat er dann so etwas Unnötiges wie den Blinddarm entwickelt? Gut, vielleicht war er Chirurg … / Wenn man sich etwas intensiver im menschlichen Körper umschaut, muss man ohnehin an einem intelligenten Designer zweifeln. Das linke Ohr ist mit der rechten Hirnhälfte verbunden, Luft- und Speiseröhre sind gekreuzt, die Abwasserleitung läuft direkt durch das Vergnügungsviertel. Kein Bauleiter würde so eine Butze abnehmen. Intelligenter Schöpfer hin oder her – Innenarchitektur ist mit Sicherheit nicht seine Stärke.

Die Lektüre macht durchaus Spaß. Selbstverständlich muss man diesem semi-religiösen Irrsinn aber noch auf ganz andere Weise begegnen, beispielsweise indem man fragt, was dem "intelligenten Designer" denn wohl an Darmwinden durch den Kopf gegangen sein mag, als er das irdische Prinzip des Fressens und Gefressenwerdens "geschaffen" hat. Wie intelligent ist es, dass beispielsweise manche Fische millionenfachen Nachwuchs in die Welt setzen (müssen), von dem der allergrößte Teil allerdings von anderen Lebewesen aufgefressen wird, so dass nur eine vergleichsweise geringe Anzahl der "Kinder" der Arterhaltung dient? Beispiele wie dieses gibt es tausendfach in der Natur. Ein "intelligenter Schöpfer", der sich so etwas ausdenkt und umsetzt, muss wohl ein pathologischer Sadist, ein Geisteskranker oder ein Kapitalist (okay, das ist ein Synonym für beides) sein.

Derlei Einwände berühren wahre Gläubige jedoch nicht – weshalb die Frage gestattet sein muss, ob eine solche bescheuerte "These" wie das "Intelligent Design" tatsächlich die Ursache oder nicht doch vielmehr ein nachgeschobenes, allzu konstruiertes "Bekräftigungsargument" des auch vorher schon vorhandenen Aberglaubens darstellt. Wie so oft, findet man auch dazu eine passende Antwort bei den esoterischen Glaubensspinnern von "Jenseits der Realität" (Klicken und Lesen auf eigene Gefahr!):

Monika H., Heilerin mit eigener Praxis, erzählt in diesem Auszug aus ihrem Buch "Sei still meine [sic!] Herz, die Bäume beten", wie man im Sinne des Weisen Lao Tse Vertrauen vermehren kann.

Wer sollte einer selbsternannten Heilerin [sic!] – mit "eigener Praxis" gar, ähnlich einer Kardiologin –, die Bäume beten hört und "Gebetsheilung" anpreist, auch widersprechen? Nein, das verbietet sich strikt – man darf psychisch Kranke nicht an den Pranger stellen. Es sei denn, sie sind gar nicht psychisch krank, sondern verfolgen heimlich ganz andere – in diesem Segment meist sehr eigennützige, nämlich schnöde finanzielle – Interessen.


(Die Karte "9 Scheiben: Gewinn" aus dem "Röhrig-Tarot")

Dazu noch einmal Vince Ebert:

Würde die Naturgeschichte noch einmal ablaufen, so verliefe sie vollkommen anders. Genau das ist wahrscheinlich der Grund, weshalb die Evolutionstheorie bei christlichen Fundamentalisten so unbeliebt ist. Weil sie zeigt, dass der pure Zufall zu unserer Existenz führte.

Ich sollte mir endlich überlegen, ob ich nicht auch auf das Business "Esoterik" umsattele: Damit lässt sich im Gegensatz zu linken Blogpostings offenkundig richtig viel Geld verdienen, ohne tatsächlich arbeiten oder denken zu müssen. Wieso in des Spaghettimonsters Namen habe ich bloß immer diese vielen Skrupel, die andere gar nicht zu kennen scheinen?!? Ich besitze schließlich mehr als 40 Tarotkarten-Sets aus drei Jahrhunderten, die ich vor Jahren mal aus wissenschaftlicher Tollheit angeschafft habe (kein Scherz), weil ich mich mit dem literarischen Thema "Humbug, der seit Jahrhunderten immer wieder neu aufgelegt wird" beschäftigt habe und nach passenden Illustrationen für diese Arbeit suchte – und dort natürlich reichlich fündig wurde.

Ich biete also ab sofort Tarot-Sessions an: Für nur 873,99 Euro pro angefangener Stunde zzgl. Mehrwertsteuer lege ich Euch die Karten Eurer Wahl und sage Eure Heilung voraus! Wer bucht zuerst? Monika H., möchtest Du beginnen? Die ersten zehn BucherInnen bezahlen nur 647,39 Euro! Ihr spart euch reich – entdeckt Eure Heilung!

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Der letzte Halt


"Ich glaube nicht mehr an Gott, ich glaube nicht mehr an die Menschen – und jetzt wollen Sie mir auch noch die Karten verekeln!"

(Zeichnung von Olaf Gulbransson [1873-1958], in "Simplicissimus", Heft 44 vom 31.01.1923)

Mittwoch, 15. November 2017

Die Habgier der Reichen und die kapitalistische Presse


Was jeder bereits gewusst hat, lässt sich nun aufgrund der "Paradise Papers" ve­ri­fi­zie­ren: Das kapitalistische System ist ein "Elite"-System, das sich einzig um die Belange der Superreichen dreht. Diese Erkenntnis kann nun nur geistig Benachteiligte überraschen – und dennoch bleiben die kapitalistischen Medien ihrer Aufgabe treu und berichten brav, wie die Herrschaft es von ihnen verlangt. Ganz abgesehen davon, dass die Bezeichnung "Paradise Papers" bereits zynisch ohne Ende ist – richtigerweise müssten diese Dokumente "Hell Papers" heißen –, bewies n-tv vor einer Woche, wo der freiheitlich-demokratische Hase in Kapitalistan langzulaufen hat.

Neben durchaus korrekten Anmerkungen verwest dieser Artikel durch einen fetten Abschnitt über – ja, man kann sich das kaum vorstellen, aber es ist leider so – den "bösen Russen" vor sich hin. Ich zitiere aus dieser Gedankenfäule hier nicht, da soll sich einjede/r selbst die Hirnrinde beim Lesen verbrennen. Ich frage mich schon lange nicht mehr, wieso in deutschen Qualitätsmedien eigentlich nicht von deutschen, amerikanischen, französischen, belgischen und sonstigen Oligarchen die Rede ist, sondern stets nur von russischen; oder weshalb ausgerechnet das russische Episödchen aus den "Hell Papers" so zentral und ausladend aufbereitet und sogar mit einer eigenen Abschnittsüberschrift ("Spuren nach Russland") herausgehoben wird. Die Antwort liegt ja für alle sichtbar auf der Hand.

Nach wie vor werde ich wohl bis hinein ins Grab nicht verstehen, wieso jemand, der schon hunderte oder gar tausende von Millionen Euro oder Dollar "besitzt" ("ergaunert hat" wäre der passendere Ausdruck), sich dennoch wie von Sinnen darum bemüht, diese absurde, geradezu groteske Summe nicht nur stetig zu vermehren, sondern auch noch außer Landes zu schaffen, damit der Staat auch ja keine Portokassenbeträge vom Profit (nicht von der eigentlichen Summe!) abzieht. Das ist nicht nur absurd, sondern grob pathologisch: Solche Menschen gehören dringend in fachärztliche Behandlung.

Dasselbe gilt freilich für die begleitenden politischen Marionetten: Es ist kein Zufall, dass derlei Machenschaften in Kapitalistan legal sind und – darauf verwette ich meinen Hintern – auch weiterhin legal bleiben. Nach ein paar mehr oder weniger "anklagenden" Berichten in der Systempresse wird man wieder zum Tagesgeschäft übergehen. An den kriminellen Strukturen wird sich nichts ändern, und auch die "Steueroasen", die eigentlich "Steuerhöllen" heißen müssten, werden wie gehabt weitermachen. Wir kennen das Prinzip bereits aus der "Finanzkrise": Es wurde viel geschrieben und noch mehr lamentiert – verändert hat sich am Casinobetrieb und seinen "gesetzlichen Rahmenbedingungen" aber trotzdem nichts (ich wiederhole: NICHTS). Stattdessen darf beispielsweise die griechische Bevölkerung die Zeche für die Superreichen zahlen. Was bedeuten denn schon Obdachlose, Hungernde, Kranke und Alte ohne Krankenversicherung, zunehmende Suizide oder steigende Kindersterblichkeit für die Herren und Damen des Kapitals? Sie nennen es, sofern sie keine erklärten Faschisten sind, vermutlich "Kolleteralschäden" und trinken ein weiteres Glas Champagner, anstatt über ihre eigene Widerwärtigkeit zu reflektieren. Und die Journaille applaudiert brav, konsumiert Lachsschnittchen am Katzentisch und bietet willfährig Nebenschauplätze an.

Der totale Irrsinn ist zur Normalität geworden.

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Entfettung


"Hier haben Sie eine Mark – und nun verraten Sie mir aber auch, wie Sie es angefangen haben, so schlank zu werden!"

(Zeichnung von Thomas Theodor Heine [1867-1948], in "Simplicissimus", Heft 21 vom 24.08.1925)

Montag, 13. November 2017

CDU und AfD: Lügireuter und der braune Haufen


Es war ja abzusehen, dass es nicht lange dauern wird, bis sich die kapitalistische CDU und die kapitalistische AfD ihrer reichen Herrschaften besinnen, zu deren Stiefelleckzwecken sie existieren. Dass es allerdings so schnell gehen könnte, habe sogar ich oller Schwarz- bzw. Braunmaler nicht für möglich gehalten. In der FR war vor zwei Wochen zu lesen:

Die CDU in der erzgebirgischen Universitätsstadt Freiberg fordert laut und deutlich den Rücktritt von Parteichefin und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Außerdem, so der örtliche Vorsitzende und Baubürgermeister Holger Reuter, solle die sächsische CDU ernsthaft über Bündnisse mit der AfD nachdenken: "Wenn sich die AfD stabilisiert und zu einer Politik kommt, die dem Bürger auch wirklich Wege zeigt, wie es besser werden kann, dann halte ich persönlich auch eine Koalition mit der AfD für möglich", sagte er dem MDR.

Lügireuter und der braune Haufen

Das sitzt – und sollte nun auch dem letzten merkbefreiten "Protestwähler" deutlich die Augen öffnen, mit was für korrupten Abziehbildern sie sich da eingelassen haben. Leider wirkt das "sollte" nicht so, wie es müsste, denn noch immer liegt die AfD in der "Wählergunst" an derselben Stelle. Das legt aus meiner Sicht die Vermutung nahe, dass es sich bei diesen WählerInnen mehrheitlich gerade nicht um "ProtestlerInnen" handelt, sondern um schnöde RassistInnen und NationalistInnen, die einen ausländerfeindlichen Kurs in der Politik selbst dann gut finden, wenn sie dafür weniger Gehalt, weniger Rente, weniger Arbeitslosengeld und einige aus den Fugen quellende, überlaufende Geldspeicher einer kleinen, kriminellen "Elite" bekommen (um nur wenige Beispiele zu nennen). Mit Dummheit allein lässt sich das jedenfalls – aus meiner Sicht – längst nicht mehr erklären.

Man vergleiche diese Ungeheuerlichkeit der sächsischen CDU nur einmal mit der medialen Hinrichtungskampagne gegen Frau Ypsilanti (SPD), als diese es vor Jahren wagte, nach einer Landtagswahl über ein Bündnis mit der Linkspartei nachzudenken. Das Szenario wird nicht erst rückblickend umso lächerlicher, wenn man bedenkt, dass auch eine damalige Koalition von SPD und Linkspartei nichts anderes getan hätte als die Mafia-KollegInnen aus der CDU, FDP und den Grünen. Wer hier noch immer nicht im kristallklaren "Wasser der Erleuchtung" schwimmt und endlich bemerkt, auf welch üblem Rechtskurs mitten hinein in die Latrine der NPD sich die Politik und "freien Medien" befinden, dem ist wahrlich nicht mehr zu helfen. – Genauso verhält es sich heute bezüglich der AfD: Mir hat beispielsweise noch niemand nachvollziehbar den Unterschied zwischen den politischen Zielen der AfD und jenen der CSU erklären können. Falls sich jemand dazu berufen fühlt: Ich bin ganz und gar Ohr!

"We love to verarsch you"

Dasselbe gilt freilich auch für die übrigen kapitalistischen Blockparteien, die sich einzig durch die Balkenfarbe in den Diagrammen der Kuhmedien und den vielfältigen rhetorischen Popanz, nicht aber durch ernstzunehmende Inhalte voneinander unterscheiden. Ich bin sehr gespannt (*gähn*), wie schnell statt "Jamaika" nun die "Schwafaschampel" (CDU/CSU, AfD, FDP) ins Rennen um den schnellsten Weg in den Abgrund geht und wie lange es dauert, bis SPD, Linkspartei und Grüne den längst aufgestellten Turborekord im Umfallen und rechtsspurigen Überholen der Menschenfeinde noch einmal übertrumpfen werden.

Eine Lanze für Merkel

Angesichts des vorgelegten Tempos aus Sachsen kann es sich hier nur um wenige Monate handeln, falls die Bleierne abgesägt wird. Insofern sollte man heute schon überaus dankbar sein, wenn das Merkelmonster trotzdem weiterhin am vermeintlichen Chefsessel klebt wie zähflüssiger, übelriechender, brauner Darmausfluss. Nichts, was da nachzufolgen gedenkt, könnte auch nur ein bisschen weniger furchtbar sein als diese Sockenpuppe der kapitalistischen Mafia aus der Uckermark.

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Charlie im Augenblick des Versuchs, eine Lanze zu brechen.